Warnung vor verführerischen Lehrern
Eine Auslegung von 2. Petrus 2,1-2
 

 
 
 
Es gab aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch falsche Lehrer sein werden, die heimlich verderbliche Sekten einführen, indem sie sogar den Herrn, der sie erkauft hat, verleugnen; und sie werden ein schnelles Verderben über sich selbst bringen. Und viele werden ihren verderblichen Wegen nachfolgen, und um ihretwillen wird der Weg der Wahrheit verlästert werden. Und aus Habsucht werden sie euch mit betrügerischen Worten ausbeuten; aber das Gericht über sie ist längst vorbereitet, und ihr Verderben schlummert nicht.
 
 
Im 2. Petrusbrief betont der Geist Gottes die verderbliche Rolle falscher Lehrer und vergleicht sie mit derjenigen der falschen Propheten im Volk Israel. Das bedeutet nicht, daß es keine falschen Propheten in der Gemeinde geben würde. Auch falsche Propheten sind für die Endzeit in der Gemeinde vorausgesagt (vgl. Mt 24,11; 1Joh 4,1). Aber zunächst spielten im Verlauf der Geschichte der nachapostolischen Gemeinde die betrügerischen Lehrer eine viel bedeutsamere Rolle in dem erschreckenden Prozeß der Entartung der Gemeinde zur römischen Kirche.
 
Diese falschen Lehrer brachten die Irrtümer der heidnisch-griechischen Philosophie, der Mysterienreligionen und der Gnosis in die Gemeinde und verdarben die reine Lehre der Apostel mit diesen Beimischungen. Wie gewichtig ist im Licht dieser Tatsachen die Warnung des Apostels Paulus: „Habt acht, daß euch niemand beraubt durch die Philosophie und leeren Betrug, gemäß der Überlieferung der Menschen, gemäß den Grundsätzen der Welt und nicht Christus gemäß“ (Kol 2,8).
 
Indem die Lehre verdorben wurde, wurde auch der Glaube verkehrt und das Leben der Einzelnen wie der Gemeinden entartete, bis von der apostolischen Gemeinde nur noch eine leere Hülle übriggeblieben war. Erste Ansätze dieser Verführung waren bereits in der Apostelzeit sichtbar, wie die Aussagen von 2. Petrus und Judas zeigen, aber auch im Kolosserbrief, im 1. Timotheusbrief und den Johannesbriefen.
 
 
Der Geist Gottes warnt uns ernst und eindringlich
 
Vor diesen Entwicklungen warnt der Geist Gottes eindringlich und in scharfen, deutlichen Worten. Wir finden hier wie auch in allen apostolischen Äußerungen über Irrlehrer und Verführer keine Spur des heute überall in evangelikalen Kreisen geforderten Höflichkeitskodexes, nach dem man über Verführer und Verderber der Gemeinde nur freundlich, nachsichtig und verständnisvoll sprechen dürfe, ihre angeblich guten Motive betonen und ihre Irrtümer barmherzig zudecken müsse. Stattdessen redet der Geist Gottes hier mit heiligem Ernst und einer Schärfe, die aufweckt und erschrecken läßt.
 
Die ungewöhnlich scharfen Worte der Verurteilung, die die Schrift in diesem Kapitel für die Verführer und Verderber der Christenheit verwendet, sollten uns zu denken geben. Es ist bemerkenswert, was der längst heimgegangene Bibellehrer J. Sidlow Baxter dazu sagt:
 
Was für eine vernichtende Bloßstellung ist dieses zweite Kapitel! Hier wird kein „Blatt vor den Mund genommen“; hier wird nicht „um den heißen Brei herumgeredet“. Es kann keine Duldung dessen geben, was mitten in der Gemeinde selbst Christus entehrt und Seelen verdirbt! Es kann keine „taktvolle Behandlung“ falscher Lehrer geben! Eine Viper kann ein wunderschönes Geschöpf sein, wenn man sie betrachtet, aber wehe, wenn ihr giftiges Gebiß dich packt oder du in ihrer würgenden Umschlingung gefangen bist!

Petrus betrachtet dieses Thema mit vom Geist gesalbter Klarheit. Hier kann es keinen Kompromiß geben. Denke daran, in diesem zweiten Kapitel spricht nicht bloß Petrus; der Geist Gottes spricht! Das sollte manchen von uns sehr zu denken geben. Wenn anstelle von gerechter Empörung eine lockere Freundlichkeit herrscht und es zuläßt, daß falsche Lehre, die Christus entehrt, in der Gemeinde alles zerstört, dann hat diese Freundlichkeit aufgehört, christlich zu sein; sie ist zu verdeckter Untreue geworden, zu getarnter Feigheit, zu moralischer Auszehrung.
 
Das Schlüsselwort, das in unseren Versen wie in dem ganzen Abschnitt immer wieder anklingt, ist „Verderben“. Die irreführenden Lehren (Häresien) der falschen Lehrer sind verderblich; ihre Wege sind verderblich – das heißt, sie bringen Fäulnis und Zersetzung, Zerstörung und Tod über diejenigen, die ihnen folgen. Gott aber wird über sie selbst ein rasches und unbarmherziges Gericht des Verderbens bringen, dem sie nicht entrinnen werden.
 
 
Die besondere Gefährlichkeit falscher Lehren für die Gemeinde
 
Deshalb geht in der Gemeinde eine besondere Gefahr von falschen Lehrern (pseudo-didaskaloi; w. Lügenlehrern, Lehrern der Lüge und des Betruges) aus. Israel hatte als irdisches Bundesvolk konkrete Anweisungen und Gebote, die man im wesentlichen nur beachten oder mißachten konnte. Die Gemeinde dagegen ist ein geistlicher, himmlischer Organismus, der durch seine Stellung zu dem erhöhten und verherrlichten Christus bestimmt wird.
 
Die Lehre der Apostel über die Gemeinde ist vielschichtig und tiefgehend; sie verlangt in vielem ein entwickeltes geistliches Verständnis und geistliche Gesinnung, damit sie ergriffen und ausgelebt werden kann (vgl. auch 2Pt 3,15-16). Hier setzt der Feind gezielt mit falscher, irreführender Lehre an, denn falsche Lehre kann die Gemeinde schwer schädigen und ihr Zeugnis für Christus beeinträchtigen und verdunkeln. Dabei gehen die Verführer listig und mit Täuschung vor; Hamilton Smith kennzeichnet ihre Taktik treffend:
 
Diese Menschen behaupten, Lehrer zu sein, und täuschen so die Einfältigen, indem sie, wie jemand gesagt hat, „Irrtum und Wahrheit so miteinander verflechten, daß die Wahrheit aufrichtige Seelen anziehen soll und sie auf diese Weise von der Wachsamkeit gegenüber dem Irrtum abgelenkt werden, der mit der Wahrheit vermischt wurde.“
 
Das geistliche Leben des einzelnen Gläubigen wie auch einer örtlichen Gemeinde ist stark abhängig von der Festigung in der gesunden Lehre der Schrift. Wenn der Gläubige bzw. die Gemeinde sich nicht ihrer Stellung in Christus und ihres Auftrages bewußt sind, können sie in schwere Irrtümer verfallen, und ihr Leben bringt nicht die von Gott vorgesehene Frucht. Falsche Lehre führt auch dazu, daß falsche Bekehrungen und unechte Gläubige immer mehr überhandnehmen und Gemeinden so über ein oder zwei Generationen ganz entarten können. Gesunde Gemeinden brauchen umfassende Lehre und Unterweisung im ganzen Ratschluß Gottes (Apg 20,27).
 
Besonders wichtig ist hier die Lehre des Apostels Paulus über das Geheimnis und das Wesen, die Stellung und Berufung der Gemeinde als besonderer Heilskörperschaft in Christus. Durch die gesunde Lehre, wenn sie mit einem gesunden praktischen Glaubensleben verbunden ist, gelangt die Gemeinde bzw. der einzelne Gläubige zur vollen Mannesreife in Christus:
 
Und Er hat etliche als Apostel gegeben, etliche als Propheten, etliche als Evangelisten, etliche als Hirten und Lehrer, zur Zurüstung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes des Christus, bis wir alle zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zur vollkommenen Mannesreife, zum Maß der vollen Größe des Christus; damit wir nicht mehr Unmündige seien, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch das betrügerische Spiel der Menschen, durch die Schlauheit, mit der sie zum Irrtum verführen, sondern, wahrhaftig in der Liebe, heranwachsen in allen Stücken zu ihm hin, der das Haupt ist, der Christus. (Eph 4,11-15)
 
Der Widersacher sucht die Gläubigen in Unmündigkeit zu halten, sie im Glauben zu schwächen und durch Verführungslehren mit allerlei Krankheiten zu infizieren, damit sie kraftlos und untauglich werden für das Evangeliumszeugnis und die Aufbauarbeit in der Gemeinde. Solche Unmündigkeit hat, wie uns der Hebräerbrief lehrt, viel zu tun mit Fleischlichkeit einerseits und dem Unvermögen, die feste Speise der gesunden Lehre aufzunehmen (vgl. Hebr 5,11-14).
 
Verführerische Lehre vermag aber auch den Glauben mancher umzustürzen und leitet viele ins Verderben, die aufgrund der Irreführung den Weg des Heils verfehlen. Solche Verführungslehren oder Irrlehren sind das Werk dämonischer Geister, die diese Irrtümer raffiniert ersinnen und ihnen eine unheimliche Kraft über die Seelen natürlicher Menschen verleihen:
 
Der Geist aber sagt ausdrücklich, daß in späteren Zeiten etliche vom Glauben abfallen und sich irreführenden Geistern und Lehren der Dämonen zuwenden werden durch die Heuchelei von Lügenrednern, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind. (1Tim 4,1-2)
 
Damit wird das Wesen der raffinierten Verführungslehren ans Licht gebracht, die heute die Gemeinde bedrohen, sei es die Pfingst- und Charismatische Bewegung, die bibelkritische liberale Theologie, die Ökumene, die römisch-katholische Kirche, die weltliche Gemeindewachstumsbewegung, die missional-emergente Strömung oder die mystische „neue Spiritualität“. Hinter diesen Strömungen und ihren Lehren stecken verführerische Geister. Deshalb stellen diese Lehren auch einen tödlich gefährlichen Sauerteig dar, den die wahre Gemeinde unbedingt fernhalten und konsequent bekämpfen muß, wenn sie überleben will (vgl. 1Kor 5,6-8; Gal 5,7-10; Röm 16,17-18; 1Tim 6,3-5; 2Kor 6,14-18).
 
Nur durch die Kraft des Wortes Gottes und des Heiligen Geistes können solche irregeführten Seelen noch aus den Fallstricken des Feindes nüchtern werden und zur Buße kommen (vgl. 2Tim 2,25-26). Der wahrhaft von neuem geborene Gläubige kann, wenn sein geistliches Leben gesund ist, diese Irrtümer durchschauen und ihrer verführerischen Macht widerstehen. Aber auch er kann schweren Schaden nehmen, wenn er nicht wachsam ist. Deshalb dienen die ernsten Ausführungen dieses 2. Kapitels wie auch der Judasbrief zur heilsamen Warnung für alle Kinder Gottes, sich vor der tödlichen Gefahr der Verführungslehren unbedingt in acht zu nehmen.
 
 
2Petr 2,1    Es gab aber auch falsche Propheten1 unter dem Volk, wie auch unter euch falsche Lehrer2 sein werden, die heimlich verderbliche3 Irrlehren4 einführen5, indem sie sogar den Herrn6, der sie erkauft hat7, verleugnen8; und sie werden ein schnelles Verderben9 über sich selbst bringen.
 
pseudo-prophètai = Lügenpropheten; falsche Propheten; Propheten, die Irrtum vorbringen
pseudo-didaskaloi = Lügenlehrer; falsche Lehrer; Lehrer, die Irrtum lehren
apòleia Gen = Verderben, Zerstörung; verderblich; verderbenbringend
hairesis Pl = Häresie; Irrlehre; selbsterwählte Sonderlehre; Parteiung, die sich um eine Sonderlehre gruppiert; Menge: „verderbliche Irrlehren“
par-eis-agò = heimlich oder allmählich (= para) einführen (Langenscheidt-Menge)
despotès = [unumschränkter] Gebieter, Herr, Hausherr, Besitzer
agorazò = [auf dem Markt = agora] kaufen
arneomai Ptz Med = leugnen, bestreiten, verleugnen, nicht kennen wollen, nicht anerkennen, verweigern
9  tachinèn apòleian = rasches, schnelles Verderben / Zerstörung / Untergang

 
 
V. 1: Der Apostel Petrus beginnt seine Warnung mit einem Hinweis auf die Geschichte Israels; er konnte offenkundig davon ausgehen, daß seine Leser mit dem Alten Testament gut vertraut waren. Auch wir sollten als Bibelleser mit den heiligen Schriften des AT gut vertraut sein und sie allesamt wieder und wieder lesen und studieren, denn sie sind die Grundlage für die Schriften des Neuen Testaments, die in vielem ohne Kenntnis des AT gar nicht recht verständlich wären, und sie sind gleichermaßen wie das NT „nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet“ (2Tim 3,16-17).
 
Die Wirkungen der Verführung im alten Bundesvolk gehört zu den Dingen, die wir studieren und beachten sollten, denn: „Alle diese Dinge aber, die jenen widerfuhren, sind Vorbilder, und sie wurden zur Warnung für uns aufgeschrieben, auf die das Ende der Weltzeiten gekommen ist“ (1Kor 10,11). Zu den wichtigen vorbildhaften Aussagen des AT über Verführung im Volk Gottes gehören etwa die Geschichte Bileams, der später im 2. Petrusbrief noch ausdrücklich erwähnt wird (4. Mose 22 – 24; Offb 2,14), sowie die eindrückliche Geschichte von Josaphat und Ahab und dessen 400 falschen Propheten in 1. Könige 22.
 
Es gehören aber auch die Warnungen des Propheten Jeremia dazu, der Gottes Gericht über die falschen Propheten aussprach, wie wir oben gesehen haben (vgl. Jeremia 23). Es gehört auch die wichtige Lehre in 5. Mose 13,1-6 dazu, die wir ebenfalls in der Einleitung angeführt haben. Gott läßt falsche Propheten und falsche Lehrer, Irreführung und verkehrte Lehren in Seinem Volk zu, um es zu prüfen und zu läutern, um es dazu zu bringen, daß es die wahre Weisung Gottes recht versteht und umso fester bewahrt.
 
Der Apostel Petrus verweist also auf das warnende Beispiel der falschen Propheten in Israel, die alle im Namen des HERRN auftraten und irreführende Botschaften verbreiteten. Er kündigt dann an, daß in der Gemeinde falsche Lehrer auftreten werden – eine Form der Verführung, die Israel so nicht kannte. Wie schon gesagt, schließt das nicht aus, daß es in der Gemeinde auch falsche Propheten gibt; davor warnt der Apostel Johannes ausdrücklich in 1. Johannes 4,1-4.
 
 
Verderbliche Irrlehren – das Werk der falschen Lehrer
 
Doch geht von den falschen Lehrern, wie wir schon oben gesehen haben, eine besondere Gefahr aus, weil die Gemeinde für ihr gesundes Wachstum und ihren geistlichen Weg besonders auf gesunde Lehre und Unterweisung in der den Aposteln geoffenbarten Wahrheit angewiesen ist. Hier setzt der Feind an, um sie durch Irrtümer zu schwächen, auf einen falschen Kurs zu bringen und, und wo möglich, zur Entartung zu führen. Wenn wir bedenken, wie rasch und gründlich dies kurz nach der Apostelzeit in der Entstehung der katholischen Kirche geschehen ist, dann werden wir diese Mahnungen noch ernster nehmen müssen, da wir ja als Gläubige in der Endzeit leben, wo die kräftigen Irrtümer umso massiver auf die Gemeinde eindringen.
 
Die falschen Lehrer werden verderbliche Sekten oder Irrlehren in die Gemeinde einschleusen, und zwar heimlich, nebenbei und allmählich (das ist die Bedeutung der gr. Vorsilbe par- vor dem Wort für „einschleusen“). Vom Textzusammenhang her bedeutet das griechische Wort hairesis, von dem unser deutsches Fremdwort „Häresie“ abgeleitet ist, hier vor allem „Irrlehren“, böse, verkehrte Lehren und erst in zweiter Linie daraus entstehende „Sekten“ oder „Parteiungen“. Man sollte daher übersetzen: „wie auch unter euch falsche Lehrer sein werden, die heimlich verderbenbringende Irrlehren einschleusen“.
 
In diesem Sinn übersetzt der Griechischexperte Menge „verderbliche Irrlehren“, die King James Bible „damnable heresies“ und Fronmüller „selbsterwählte Lehren des Verderbens“; so deuten auch die meisten Lexika und viele Kommentare den Begriff an dieser Stelle (z.B. das Standardlexikon Bauer, der Neue Sprachliche Schlüssel, Thayer’s, Zodhiates). Häresien bzw. Irrlehren oder Verführungslehren müssen wir unterscheiden von bloßen Erkenntnisunterschieden oder Lehrirrtümern unter wahren Christen. Aufgrund unseres Fleisches und unserer Schwachheit wird es immer Unterschiede in der Erkenntnis bestimmter biblischer Aussagen und Lehren geben, auch wenn sich echte Gläubige bei den fundamentalen Lehren der Bibel einig sein werden.
 
Eine Irrlehre oder Verführungslehre aber ist dadurch gekennzeichnet, daß sie wichtige Aussagen der Schrift verdreht und auflöst, daß sie den Glauben untergräbt und korrumpiert, daß sie böse Spaltungen und Abirrungen in der Gemeinde bewirkt, daß sie die biblische Lehre von Christus und seinem Werk verfälscht und einen anderen Jesus verkündet.
 
Die Schrift gibt uns den wichtigen Hinweis, daß solche Irrlehren nicht offen, sondern heimlich, nebenher, auf unbemerkten Seitenwegen in die Gemeinde eingeschleust werden. Der Widersacher weiß genau, daß der Widerstand groß und die Verführungswirkung gering sein wird, wenn er seine Irrtümer offen und ungetarnt einführen will. Deshalb mischt er in seinen Verführungslehren listig einiges an Wahrheit in den Irrtum hinein.
 
 
Tarnung und Täuschung als Taktik
 
Wenn ein Irrlehrer 100% oder auch 60% Lüge und Verführung auftischen würde, dann würden wohl die meisten Gläubigen Verdacht schöpfen und ablehnen. Wenn die Mischung aber 80% Wahrheit und 20% Irrtum enthält, dann schlucken viele den Köder. Deshalb kommen Irrtümer oft vermischt mit orthodoxen, den Gläubigen vertrauten Aussagen daher; viele Irrlehre hat etwas Schillerndes, Unklares, bewußt Mehrdeutiges, während doch unser Herr sagt: „Es sei aber eure Rede: Ja, ja! Nein, nein! Was darüber ist, das ist vom Bösen“ (Mt 5,37). Welch ein Gegensatz der unlauteren Verführungslehren zur Verkündigung des Apostels Paulus, der von sich bekennt:
 
Denn unsere Verkündigung entspringt nicht dem Irrtum, noch unlauteren Absichten, noch geschieht sie in listigem Betrug; sondern so wie wir von Gott für tauglich befunden wurden, mit dem Evangelium betraut zu werden, so reden wir auch - nicht als solche, die den Menschen gefallen wollen, sondern Gott, der unsere Herzen prüft. (1Thess 2,3-4)
 
… wir lehnen die schändlichen Heimlichkeiten ab; wir gehen nicht mit Hinterlist um und fälschen auch nicht das Wort Gottes; sondern indem wir die Wahrheit offenbar machen, empfehlen wir uns jedem menschlichen Gewissen vor dem Angesicht Gottes. (2Kor 4,2)
 
Die Botschaft, die die falschen Lehrer mit glänzender Rhetorik und gewinnendem Auftreten verbreiten, ist jedoch in Wahrheit ein gefährliches, lähmendes Gift; es wirkt Verderben, Zersetzung, Fäulnis und Tod. „Irrlehre ist wie Sauerteig. So hat es uns der Apostel Paulus gesagt, als er die jüdische Gesetzlichkeit bekämpfte, die sich unter den Galatern ausbreitete: ‚Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig‘ (Gal 5,9). Sauerteig bedeutet Verderbnis, und sein Wesen ist es, alles zu verderben, mit dem er in Kontakt kommt. So ist es auch mit falscher Lehre“.
 
Solche falschen Lehren vermitteln immer den Eindruck, man habe jetzt eine besonders hohe, wertvolle Erkenntnis gewonnen, die einen über die „Normalchristen“ erhebt und Gott viel näher bringt, wenn nicht sogar gottgleich macht. Man fühlt sich erleuchtet, belebt, über sich selbst hinausgehoben – und merkt gar nicht, daß dieser erhebende Zustand in Wahrheit eine gefährliche Verblendung ist, ein ungesundes Berauschtsein von giftiger „Sondererkenntnis“ (Gnosis) und eine bedenkliche Aufgeblasenheit.
 
Die falschen Lehrer selbst tarnen sich ebenfalls. Ihrem Wesen nach sind sie Diener des Teufels; sie sind nicht von neuem geboren, sondern natürliche Menschen, die den Geist nicht haben (Jud 1,19); sie sind Wölfe im Schafspelz, wie ihre Kollegen, die falschen Propheten (vgl. Mt 7,15). Von ihnen gilt sinngemäß die Kennzeichnung des Apostels Paulus:
 
Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter, die sich als Apostel des Christus verkleiden. Und das ist nicht verwunderlich, denn der Satan selbst verkleidet sich als ein Engel des Lichts. Es ist also nichts Besonderes, wenn auch seine Diener sich verkleiden als Diener der Gerechtigkeit; aber ihr Ende wird ihren Werken entsprechend sein. (2Kor 11,13-15)
 
Diese falschen Lehrer scheinen also vollmächtige, wiedergeborene Christen und Diener Gottes zu sein; sie weisen fast immer eine hohe Intelligenz, ausgezeichnete Beredsamkeit und umfassende theologische Schulung auf; ihr Auftreten ist, wie das der falschen Apostel in Korinth, eindrucksvoll und menschlich gewinnend; kein Wunder, daß uns die Schrift warnt: „durch wohlklingende Reden und schöne Worte verführen sie die Herzen der Arglosen“ (Röm 16,18).
 
 
Der Verrat der Verführer an Christus
 
Der Apostel Petrus sagt von ihnen, daß sie sogar „den Herrn, der sie erkauft hat, verleugnen“. Das ist angesichts der offenkundigen Tatsache, daß sie nicht wirklich bekehrt und neugeboren sind, eine nicht leicht zu verstehende Aussage, die zu verschiedenen Deutungen Anlaß gegeben hat. In jedem Fall haben sie sich, davon muß man ausgehen, zu Christus bekannt, haben sich taufen lassen und damit eine Stellung als Christen eingenommen. Waren diese falschen Lehrer einst wirklich Erlöste, wiedergeborene Gläubige? Manche Ausleger gehen davon aus, aber der gesamte Zusammenhang weist in eine andere Richtung. Diese Leute hatten sich dazu bekannt, erlöst zu sein und Christus zu dienen – aber sie verhielten sich wie untreu, ungehorsame Knechte, die gegen ihren Herrn, der sie erkauft hat, rebellieren.
 
Der Apostel sagt nicht, daß der Gebieter sie erlöst hat: Er geht nicht davon aus, daß diese falschen Lehrer zu den Erlösten gehören. Wie jemand gesagt hat, bezieht sich der Vergleich auf einen Herrn, der auf dem Markt Sklaven gekauft hat, und sie verweigern ihm die Anerkennung und den Gehorsam.
 
In welchem Sinn waren diese falschen Knechte dann „erkauft“? Nun, man kann sagen, daß Christus mit Seinem Opfer in einem gewissen Sinn alle Menschen erkauft hat (vgl. 1Joh 2,2; Joh 1,29), so wie der Mann im Gleichnis von Mt 13,44 den ganzen Acker kaufte, um die Perle zu erhalten. Ganz besonders hat Christus einen Eigentumsanspruch an diejenigen, die sich durch ihr Bekenntnis und womöglich eine Taufe zu Ihm bekannt haben.
 
Diese Art von „Erwerben“ hat jedoch nichts mit der Errettung zu tun; errettet werde nur diejenigen, die an den Herrn Jesus und Sein Erlösungswerk glauben und sich Ihm als Herrn ausliefern. Für alle Namenschristen bedeutet dieses Erkauftsein nur, daß ihre Schuld gegen Gott größer wird, weil sie dem Sohn Gottes, den sie mit ihren Lippen bekennen, die wirkliche Loyalität und Hingabe schuldig geblieben sind.
 
Wie schlimm ist es, wenn jemand in voller Kenntnis dieses Erlösungswerks die Gnade verschmäht und sich gegen einen solchen Herrn stellt! Sein Gericht wird umso schrecklicher sein, und das macht der 2. Petrusbrief ebenso wie der Judasbrief eindrücklich klar: „sie werden ein schnelles Verderben über sich bringen“.
 
Die damaligen falschen Lehrer verleugneten den Herrn zum einen mit ihrem ausschweifenden, sündigen Lebenswandel, der zeigte, daß sie die Erlösung des Lammes Gottes und die Herrschaft des Sohnes Gottes nicht anerkannten. Zum anderen verleugneten sie Ihn mit ihren Lehren, die neben der falschen „Freiheit für das Fleisch sicherlich auch eine Leugnung des wiederkommenden Messias als Richter und König beinhalteten, wie Kapitel 3 zeigt. Letztlich verleugnet jeder Verführungslehrer den Herrn, wenn er einen falschen Christus und ein falsches Evangelium verbreitet. Je mehr Licht jemand hat, je hochtrabender sein Lippenbekenntnis ist, desto schwerer wiegt seine Schuld vor Gott.
 
Gott hat zwar in Seiner Souveränität das Wirken der falschen Lehrer in Seiner Gemeinde zugelassen, aber er wird zu Seiner Zeit diese Verführer mit einem heiligen, entschlossenen und verderbenbringenden Gericht richten – das ist die Botschaft, die nun über das ganze Kapitel hinweg verkündet wird. Sie dient zur Warnung für alle, sich nicht mit dem bösen Werk dieser falschen Lehrer eins zu machen und keine Gemeinschaft mit ihnen zu pflegen:
 
Jeder, der abweicht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, der hat Gott nicht; wer in der Lehre des Christus bleibt, der hat den Vater und den Sohn. Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, den nehmt nicht auf ins Haus und grüßt ihn nicht! Denn wer ihn grüßt, macht sich seiner bösen Werke teilhaftig. (2Joh 1,9-11)
 
 
2Petr 2,2    Und viele werden ihren verderblichen Wegen1 nachfolgen, und um ihretwillen wird der Weg der Wahrheit2 verlästert werden3.
 
apòleiais TR Pl = verderbliche Dinge/Wege
hè hodos tès alèthaias
blasphèmeò Fut Pass = in Verruf bringen, verleumden, lästern, schmähen, Böses nachsagen

 
 
V. 2: Nun spricht der Apostel eine weitere vom Geist Gottes gegebene prophetische Einsicht aus: „Und viele werden ihren verderblichen Wegen nachfolgen“. Nach der Apostelzeit werden zahlreiche Menschen, die sich Christen nennen, den verderblichen falschen Lehren folgen, die dann vom Widersacher ausgebreitet werden. Diese erschreckende Voraussage erinnert uns an 1. Timotheus 4,1-3 und auch an die Warnung des Apostel Paulus in Apostelgeschichte 20,28-31. Diese Aussagen betreffen zuerst die Abweichung von der Wahrheit in Christus, die unmittelbar nach der Apostelzeit einsetzte und in der Herausbildung der römischen Babylonskirche mündete.
 
Doch auch nach dieser Entartung der christlichen Kirche im Ganzen, die nur noch einen kleinen Überrest von wahren Gläubigen übrigließ, bestätigten sich die ernsten Voraussagen der Apostel immer wieder in der Geschichte der Christenheit. Das betrifft besonders auch die von Gott geschenkte Belebung in der Reformationszeit; auch hier setzte nach der geistlichen Erweckung die Wirkung der Verführung ein. Darunter muß schon der halbherzige Kurs der Reformatoren selbst gezählt werden, die durch die Taufwiedergeburtslehre und andere Irrtümer wesentliche Elemente des babylonischen Systems weiter beibehielten, sodaß sich in den Kirchen der Reformation bald geistlicher Niedergang und Tod ausbreiteten.
 
Auch die mystischen Irrtümer im Pietismus und die später sich entwickelnde Aufklärung mit ihrem Unglauben gegenüber Gottes Offenbarungswort müssen hier eingeordnet werden. Eine weitere Zeit der Erweckung im 18. und 19. Jahrhundert wurde schließlich abgelöst von der immer schlimmer um sich fressenden endzeitlichen Verführung, die sich auf der einen Seite in Bibelkritik, Liberaltheologie und dem falschen „Sozialen Evangelium“ äußerte, auf der anderen Seite in mystischen Verführungen und falschen Heiligungslehren, die zum Auftreten der Pfingst- und Charismatischen Bewegung führten. Dazu kamen alle die verführerischen Sekten am Rande der Christenheit wie Zeugen Jehovas, Mormonen, Adventisten, „Christliche Wissenschaft“ usw.
 
Insgesamt macht die Geschichte der Christenheit sehr deutlich, was wir auch schon in Äußerungen wie Offb 3,8 und Lk 12,32 angedeutet finden: Die wahren, der Apostellehre treuen Gläubigen stellen in der nachapostolischen Zeit im Vergleich zu den irregeführten Namenschristen eine Minderheit, einen Überrest dar. Dagegen finden wir allezeit große Mengen von Menschen, die lieber auf die raffinierten Irrtümer des Satans eingehen, die allesamt unter religiösem Vorzeichen dem Fleisch Nahrung geben und zur Selbstverwirklichung anreizen, anstatt im Glauben den gekreuzigten Christus zu erfassen und Ihm wahrhaft nachzufolgen.
 
Leider hat sich auch die weitere Voraussage traurig bestätigt: „… und um ihretwillen wird der Weg der Wahrheit verlästert werden“. Wieviel Anlaß zur Lästerung hat doch der Irrweg der römischen Kirche gegeben, die sich dem Aberglauben der Sakramente und Reliquien, der Heiligenverehrung und dem Ablaßhandel ergab! Wieviel Anlaß zur Lästerung brachte auch der römische Irrweg des Bündnisses mit der weltlichen Macht dem Christentum ein! Seine bösen Früchte wie die Inquisition, die Kreuzzüge und die „Bekehrung“ ganzer Heidenvölker mit dem Schwert geben noch heute den bittersten Einwänden der Ungläubigen gegen das Evangelium Anlaß.
 
Aber auch die anderen Verführungsströmungen in der Christenheit haben ihren traurigen Anteil daran, daß der Weg der Wahrheit auch heute verlästert wird. Hier sei nur an die Pfingst- und Charismatische Bewegung erinnert, die mit ihren Finanz- und Hurereiskandalen führender „Fernsehevangelisten“, mit den Exzessen des „Toronto-Segens“, aber auch mit Todesopfern durch Schlangenbisse und unterlassene Arztbesuche immer wieder in den Schlagzeilen der weltlichen Presse sind und das Gespött der Ungläubigen erregen.
 
So bestätigt die Geschichte wie auch die Gegenwart der Christenheit eindrucksvoll die traurige Wahrheit, die Gottes Wort hier ausspricht. Für alle wahren Kinder Gottes dient dies nur als ernste Warnung, sich sorgsam von allen solchen verderblichen Irrlehren fernzuhalten und die Werkzeuge dieser Irreführung unbedingt zu meiden: „… von solchen halte dich fern!“ (1Tim 6,3-5).
 
Ich ermahne euch aber, ihr Brüder: Gebt acht auf die, welche Trennungen und Ärgernisse bewirken im Widerspruch zu der Lehre, die ihr gelernt habt, und meidet sie! (Röm 16,17)
 
Denn die Menschen werden sich selbst lieben, geldgierig sein, prahlerisch, überheblich, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, unheilig, lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, unbeherrscht, gewalttätig, dem Guten feind, Verräter, leichtsinnig, aufgeblasen; sie lieben das Vergnügen mehr als Gott; dabei haben sie den äußeren Schein von Gottesfurcht, deren Kraft aber verleugnen sie. Von solchen wende dich ab!
 
Denn zu diesen gehören die, welche sich in die Häuser einschleichen und die leichtfertigen Frauen einfangen, welche mit Sünden beladen sind und von mancherlei Lüsten umgetrieben werden, die immerzu lernen und doch nie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen können. Auf dieselbe Weise aber wie Jannes und Jambres dem Mose widerstanden, so widerstehen auch diese [Leute] der Wahrheit; es sind Menschen mit völlig verdorbener Gesinnung, untüchtig zum Glauben. Aber sie werden es nicht mehr viel weiter bringen; denn ihre Torheit wird jedermann offenbar werden, wie es auch bei jenen der Fall war. (2Tim 3,2-9)
 
 
 
 
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Einen ausführlicheren Buchauszug zu diesem Bibeltext können Sie als PDF herunterladen:
 
Warnung vor Irrlehrern in der Gemeinde. Eine Auslegung von 2. Petrus 2,1-3



 
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