Der dreifache Auftrag der Gemeinde

 
 
Wozu ist die Gemeinde auf der Erde? Was ist ihr Auftrag? Schon die klassischen Evangelikalen haben hier eine verkürzte, einseitige Antwort gegeben. Von ihnen war nur allzuoft zu hören, daß der einzige Auftrag der Gläubigen auf Erden die Evangelisation sei – die Ausbreitung des Evangeliums mit allen nur denkbaren Mitteln, um möglichst viele Menschen für Christus zu gewinnen. Die neue, liberal-ökumenisch beeinflußte Schule der Evangelikalen geht noch darüber hinaus; sie sagt sinngemäß: „Die Gemeinde ist auf der Erde, um das Reich Gottes dort auszubreiten und die Gesellschaft zu transformieren – sie hat den Auftrag, die Welt im Sinne Gottes zu verändern!“.
 
Beides ist falsch, wobei die evangelikale Auffassung eine Verkürzung und Einseitigkeit darstellt, während die letztere Aussage eine schwerwiegende Verfälschung der biblischen Lehre beinhaltet, auf die wir im nächsten Abschnitt zu sprechen kommen wollen. Aber was ist denn eigentlich der Auftrag der Gemeinde auf der Erde? Die Antwort bekommen wir, wenn wir die Lehre der Apostel studieren, d.h. die Lehre über Wesen und Aufgaben der Gläubigen in Christus und des Leibes des Christus, wie wir sie in den Briefen des NT finden.
 
Die neutestamentlichen Briefe enthalten die voll entwickelte Lehre des erhöhten Christus für Seine Gemeinde. Auch in den Evangelien finden wir Lehren, die uns betreffen und auf uns Anwendung finden, doch dort spricht der Herr meist in verschlüsselter Gleichnisform, und hier wird das Geheimnis der Gemeinde, ihr innerstes Wesen noch nicht völlig geoffenbart. Das gehört zu den Dingen, die die Jünger damals noch nicht fassen konnten (vgl. Joh 16,12-14), und die Christus später Seinem Knecht Paulus offenbart hat (vgl. Epheser 3).
 
Wenn wir die Apostelbriefe studieren, dann können wir drei grundlegende Aufträge für die Gemeinde Gottes auf der Erde sehen, die alle erfüllt werden müssen und die nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen.
 

 
1. Der Priesterdienst vor Gott in dem heiligen Tempel der Gemeinde

 
Der höchste Auftrag der Gemeinde auf Erden ist nach meiner Überzeugung die priesterliche Anbetung Gottes, der Dienst als heiliges Priestertum in dem heiligen Tempel Gottes, der die Gemeinde ihrem Wesen nach ist: „Da ihr zu ihm gekommen seid, zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt und kostbar ist, so laßt auch ihr euch nun als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, als ein heiliges Priestertum, um geistliche Opfer darzubringen, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus (1Pt 2,4-5).
 
Die Anbetung Gottes im Geist und in der Wahrheit ist das höchste Vorrecht und die heiligste Pflicht der Gemeinde, solange sie auf der Erde ist. Das ist der Dienst der Gemeinde „nach oben“, zu Gott hin, und dieser Dienst hat in allem den Vorrang; die Gemeinde ist nicht zuerst für Menschen da, sondern zuallererst für den großen Gott, der sie ins Leben gerufen hat.
 
Aber die Stunde kommt und ist schon da, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden; denn der Vater sucht solche Anbeter. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. (Joh 4,23-24)
 
Die heiligen Priester Gottes – und das sind alle Gläubigen in Christus – haben geistliche Opfer, die sie vor Gott darbringen dürfen und sollen. Eines dieser geistlichen Opfer ist das Opfer des Lobes und der Anbetung, das beständig von unseren Lippen kommen sollte. „Durch ihn laßt uns nun Gott beständig ein Opfer des Lobes darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen!“ (Hebr 13,15). Diese Anbetung findet im Geist im himmlischen Allerheiligsten statt, wie der Hebräerbrief zeigt:
 
Da wir nun, ihr Brüder, kraft des Blutes Jesu Freimütigkeit haben zum Eingang in das Heiligtum, den er uns eingeweiht hat als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang hindurch, das heißt, durch sein Fleisch, und da wir einen großen Priester über das Haus Gottes haben, so laßt uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in völliger Gewißheit des Glaubens, durch Besprengung der Herzen los vom bösen Gewissen und am Leib gewaschen mit reinem Wasser. (Hebr 10,19-22)
 
Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, so laßt uns festhalten an dem Bekenntnis! Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der kein Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern einen, der in allem versucht worden ist in ähnlicher Weise [wie wir], doch ohne Sünde. So laßt uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe! (Hebr 4,14-16)
 
Dort im himmlischen Heiligtum, in der unmittelbaren Gegenwart Gottes, steigen die Gebete der Heiligen wie Weihrauch vor Gott auf (vgl. Offb 5,8; 8,3-4). Kann es Höheres und Herrlicheres geben als diesen Priesterdienst, den wir bis in alle Ewigkeit im Himmel fortsetzen werden? Zu diesem Dienst können auch unsere Fürbitte für die Ungläubigen und unsere Gebete für die Gläubigen gerechnet werden.
 
Zugleich ist die Gemeinde der heilige Tempel des Herrn, das geweihte Haus Gottes, in dem der ewige Gott auf Erden gegenwärtig ist und Wohnung genommen hat. Diese beiden Aspekte – die Gemeinde als heiliges Haus Gottes und als heilige Priesterschaft, die Gott in diesem Heiligtum dient -, sind untrennbar miteinander verbunden.
 
So seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge ohne Bürgerrecht und Gäste, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, auferbaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, während Jesus Christus selbst der Eckstein ist, in dem der ganze Bau, zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, in dem auch ihr miterbaut werdet zu einer Wohnung Gottes im Geist. (Eph 2,19-22)
 
Wißt ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid, und daß der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes verderbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr. (1Kor 3,16-17)
 
Dieser Wesenszug der Gemeinde als heilige Wohnstätte Gottes und als Priestertum ist grundlegend für das ganze Leben, die ganze Ausrichtung der Gemeinde. Er macht es zur unbedingten Notwendigkeit, daß die Gemeinde heilig und abgesondert von der Welt lebt.
 
Zieht nicht in einem fremden Joch mit Ungläubigen! Denn was haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit miteinander zu schaffen? Und was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus mit Belial überein? Oder was hat der Gläubige gemeinsam mit dem Ungläubigen? Wie stimmt der Tempel Gottes mit Götzenbildern überein? Denn ihr seid ein Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: »Ich will in ihnen wohnen und unter ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein«.
 
Darum geht hinaus von ihnen und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt nichts Unreines an! Und ich will euch aufnehmen, und ich will euch ein Vater sein, und ihr sollt mir Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allmächtige. Weil wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so wollen wir uns reinigen von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes zur Vollendung der Heiligkeit in Gottesfurcht! (2Kor 6,14 – 7,1)
 
Genau dieser priesterliche Auftrag der Gemeinde Gottes und die damit verbundene notwendige Absonderung von der Welt wird im heutigen Evangelikalismus fast durchgängig verleugnet oder durch ein weltförmiges Zerrbild in Form der charismatischen „Anbetung“ ersetzt. Dadurch wird die ganze Lehre von der Gemeinde verdreht und die heute vorherrschende Anpassung der Gemeinde an die Welt gefördert.
 
Ein sehr wichtiger Aspekt des priesterlichen Auftrages der Gemeinde ist auch die Bewahrung der heiligen Worte Gottes durch Zeugnis, Weitergabe und praktisches Ausleben. Das ist eng mit dem Wesen der Priesterschaft des Herrn wie auch des Hauses Gottes verbunden.
 
Der Gemeinde sind die Worte des Herrn, die ewigen Ratschlüsse und Offenbarungen Gottes anvertraut worden, damit sie diese kostbaren Worte bewahre und verkündige. Das ist ein ernster und überaus verantwortungsvoller Auftrag, der der Gemeinde als Ganzes gegeben wurde und insbesondere durch die Hirten und Lehrer der Gemeinde umgesetzt werden soll. Deshalb wird in 1Tim 3,14-15 so ernst bezeugt, daß die Gemeinde des lebendigen Gottes als das Haus Gottes auch „der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit“ ist. Uns ist das kostbare Glaubensgut ein für allemal überliefert worden, und wir haben die Pflicht, es zu bewahren und auf den Leuchter zu stellen und auch dafür zu kämpfen, wenn es uns geraubt werden soll (vgl. Jud 1,3).
 
Mir, dem allergeringsten unter allen Heiligen, ist diese Gnade gegeben worden, unter den Heiden den unausforschlichen Reichtum des Christus zu verkündigen, und alle darüber zu erleuchten, welches die Gemeinschaft ist, die als Geheimnis von den Ewigkeiten her in Gott verborgen war, der alles erschaffen hat durch Jesus Christus, damit jetzt den Fürstentümern und Gewalten in den himmlischen [Regionen] durch die Gemeinde die mannigfaltige Weisheit Gottes bekanntgemacht werde, nach dem Vorsatz der Ewigkeiten, den er gefaßt hat in Christus Jesus, unserem Herrn … (Eph 3,8-11)
 
Halte dich an das Muster der gesunden Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe, die in Christus Jesus ist! Dieses edle anvertraute Gut bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt! (2Tim 1,13-14)
 
Böse Menschen aber und Betrüger werden es immer schlimmer treiben, indem sie verführen und sich verführen lassen. Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und was dir zur Gewißheit geworden ist, da du weißt, von wem du es gelernt hast, und weil du von Kindheit an die heiligen Schriften kennst, welche die Kraft haben, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.
 
Daher ermahne ich dich ernstlich vor dem Angesicht Gottes und des Herrn Jesus Christus, der Lebendige und Tote richten wird, um seiner Erscheinung und seines Reiches willen: Verkündige das Wort, tritt dafür ein, es sei gelegen oder ungelegen; überführe, tadle, ermahne mit aller Langmut und Belehrung! Denn es wird eine Zeit kommen, da werden sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern sich selbst nach ihren eigenen Lüsten Lehrer beschaffen, weil sie empfindliche Ohren haben; und sie werden ihre Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Legenden zuwenden. Du aber bleibe nüchtern in allen Dingen, erdulde die Widrigkeiten, tue das Werk eines Evangelisten, richte deinen Dienst völlig aus! (2Tim 3,13 – 4,5)
 
Habe acht auf dich selbst und auf die Lehre; bleibe beständig dabei! Denn wenn du dies tust, wirst du sowohl dich selbst retten als auch die, welche auf dich hören. (1Tim 4,16)
 
Das Wort muß verkündigt, bezeugt und ausgelebt werden von der Gemeinde als Ganzes wie auch von jedem Gläubigen persönlich. An der Gemeinde soll die Welt erkennen, wie heilig und gerecht, wie weise und vollkommen der lebendige Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, ist. Die Gemeinde muß zugleich dieses Wort Gottes durch ihren Dienst bewahren und weitergeben an künftige Generationen von Gläubigen.
 
Wenn im Haus Gottes die heiligen Worte Gottes vernachlässigt und mißachtet werden, wenn man mit ihnen lose umgeht und sie nicht mehr gewissenhaft umsetzt und verkündigt, dann ist ein schlimmer Schaden, eine Entartung eingetreten. Wenn Gemeinden von dem Wort Gottes abweichen und ihm ungehorsam werden, verlieren sie ihren Charakter als Tempel Gottes und heiliges Priestertum; der Herr muß ihren Leuchter umstoßen (Offb 2,5).
 
Die sorgfältige Bewahrung des Wortes Gottes ist im Grunde ein Aspekt des Priesterauftrages der Gemeinde, denn in ähnlicher Weise sollten auch im Alten Bund die Priester und Leviten das Wort bewahren (vgl. 5Mo 17,10-11.18; 31,9-12.26) und auf den Leuchter stellen. Deswegen heißt es über das levitische Priestertum im Propheten Maleachi:
 
Mein Bund mit ihm [Levi] war Leben und Friede, und ich verlieh ihm beides, damit er [mich] fürchtete, und er fürchtete mich auch und hatte Ehrfurcht vor meinem Namen. Das Gesetz der Wahrheit war in seinem Mund, und nichts Verkehrtes wurde auf seinen Lippen gefunden; er wandelte mit mir in Frieden und Aufrichtigkeit, und viele brachte er zur Umkehr von der Missetat. Denn die Lippen des Priesters sollen die Erkenntnis bewahren, und aus seinem Mund soll man das Gesetz erfragen; denn er ist ein Bote des HERRN der Heerscharen. (Mal 2,5-7)
 
Ähnlich lesen wir es im 1. Petrusbrief von dem neuen Volk Gottes, der Gemeinde:
 
Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Tugenden dessen verkündet, der euch aus der Finsternis berufen hat zu seinem wunderbaren Licht - euch, die ihr einst nicht ein Volk wart, jetzt aber Gottes Volk seid, und einst nicht begnadigt wart, jetzt aber begnadigt seid. (1Pt 2,9-10)
 
Dieses Zeugnis ist genau genommen zu unterscheiden vom direkten Zeugnis des Evangeliums, das aber erst durch dieses priesterliche Zeugnis von Gottes Wesen und Ratschlüssen seine rechte Kraft erhält. Die Gemeinde soll die wunderbaren Ratschlüsse Gottes ausleben vor den Augen der Welt, um ihren Gott zu verherrlichen und ihren Retter Jesus Christus zu ehren. Die Gemeinde ist berufen, das Wort Gottes, den ganzen Ratschluß Gottes, unverkürzt zu bewahren und weiterzugeben, aber auch treu auszuleben, auch in Aspekten, die der Welt völlig anstößig und zuwider sind (Gemeindezucht; Unterordnung der Frau, Kopfbedeckung z.B.).
 
In diesem Zusammenhang kann man auch das Zeugnis des Abendmahls bzw. Brotbrechens sehen, bei dem wir den Tod des Herrn verkündigen, bis Er kommt (1Kor 11,26). Ähnlich können wir auch das öffentliche Zeugnis der Taufe einordnen (vgl. 1Pt 3,21).
 
 
 

2. Die gegenseitige Zurüstung und Erbauung der Heiligen

 
Der zweite Dienstauftrag der Gemeinde ist der Dienst „nach innen“. Gott hat der Gemeinde den Auftrag gegeben, für das geistliche Wachstum und die Zubereitung der einzelnen Heiligen zu sorgen und jedem Kind Gottes zu helfen, zur vollen Mannesreife in Christus zu gelangen und ein guter Diener Jesu Christi zu werden. Eine wichtige und heute auch teilweise vernachlässigte Aufgabe der Gemeinde ist es, durch Lehre und Ermahnung, durch praktizierte Gemeinschaft und Hilfeleistung zusammenzuwirken zur Erbauung der Gläubigen. Das lehrt uns die bekannte Aussage in Epheser 4:
 
Und Er hat etliche als Apostel gegeben, etliche als Propheten, etliche als Evangelisten, etliche als Hirten und Lehrer, zur Zurüstung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes des Christus, bis wir alle zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zur vollkommenen Mannesreife, zum Maß der vollen Größe des Christus; damit wir nicht mehr Unmündige seien, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch das betrügerische Spiel der Menschen, durch die Schlauheit, mit der sie zum Irrtum verführen, sondern, wahrhaftig in der Liebe, heranwachsen in allen Stücken zu ihm hin, der das Haupt ist, der Christus. Von ihm aus vollbringt der ganze Leib, zusammengefügt und verbunden durch alle Gelenke, die einander Handreichung tun nach dem Maß der Leistungsfähigkeit jedes einzelnen Gliedes, das Wachstum des Leibes zur Auferbauung seiner selbst in Liebe. (Eph 4,11-16)
 
Diese wichtige Stelle betont die Bedeutung der biblischen Lehre und der geistlichen Zurüstung, damit die einzelnen Gläubigen und die Gemeinde als Ganzes zum Haupt, zu Christus hin wachsen können. Das wichtigste Gnadenmittel dazu ist die Verkündigung und Lehre des Wortes Gottes. Dadurch werden die Gläubigen tiefer in Christus gegründet, wachsen zur Vollerkenntnis des Christus und leben in immer engerer Gemeinschaft mit dem verherrlichten Herrn. Wir finden diesen Auftrag auch noch an manchen anderen Stellen im NT bezeugt:
 
Darum ermahnt einander und erbaut einer den anderen, wie ihr es auch tut! (1Thess 5,11)
 
Dient einander, jeder mit der Gnadengabe, die er empfangen hat, als gute Haushalter der mannigfaltigen Gnade Gottes: Wenn jemand redet, so [rede er es] als Aussprüche Gottes; wenn jemand dient, so [tue er es] aus der Kraft, die Gott darreicht, damit in allem Gott verherrlicht wird durch Jesus Christus. Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. (1Pt 4,10-11)
 
Auch dieser Auftrag kommt dort zu kurz, wo im Zuge der Gemeindewachstumsbewegung und ähnlicher Strömungen die Attraktivität des Gemeindelebens für Ungläubige betont wird und das Gemeindeleben weithin so umgekrempelt wird, daß es für Außenstehende akzeptabel und anziehend werden soll. Dagegen lehrt das NT in 1. Korinther 14 ganz deutlich, daß die Versammlungen der Heiligen (oft auch „Gottesdienste“ genannt) zuallererst der Erbauung der Gläubigen dienen und nicht der Gewinnung Ungläubiger. Eine solche einseitige Ausrichtung auf „Kirchenferne“ läßt die Förderung und Vertiefung des Glaubens der Gläubiggewordenen verkümmern; die Predigt verflacht, die Lehre wird vernachlässigt. Wenn aber die Auferbauung der Gläubigen leidet, dann leiden auch der Priesterdienst und das Evangeliumszeugnis – alle drei Aufgaben sind eben eng miteinander verknüpft.
 
 
 

3. Die Gemeinde als Zeugnis für Christus und das Evangelium vor der Welt

 
Der dritte grundlegende Auftrag Gottes betrifft das Zeugnis „nach außen“. Die Gemeinde hat die wichtige Aufgabe, vor der Welt ein beständiges und treues Zeugnis für den lebendigen Gott und Seine ewige Wahrheit, Sein heiliges Wort zu sein. Das wird in dem biblischen Bild des „Leuchters“ symbolisiert (vgl. Offenbarung 1,12-20; 2,1-4), wie auch in dem Wort unseres Herrn, daß die Gläubigen „das Licht der Welt“ sind:
 
Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt, die auf einem Berg liegt, nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; so leuchtet es allen, die im Haus sind. So soll euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. (Mt 5,14-16)
 
Das heißt zunächst einmal, daß die Gemeinde vor der Welt die heiligen und gerechten Wesenseigenschaften Gottes widerspiegelt und auslebt, sodaß die Welt an ihr erkennen kann, wer Gott ist und welch ein Retter der Sohn Gottes ist.
 
Als gehorsame Kinder paßt euch nicht den Begierden an, denen ihr früher in eurer Unwissenheit dientet, sondern wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel. Denn es steht geschrieben: »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig!« Und wenn ihr den als Vater anruft, der ohne Ansehen der Person richtet nach dem Werk jedes einzelnen, so führt euren Wandel in Furcht, solange ihr euch hier als Fremdlinge aufhaltet. (1Pt 1,14-17)
 
Geliebte, ich ermahne euch als Gäste und Fremdlinge: Enthaltet euch der fleischlichen Begierden, die gegen die Seele streiten; und führt einen guten Wandel unter den Heiden, damit sie da, wo sie euch als Übeltäter verleumden, doch aufgrund der guten Werke, die sie gesehen haben, Gott preisen am Tag der Untersuchung. (1Pt 2,11-12)
 
Die Knechte [ermahne], daß sie sich ihren eigenen Herren unterordnen, in allem gern gefällig sind, nicht widersprechen, nichts entwenden, sondern alle gute Treue beweisen, damit sie der Lehre Gottes, unseres Retters, in jeder Hinsicht Ehre machen. (Tit 2,9-10)
 
Als erlöste Kinder Gottes sollen wir die Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes widerspiegeln in unserem täglichen Lebenswandel, ebenso auch die Liebe und Barmherzigkeit, die Güte und Wahrhaftigkeit Gottes. Wir sollen „des Herrn würdig wandeln“ (vgl. Kol 1,10), d.h. unser Wandel soll dem Charakter Gottes entsprechen und Ihn bezeugen vor den Augen der Ungläubigen.
 
Ihr selbst seid Zeugen, und auch Gott, wie heilig, gerecht und untadelig wir bei euch, den Gläubigen, gewesen sind; ihr wißt ja, wie wir jeden einzelnen von euch ermahnt und ermutigt haben wie ein Vater seine Kinder, und euch ernstlich bezeugt haben, daß ihr so wandeln sollt, wie es Gottes würdig ist, der euch zu seinem Reich und seiner Herrlichkeit beruft. (1Thess 2,10-12)
 
Das Ausleben des Wortes Gottes und das Zeugnis von der heiligen Wesensart Gottes ist ein wesentlicher Bestandteil des Zeugnisauftrages der Gemeinde. Gerade dies wird heute weitgehend vernachlässigt; moderne Evangelikale haben die irreführende Auffassung ausgebreitet, die Gemeinde müsse, um das Evangelium gut weitergeben zu können, ihre Heiligkeit und Absonderung von der Welt aufgeben und der Welt möglichst ähnlich werden. Das ist ein verhängnisvoller Irrtum. Ohne das gelebte Zeugnis von der Heiligkeit Gottes wird der Botschaft vom Heil in Christus viel von ihrer Kraft und Glaubwürdigkeit genommen.
 
Auf der Grundlage ihres heiligen Lebenszeugnisses hat die Gemeinde auch den wichtigen Auftrag, das kostbare Evangelium von Christus, die Heilsbotschaft von dem Mensch gewordenen, gekreuzigten und auferstandenen Sohn Gottes zu bezeugen. Dieser Auftrag soll keineswegs durch die Betonung der anderen Aufträge herabgewürdigt werden; er hat seinen wichtigen Platz im Leben der Gemeinde wie auch der Einzelnen – aber er kann nur richtig erfüllt werden, wenn die Gemeinde auch ihre anderen Aufgaben erfüllt.
 
Da öffnete er ihnen das Verständnis, damit sie die Schriften verstanden, und sprach zu ihnen: So steht es geschrieben, und so mußte der Christus leiden und am dritten Tag aus den Toten auferstehen, und in seinem Namen soll Buße und Vergebung der Sünden verkündigt werden unter allen Völkern, beginnend in Jerusalem. Ihr aber seid Zeugen hiervon! (Lk 24,45-48)
 
Dem aber, der euch zu festigen vermag laut meinem Evangelium und der Verkündigung von Jesus Christus, gemäß der Offenbarung des Geheimnisses, das von ewigen Zeiten her verschwiegen war, das jetzt aber offenbar gemacht worden ist und durch prophetische Schriften auf Befehl des ewigen Gottes bei allen Heiden bekanntgemacht worden ist zum Glaubensgehorsam - ihm, dem allein weisen Gott, sei die Ehre durch Jesus Christus in Ewigkeit! Amen. (Röm 16,25-27)
 
Denn weil die Welt durch [ihre] Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott, durch die Torheit der Verkündigung diejenigen zu retten, die glauben. Während nämlich die Juden ein Zeichen fordern und die Griechen Weisheit verlangen, verkündigen wir Christus den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis, den Griechen eine Torheit; denen aber, die berufen sind, sowohl Juden als auch Griechen, [verkündigen wir] Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit. (1Kor 1,21-24)
 
Dieses Zeugnis des rettenden Wortes Gottes, des „Wortes vom Kreuz“, ist einerseits der besondere Auftrag der Evangelisten in der Gemeinde, die vom Herrn eine besondere Gnadengabe zur Verkündigung des Evangeliums empfangen haben (vgl. Eph 4,11; Apg 21,8; 2Tim 4,5). Auf der anderen Seite gebraucht Gott auch das Zeugnis aller Gläubigen, um das Evangelium auszubreiten.
 
Das alles aber [kommt] von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Jesus Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat; weil nämlich Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, indem er ihnen ihre Sünden nicht anrechnete und das Wort der Versöhnung in uns legte. So sind wir nun Botschafter für Christus, und zwar so, daß Gott selbst durch uns ermahnt; so bitten wir nun stellvertretend für Christus: Laßt euch versöhnen mit Gott! (2Kor 5,18-20)
 
Tut alles ohne Murren und Bedenken, damit ihr unsträflich und lauter seid, untadelige Kinder Gottes inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts, unter welchem ihr leuchtet als Lichter in der Welt, indem ihr das Wort des Lebens darbietet, mir zum Ruhm am Tag des Christus, daß ich nicht vergeblich gelaufen bin, noch vergeblich gearbeitet habe. (Phil 2,14-16)
 
Und ihr seid unsere und des Herrn Nachahmer geworden, indem ihr das Wort unter viel Bedrängnis aufgenommen habt mit Freude des Heiligen Geistes, so daß ihr Vorbilder geworden seid für alle Gläubigen in Mazedonien und Achaja. Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erklungen; nicht nur in Mazedonien und Achaja, sondern überall ist euer Glaube an Gott bekanntgeworden, so daß wir es nicht nötig haben, davon zu reden. Denn sie selbst erzählen von uns, welchen Eingang wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch von den Götzen zu Gott bekehrt habt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen, und um seinen Sohn aus dem Himmel zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat, Jesus, der uns errettet vor dem zukünftigen Zorn. (1Thess 1,6-10)
 
Was ist der Inhalt des Evangeliums, das wir verkündigen sollen? Die Heilsbotschaft, die die Gemeinde bezeugt, ist die Botschaft von der gnädigen Errettung aus Sünde und ewiger Verdammnis, die Gott den Menschen anbietet in Seinem Sohn. Der Herr Jesus Christus hat am Kreuz die Sünden der Menschen getragen und durch Sein Blut gesühnt, so daß jeder, der umkehrt und den Herrn Jesus Christus im Glauben als seinen persönlichen Herrn und Erlöser annimmt, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und ewiges Leben, die Gotteskindschaft und die Segensfülle Gottes empfängt. Dieses Evangelium von Christus, das der Apostel Paulus geoffenbart bekam, ist das wahre Evangelium, das wir zu bezeugen haben, und nicht irgendein modernes falsches „soziales Evangelium“.
 
Das Evangeliumszeugnis der Gemeinde hat die Verkündigung des Wortes Gottes zum Zentrum; gute Werke sind nur ein ergänzendes Zeugnis. Eben dieses inspirierte Wort vom Kreuz muß bezeugt und verkündigt werden in der Kraft des Heiligen Geistes, denn nur durch das Wort kommt echter Glaube zustande, und nur das Wort Gottes ist der Same, durch den Gott sündige Menschen von neuem zeugt und zur biblischen Neugeburt aus dem Geist führt.
 
… denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkündigen, [und zwar] nicht in Redeweisheit, damit nicht das Kreuz des Christus entkräftet wird. Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verlorengehen; uns aber, die wir gerettet werden, ist es eine Gotteskraft … (1Kor 1,17-18)
 
So bin auch ich, meine Brüder, als ich zu euch kam, nicht gekommen, um euch in hervorragender Rede oder Weisheit das Zeugnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hatte mir vorgenommen, unter euch nichts anderes zu wissen als nur Jesus Christus, und zwar als Gekreuzigten. Und ich war in Schwachheit und mit viel Furcht und Zittern bei euch. Und meine Rede und meine Verkündigung bestand nicht in überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht auf Menschenweisheit beruhe, sondern auf Gottes Kraft. (1Kor 2,1-5)
 
Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht geglaubt haben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne einen Verkündiger? Wie sollen sie aber verkündigen, wenn sie nicht ausgesandt werden? Wie geschrieben steht: »Wie lieblich sind die Füße derer, die Frieden verkündigen, die Gutes verkündigen!« Aber nicht alle haben dem Evangelium gehorcht; denn Jesaja spricht: »Herr, wer hat unserer Verkündigung geglaubt?« Demnach kommt der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort. (Röm 10,14-17)
 
denn ihr seid wiedergeboren [od. von neuem gezeugt] nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, durch das lebendige Wort Gottes, das in Ewigkeit bleibt. Denn »alles Fleisch ist wie Gras und alle Herrlichkeit des Menschen wie die Blume des Grases. Das Gras ist verdorrt und seine Blume abgefallen; aber das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit.« Das ist aber das Wort, welches euch als Evangelium verkündigt worden ist. (1Pt 1,23-25)
 
So kann die Gemeinde ihren Auftrag zur Evangeliumsverkündigung nur erfüllen, wenn sie durch das Zeugnis aller ihrer Glieder wie auch durch den Dienst der Evangelisten (der auch schriftlich oder auf Tonträgern verbreitet werden kann) das rettende, kraftvolle Wort Gottes weitergibt. Dazu sollte sie den Menschen auf vielerlei Art Zeugnis geben, sie unterweisen, ihnen dieses Wort erklären und sie dazu führen, daß sie das Evangelium verstehen und für sich persönlich in Buße und Glauben annehmen. Das kann durch Straßenversammlungen, Zeltevangelisationen oder Saalveranstaltungen geschehen, durch Bibelhauskreise oder persönliche Gespräche, durch die Weitergabe von Bibeln und Evangeliumsschriften oder CDs mit evangelistischen Vorträgen.
 
 

Die Gemeinde –
Wegweiser zum Himmel und nicht Agentur zur Transformation der Welt

 
Die drei Aufträge, die wir jetzt betrachtet haben, hat die Gemeinde Gottes zu allen Zeiten und an allen Orten. Sie hat durch die inspirierte Lehre der Apostel den Auftrag von ihrem Herrn empfangen, den Willen Gottes in diesen Bereichen zu erfüllen, ohne irgendeinen Bereich zu vernachlässigen. Alle diese Aufträge stehen im Zusammenhang mit dem Charakter der Gemeinde als heiliges Eigentumsvolk Gottes, als abgesondertes Priestertum, als Fremdlinge in dieser Welt, die hier keinen Anteil und kein Bürgerrecht haben.
 
Wir wollen abschließend noch genauer auf das grundlegend wichtige Wort in Philipper 3 eingehen, das uns noch durch diese Untersuchung begleiten wird.
 
17  Werdet meine Nachahmer, ihr Brüder, und seht auf diejenigen, die so wandeln, wie ihr uns zum Vorbild habt.
18 Denn viele wandeln, wie ich euch oft gesagt habe und jetzt auch weinend sage, als Feinde des Kreuzes des Christus;
19 ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott ist der Bauch, sie rühmen sich ihrer Schande, sie sind irdisch gesinnt [od. sie sind auf die irdischen Dinge bedacht - Zürcher 1911].
20 Unser Bürgerrecht [od. Bürgertum, Gemeinwesen] aber ist im Himmel, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus erwarten als den Retter,
21 der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird, so daß er gleichförmig wird seinem Leib der Herrlichkeit, vermöge der Kraft, durch die er sich selbst auch alles unterwerfen kann. (Phil 3,17-21)
 
Hier wird die Lehre des Neuen Testaments noch einmal sehr scharf und klar zusammengefaßt. Der Apostel Paulus hat vorher in diesem Kapitel bezeugt, daß er alle irdische Ehre, alle Vorzüge seiner jüdischen Herkunft für nichts geachtet hat um des Christus willen, daß er bereit war, sein Leben völlig in den Tod zu geben und dem Tod des Christus gleichförmig zu werden, um in der Kraft Seiner Auferstehung Gott zu dienen. Er jagt auf das Ziel zu, den Kampfpreis der Berufung nach oben (freier übersetzt: der himmlischen Berufung), die Gott ihm gegeben hat.
 
Aber es gab damals in den Gemeinden schon verführerische Lehrer und falsche Christen, die nicht diese himmlische, geheiligte Gesinnung hatten. Sie hielten nichts von Kreuzesnachfolge und Selbstverleugnung; sie wollten das Leben hier und jetzt auf der Erde genießen und trachteten nach irdischen Dingen, nicht nach himmlischen – ganz im Gegensatz zu der Mahnung des Herrn durch Seinen Apostel:
 
Wenn ihr nun mit Christus auferweckt worden seid, so sucht das, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist; denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. (Kol 3,1-3)
 
Weil sie auf das irdische Leben ausgerichtet waren, verleugneten sie das Kreuz Jesu Christi und standen der biblischen Lehre von dem stellvertretenden Sühnopfer des Gottessohnes am Kreuz feindlich gegenüber. Sie wollten auch nichts davon wissen, daß die Kinder Gottes mit Christus mitgekreuzigt und ihren fleischlichen Begierden gestorben sind (vgl. Gal 2,20; 5,24; Röm 6,3-8). Sie lebten ihren Lüsten, „Spötter, die nach ihren eigenen gottlosen Lüsten wandeln“ (Jud 1,18); sie liebten das Vergnügen mehr als Gott, so daß Gottes Geist über sie sagen muß: „Ihr Gott ist der Bauch“ (vgl. 1Kor 15,32). Vor solchen Verführern warnt der Apostel nun uns alle eindringlich und stellt heraus, daß wahre Kinder Gottes völlig anders gesinnt sein sollen.
 
Wir sollen eben nicht auf die irdischen Dinge bedacht sein, weil unser Bürgerrecht und Gemeinwesen im Himmel ist. Wir haben keinen Anteil an den Dingen dieser Erde; uns ist ein unverwelkliches Erbteil im Himmel aufbewahrt (vgl. 1Pt 1,4). Wir erstreben auch keine Verbesserung der irdischen Lebensumstände; wir erwarten nicht das Paradies auf Erden, sondern wir erwarten den Messias aus dem Himmel, der allein die Welt verbessern wird und echten Frieden und wahre Gerechtigkeit auf Erden verwirklichen wird. Das können unter den Bedingungen dieser bösen Weltzeit weder die Sünder noch wir Gotteskinder bewirken.
 
 

Gekürzter Auszug aus dem Buch: Rudolf Ebertshäuser, Soll die Gemeinde die Welt verändern?, S. 41-58.
 

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