Dieser Beitrag ist ein gekürzter Auszug aus der ausführlicheren Schrift von Rudolf Ebertshäuser Der zuverlässige Text des Neuen Testaments. Der Textus Receptus und die Veränderungen in den modernen Bibeln.
Nach dem geistlichen Urteil der Schrift können ungläubige Forscher in geistlichen Dingen (und dazu gehört die Bibel und ihre Überlieferung) gar nicht die Wahrheit erkennen: „Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist; denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt werden muß“ (1Kor 2,14).
Auch die klügsten und gelehrtesten ungläubigen Textkritiker leben nach dem unbestechlichen Wort Gottes „in der Nichtigkeit ihres Sinnes; deren Verstand verfinstert ist und die entfremdet sind dem Leben Gottes, wegen der Unwissenheit, die in ihnen ist, wegen der Verhärtung ihres Herzens“ (Eph 4,17-18). Wie können sie uns sagen, was der richtige Wortlaut der Heiligen Schriften ist? Wie kann ein Gläubiger ihrem verfinsterten Urteil vertrauen? Und wie kann selbst ein gläubiger Textkritiker glaubwürdig sein, wenn er die Denkvoraussetzungen und Schlußfolgerungen seiner verfinsterten ungläubigen Kollegen übernimmt und nachahmt?
Die „Wissenschaft“ der Textkritik beansprucht, durch Vernunftschlüsse unterscheiden zu können, welche Textformen und Überlieferungen „echt“ und welche „unecht“ seien. Dazu beurteilt sie die verschiedenen Textformen nach Maßstäben, die sehr willkürlich und oft widersinnig sind. So ist es ein Prinzip der „Textkritik“, daß die dunklere, unverständlichere, widersprüchliche Textfassung als die ursprüngliche gilt.
Das trifft schon bei weltlichen Texten so nicht zu; wie aber kann man das von Gottes inspiriertem Wort sagen? Genauso willkürlich ist die Regel, daß im Zweifelfall die kürzere Textform die ursprüngliche sei; als ob nicht die Gefahr einer versehentlichen Auslassung beim Abschreiben viel höher wäre als ein bewußter Eingriff zur Erweiterung des Textes, und das besonders bei der Bibel, die doch für die gläubigen Abschreiber als Gottes Wort unantastbar war!
In allen solchen Werturteilen ist die „Textkritik“ äußerst subjektiv und von den Vorurteilen und Neigungen der Forscher geprägt. Es gibt keine ausreichenden „objektiven“ Anhaltspunkte, um auf wissenschaftliche Weise mit Sicherheit den ursprünglichen Text herauszufinden. Das wissen die Textkritiker im Grunde auch und sagen selbst, daß ihr Text nur vorläufig und für Veränderungen offen ist.
Das Grunddogma aller etablierten „Textkritik“ ist nun die Behauptung, daß der byzantinische Text, der in ca. 95 des ihr vorliegenden Faktenmaterials einfach ignoriert und ihre Thesen allein auf 5 nach dem TR; in der Luther 1912 sind es 98 textkritische Abweichungen. Die Lutherbibel von 1984 übersetzt nur noch 10 aller Stellen mit textkritischem Einfluß, die Zürcher Bibel von 1931 gibt nur 6 textkritisch.
Während in der Alten Elberfelder Bibel immerhin noch 24 Abweichungen davon darstellen (entweder NA-Text oder TR mit textkritischen Fußnoten oder Klammern), weicht die Revidierte Elberfelder Bibel in 97 aller Stellen tut (Vgl. Tabelle auf S. 47 in dieser Schrift).
Damit sind mindestens 15 ganze Verse und viele hundert inspirierte Worte der Schrift aus den modernen Bibeln verschwunden; etwa 30 Verse werden in den meisten modernen Bibeln zwar abgedruckt, aber als wahrscheinlich nicht ursprünglich in Zweifel gezogen (je 12 Verse in Mk 16,9-20 und Joh 7,53-8,11). Der geistliche Schaden, der dadurch entsteht, läßt sich schon an den in dieser Broschüre angeführten Beispielen etwas ermessen; wer alle 300 wichtigeren Stellen studiert, kann kaum mehr zustimmen, wenn die Befürworter der Textkritik behaupten, die Weglassungen und Änderungen würden geistlich keine Rolle spielen.
Eine weitere ernstzunehmende Auswirkung der Textkritik in den modernen Bibeln sind die Zweifel erweckenden Fußnoten, die zahlreiche noch im Text stehende Bibelworte in Frage stellen. Am Schluß des Markusevangeliums etwa vermerkt die Lutherbibel 1984: „Nach den ältesten Textzeugen endet das Markusevangelium mit Vers 8. Die Verse 9-20 sind im 2. Jahrhundert hinzugefügt worden, vermutlich um dem Markusevangelium einen den anderen Evangelien entsprechenden Abschluß zu geben.“ Damit wird dem Bibelleser nahegelegt, dieser wichtige und unzweifelhaft echte Bestandteil des Markusevangeliums sei eine menschliche Hinzufügung!
Immer wieder finden sich z.B. in der revidierten Elberfelder Bibel Bemerkungen wie bei Mt 20,16, wo zu dem Ausspruch des Herrn: „Denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte“ in der Fußnote steht: „in den wichtigsten alten Handschr. nicht enthalten“ (Die „wichtigsten alten Handschriften“ sind hier Sinaiticus, Vaticanus und 6 weitere Unzialhandschriften). Kann der Leser diese Worte nun als echte Worte des Herrn annehmen? Wenn sie in den angeblich wichtigsten Handschriften fehlen, weshalb haben die Übersetzer sie dann in den Text aufgenommen? Wenn sie aber in den Bibeltext gehören (und das ist unzweifelhaft der Fall), weshalb dann die Fußnote?
In Lk 23,34 kommentiert die revidierte Elberfelder Bibel die berühmten Worte des Herrn Jesus „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ folgendermaßen: „in alten und wichtigen Handschr. nicht enthalten.“ Sie fehlen in einigen (NA nennt 8) alexandrinischen Handschriften, wobei sie im Codex Sinaiticus ursprünglich enthalten waren (!), von einem Korrektor gestrichen wurden und von einem weiteren wieder eingesetzt wurden. Sie sind nicht nur in den mehreren tausend byzantinischen Handschriften enthalten, sondern auch in den Unzialhandschriften A und C aus dem 5. Jh.! Dennoch markiert die Nestle-Aland-Ausgabe diese wunderbaren Worte unseres Herrn als eine „mit Sicherheit spätere Hinzufügung“, behauptet also, sie seien unecht!
Das Ausmaß solcher glaubenszersetzender Einwände gegen die Zuverlässigkeit des neutestamentlichen Textes sollte nicht unterschätzt werden: Die revidierte Elberfelder Bibel 2000 hat im NT 176 solche textkritische Fußnoten (im AT sind es übrigens 1.768!); die Ökumenische Einheitsübersetzung 131, die Lutherbibel 1984 immerhin auch 41.
Es bleibt anzumerken, daß der Wahrheitsgehalt dieser textkritischen Fußnoten oft recht fragwürdig ist. So gut wie nie wird das tatsächliche Zahlenverhältnis der Textzeugen erwähnt; das Zeugnis des Mehrheitstextes wird oft regelrecht verschleiert. Wenn z.B. in Mt 5,44 die revidierte Elberfelder anmerkt: „Einige spätere Handschr. fügen hinzu: segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen …“, so stehen hinter diesem Text nicht nur die 3-4.000 Textzeugen des byzantinischen Mehrheitstextes (dafür ist „einige“ wohl nicht der Wahrheit entsprechend), sondern auch die zwei alten Unzialhandschriften D und W aus dem 5. Jh. (!).
Was für Folgen hat es, wenn wir solche Bibeln, die das in ihnen geschriebene Wort in der Fußnote wieder in Frage stellen, an junge Gläubige oder suchende Menschen weitergeben? Können solche Bibeln das Wohlgefallen des Herrn finden, die hinter viele Seiner kostbaren Worte ein Fragezeichen machen? Kann Gott den vollen Segen Seines Wortes durch Bibeln schenken, die an einigen Stellen verstümmelt und verändert worden sind?
Wir wollen nicht bestreiten, daß viele aufrichtige Gläubige auch durch das Lesen textkritischer Übersetzungen einen gewissen Segen empfangen. Diese Bibeln enthalten ja zu 90% Gottes gutes Wort. Aber auf der anderen Seite sollte es jedem geistlich prüfenden Christen deutlich geworden sein, daß die Veränderungen durch die Textkritik nicht einfach als harmlos und unwichtig weggeschoben werden können.
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