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In diesem Artikel behandeln wir die heute noch in verschiedenen Kreisen verkündete Lehre des „Amillennialismus“, das ist eine theologische Auffassung, die behauptet, Gott werde gar kein wörtliches Tausendjähriges Reich des Messias errichten, sondern die Kirche verwirkliche heute ein „geistliches“ Königreich Gottes auf Erden. Das ist zumeist verbunden mit der Lehre, Gott habe das Volk Israel nach dessen Verwerfung des Herrn Jesus Christus für immer verstoßen. Israel habe keine Zukunft mehr, sondern die Kirche sei das neue Israel; der Kirche gehörten auch alle Verheißungen des Messias und des Reiches Gottes. Die vielen Aussagen in den Büchern der alttestamentlichen Propheten, die Israel und das kommende messianische Reich betreffen, werden nach dieser Lehre nicht wörtlich in Erfüllung gehen, sondern man müsse sie sinnbildlich („allegorisch“) deuten und auf die Kirche oder Gemeinde beziehen. Was ist von dieser Lehre zu halten, die immer wieder auch von ansonsten bibeltreuen Verkündigern und Strömungen vertreten wird?
 
 

1. Gottes ewig gültige Verheißungen an Israel

 
In meiner täglichen Bibellese stieß ich vor einiger Zeit auf folgende Aussage des HERRN, des Gottes Israel, die Er Seinem Propheten Jeremia offenbart hat:
 
So spricht der HERR, der die Sonne als Licht bei Tag gegeben hat, die Ordnungen des Mondes und der Sterne zur Leuchte bei Nacht; der das Meer erregt, daß seine Wellen brausen, HERR der Heerscharen ist sein Name: Wenn diese Ordnungen vor meinem Angesicht beseitigt werden können, spricht der HERR, dann soll auch der Same Israels aufhören, allezeit ein Volk vor meinem Angesicht zu sein! So spricht der HERR: Wenn man den Himmel droben messen kann und die Grundfesten der Erde drunten zu erforschen vermag, so will ich auch den ganzen Samen Israels verwerfen wegen all dessen, was sie getan haben, spricht der HERR. (Jer 31,35-37)

Kurze Zeit später ist in demselben prophetischen Buch noch einmal eine ganz ähnliche Bekräftigung zu lesen:
 
Und das Wort des HERRN erging an Jeremia folgendermaßen: Merkst du nicht, was dieses Volk behauptet, wenn es spricht: »Die zwei Geschlechter, die der HERR erwählt hat, die hat er verworfen«? So verlästern sie mein Volk, daß es in ihren Augen kein Volk mehr ist. So spricht nun der HERR: So gewiß ich meinen Bund mit Tag und Nacht, die Ordnungen des Himmels und der Erde festgesetzt habe, so wenig werde ich den Samen Jakobs und meines Knechtes David verwerfen, daß ich aus seinen Nachkommen keinen Herrscher mehr nähme, der über den Samen Abrahams, Isaaks und Jakobs herrschen soll; denn ich werde ihr Geschick wenden und mich über sie erbarmen! (Jer 33,24-26)


Der große, herrliche Gott, an den wir glauben, der Gott, dessen Wort unbedingte und vollkommene Wahrheit ist, und der treu ist, der über Seinem Wort wacht, um es auszuführen – dieser Gott hat es für nötig befunden, zweimal ernst und feierlich zu bekräftigen, daß Seine Verheißungen in bezug auf eine zukünftige Wiederherstellung Israels und den Messias als König über Israel Bestand haben und niemals von Menschen aufgehoben werden können!

Diese Verheißungen durchziehen im Grunde alle prophetischen Bücher des Alten Testaments und sind unmißverständlich: Gott wird Sein auserwähltes Volk Israel am Ende der Zeiten wieder annehmen und mit ihnen um des Messias willen einen neuen Bund schließen, einen einseitigen Bund ohne Bedingungen, auf der Grundlage der Gnade und nicht der Werke.

Manche Verfechter des Amillennialismus behaupten, Israel habe die Verwirklichung dieser Verheißungen durch seine Untreue und durch die Ablehnung des Messias verwirkt. Doch in Gottes Wort werden die Verheißungen der endgültigen Wiederherstellung Israels nicht von dessen Treue abhängig gemacht, sondern von der Treue Gottes zu Seinen bedingungslosen Zusagen an Abraham und von der Gnade Gotts, der um Seines Namens, um Seiner Ehre willen Israel wiederherstellt. Wer das leugnet, verunehrt Gott und verdreht Sein heiliges Wort.
 
Um meines Namens willen bin ich langmütig, und um meiner Ehre willen halte ich mich zurück, dir zugute, um dich nicht auszurotten. Siehe, ich habe dich geläutert, aber nicht im Silber[schmelzofen]; im Schmelzofen des Elends habe ich dich geprüft. Um meinetwillen, um meinetwillen will ich es vollbringen! Denn wie würde ich sonst gelästert! Und ich will meine Ehre keinem anderen geben. (Jes 48,9-11)

Andere Amillennialisten behaupten, diese Verheißungen seine nie wörtlich gemeint gewesen, sondern gälten in allegorischem Sinn für die Gemeinde. Damit aber lösen sie so viele konkrete, klar formulierte Bezüge in Gottes Wort auf (etwa auf das Land Israel, den Berg Zion, die Stadt Jerusalem, auf Löwe und Lamm, auf Ernten und Bäume), daß das nur ein völlig unverantwortlicher Umgang mit dem heiligen Gotteswort genannt werden kann.

Auch im Propheten Hesekiel kündigt der HERR die Wiederherstellung Israels an und betont ganz klar daß er dies aufgrund seiner Gnade tun wird, trotz der bösen Werke des Volkes. Das Ganze ist in Worte gefaßt, die jede „Spiritualisierung“ und Umdeutung auf die Gemeinde zu einer dreisten Verfälschung machen:
 
Und ihr sollt erkennen, daß ich der HERR bin, wenn ich euch in das Land Israel führe, in das Land, von dem ich geschworen hatte, daß ich es euren Vätern geben werde. Dort werdet ihr an eure Wege gedenken und an alle eure Taten, mit denen ihr euch verunreinigt habt; und ihr werdet Abscheu über euch selbst empfinden wegen aller eurer bösen Taten, die ihr begangen habt. Und ihr werdet erkennen, daß ich der HERR bin, wenn ich mit euch handeln werde um meines Namens willen und nicht nach eurem bösen Wandel und euren ruchlosen Taten, Haus Israel! spricht GOTT, der Herr. (Hes 20,42-44)
 
 

2. Die Wiederherstellung Israels ist mit der Errichtung des messianischen Reiches verbunden

 
Das prophetische Wort des AT macht ganz deutlich: Gott wird das überallhin zerstreute Volk Israel wieder aus allen Völkern sammeln; Er wird es wieder in Sein Land, das Land Israel, bringen; Er wird es am Ende in der großen Drangsal noch einmal umfassend richten und viele gottlose Israeliten vertilgen, aber ein Überrest wird sich zu dem Herrn Jesus Christus bekehren, und dieser Überrest wird dann im erneuerten Land Israel die Segnungen des messianischen Friedensreiches genießen.

Dieses Reich wird auf einer erneuerten Erde verwirklicht, die fruchtbarer ist als je zuvor, und sein Mittelpunkt ist Jerusalem, die Stadt des großen Königs, des Messias. Dieses irdische Reich des Messias ist eine der zentralen Eckpunkte von Gottes heilgeschichtlichen Ratschlüssen. Zentrale Bedeutung haben die verbindlichen Verheißungen des HERRN an den König nach Seinem Herzen, David.
 
Wenn deine Tage erfüllt sind und du bei deinen Vätern liegst, so will ich deinen Samen nach dir erwecken, der aus deinem Leib kommen wird, und ich werde sein Königtum bestätigen. Der wird meinem Namen ein Haus bauen, und ich werde den Thron seines Königreichs auf ewig befestigen. Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn sein. Wenn er eine Missetat begeht, will ich ihn mit Menschenruten züchtigen und mit Schlägen der Menschenkinder strafen. Aber meine Gnade soll nicht von ihm weichen, wie ich sie von Saul weichen ließ, den ich vor dir beseitigt habe; sondern dein Haus und dein Königreich sollen ewig Bestand haben vor deinem Angesicht; dein Thron soll auf ewig fest stehen! (2Sam 7,12-16)

Wie es für die alttestamentliche Prophetie typisch ist, verschmelzen hier die Verheißungen für Salomo, den unvollkommenen Sohn Davids, der dem HERRN das erste Mal ein Haus bauen durfte, dabei aber versagte, und für den Messias, den vollkommenen Sohn Davids, der dem HERRN ein vollkommenes Haus bauen wird und dessen Königsherrschaft (im Gegensatz zu der Salomos) ewig bestehen wird.

Als Salomo versagte und das Königtum Davids zunächst aufgrund der Untreue seiner Nachkommen gedemütigt wurde und schließlich erst einmal abgeschnitten wurde, redete Gott immer wieder durch die Propheten und verhieß ungeachtet der damaligen Not, daß das verheißene Königreich einschließlich der Wiederherstellung des geschlagenen Volkes Israel durch einen späteren Nachkommen Davids wortwörtlich erfüllt würde.
 
Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben; und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, Ewig-Vater, Friedefürst. Die Mehrung der Herrschaft und der Friede werden kein Ende haben auf dem Thron Davids und über seinem Königreich, daß er es gründe und festige mit Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Der Eifer des HERRN der Heerscharen wird dies tun! (Jes 9,5-6)

Dieses künftige messianische Königreich ist ganz unzweideutig ein Königreich auf der Erde und nicht etwa im Himmel; in zahlreichen prophetischen Aussagen wird dies deutlich und klar ausgesagt (vgl. z.B. Jesaja 11; Jes 29,17-24; 33,5-6; 33,17-22; Jesaja 35; Jes 59,20-60,22; Jesaja 62).

Zahlreiche Einzelheiten werden in diesen und anderen Prophetien genannt, die unmöglich „allegorisiert“ oder „spiritualisiert“ werden können, sondern die eindeutig auf dieses unter Gottes Segen stehende Königreich des Messias in Jerusalem hinweisen, das über die ganze Welt regiert und Ströme geistlicher und irdischer Segnungen aussendet. Israel wird als die höchste Nation in diesem Reich geoffenbart, und es wird bezeugt, daß dieses erneuerte, von Gott wieder angenommene Volk künftig nie wieder zuschanden werden wird, sondern sich auf ewig des Segens und Friedens in dem Messias erfreuen wird.
 
 

3. Das Neue Testament bestätigt Gottes Verheißungen des Reiches und der Wiederherstellung Israels

 
Im Neuen Testament finden wir keine ähnlich ausführlichen Aussagen über die Wiederherstellung Israels und das Tausendjährige Reich (abgekürzt TJR); das NT bekräftigt einfach die Verheißungen der alttestamentlichen Propheten und knüpft selbstverständlich an sie an, ohne sie nochmals ausführlich zu wiederholen. Dennoch werden diese beiden wichtigen Punkte in Gottes Heilsplan immer wieder ausdrücklich bestätigt; in keiner Weise kann man behaupten, Gottes Verheißungen an Israel seien durch die Lehre des NT außer Kraft gesetzt worden.

 
Jesus Christus bekräftigt die wörtliche Erfüllung der Propheten

Das bestätigt unser Herr Jesus Christus ganz grundsätzlich. Er zeigt, daß Er nicht gekommen ist, um das Gesetz oder die Aussagen der Propheten aufzuheben und für ungültig zu erklären, sondern um alles zu erfüllen. Damit bekräftigt Er, daß sich auch alle Voraussagen der Propheten des AT genau so erfüllen müssen, wie sie geschrieben stehen, bis auf den Buchstaben muß alles auf die Zukunft Bezogene, das im AT steht (dafür steht der Begriff „Gesetz“ in V. 18) auch wirklich geschehen:
 
Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen sei, um das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen! Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergangen sind, wird nicht ein Buchstabe noch ein einziges Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. (Mt 5,17-18)

Schon mit dem Namen „Christus“ (Messias) für den menschgewordenen Sohn Gottes wird bekräftigt, daß Gottes Zusagen durch Christus verwirklicht werden sollen. Er ist der gesalbte Retter-König für Israel, der sein Volk von ihren Sünden erlösen (Mt 1,21) und über sie regieren wird.
 
Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! Denn du hast Gnade bei Gott gefunden. Und siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären; und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben; und er wird regieren über das Haus Jakobs in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. (Lk 1,30-33)
 

Christus geht von einem künftigen irdischen Königreich aus

Der „Thron Davids“ kann niemals im Himmel stehen – dort steht der Thron des ewigen Gottes, der viel größer ist als David –, sondern nur auf der Erde, in Jerusalem, der „Stadt des großen Königs“ (Mt 5,35). Wenn der Messias dort über das „Haus Jakobs“ in Ewigkeit regieren wird, dann muß Israel wiederhergestellt und wieder in seinem Land sein. Auf der anderen Seite zeigt diese Verheißung wie auch andere, bei denen von einem „ewigen Reich“ die Rede ist, daß die Propheten neben der zeitlich begrenzten irdischen Form dieses Reiches auch die darauffolgende ewige Form im Auge haben und beide verschmelzen.

Wenn viele von Osten und Westen kommen werden, um im messianischen Reich mit Abraham, Isaak und Jakob am Tisch zu sitzen, so ist dieses Reich auf der Erde; im Himmel gibt es weder Osten noch Westen (Mt 8,11). Wenn der Herr im Reich Gottes vom Gewächs des Weinstockes trinken wird, dann befindet sich dieses Reich auf der Erde (Mk 14,25). So ließen sich noch einige Andeutungen und Äußerungen unseres Herrn nennen, die wörtlich verstanden direkt die alttestamentlichen Prophetien bestätigen (vgl. u.a. Lk 1,54-55; 67-75; 2,30-32).

 
Das Zeugnis des Apostels Paulus in Römer 9 – 11

Die Lehrbriefe des NT beschäftigen sich naturgemäß ganz überwiegend mit dem Glaubensgut und der göttlichen Bestimmung der Gemeinde und kaum mit der prophetischen Zukunft Israels. Doch in einem besonders wichtigen Brief geht der Apostel Paulus ausführlich auf Gottes Ratschlüsse mit Israel im Verhältnis zur Gemeinde Gottes ein - im Römerbrief, in den Kapiteln 9 – 11.

In diesem bedeutsamen Abschnitt zeigt der Apostel Juden wie Heiden Gottes Gedanken bei Seinem Handeln in der Gemeindezeit. Israel als Volk hat versagt und ist und seiner Verwerfung des Messias beiseitegesetzt worden; nur ein Überrest wahrer Israeliten hat die Verheißung des Heils erlangt (Römer 9). Israel hat den Messias und Sein Gnadenangebot aufgrund seines Unglaubens nicht erkannt, obwohl Er ihnen verkündigt wurde (Römer 10).

Das bedeutet aber nicht, daß Israel deswegen endgültig verworfen wäre und damit die alttestamentlichen Verheißungen hinfällig wären: Der Apostel hebt als Segnung Israels hervor, daß ihnen die „Bündnisse“ und auch die „Verheißungen“ gehören (Röm 9,4) und betont: „Nicht aber, daß das Wort Gottes nun hinfällig wäre!“ (Röm 9,6). Paulus zeigt dann, daß diese Verheißungen nicht jedem Israeliten nach dem Fleisch gelten, sondern den auserwählten, gläubigen Israeliten, den „Kindern der Verheißung“ (Röm 9,8), dem gläubigen Überrest (Röm 9,27).

Der jüdische Überrest in der Generation des Herrn Jesus Christus und danach erbte das Heil zusammen mit den Heiden unter der Gnadenzeit (vgl. Röm 11,5.7); aber am Ende der Zeit wird der bekehrte Überrest Israels auch die Verheißung der Wiederherstellung und des messianischen Reiches erben, wie Paulus in Röm 9,26-29 unter Berufung auf Hosea 2,1-25 und Jesaja 10,20-23 schreibt.

In Römer 11 zeigt der Apostel schließlich Gottes Plan auf: Gott hat Israel vorübergehend verstockt, um die Heilsbotschaft unter den Heiden zu verkündigen und durch die Gemeinde die Vollzahl der Auserwählten aus den Heidenvölkern einzusammeln. Wenn dies geschehen ist, wird Gott Israel wieder annehmen und es wieder einpfropfen, und dann wird ganz Israel gerettet werden – ein klarer Hinweis auf die Verwirklichung der alttestamentlichen Verheißungen über das TJR (vgl. Röm 11,23-27).
 

Das Zeugnis der Offenbarung

Deshalb ist es nur ein folgerichtiger Schlußpunkt, wenn im letzten Buch des NT und der ganzen Bibel die Wiederherstellung Israels und das messianische Reich auf Erden noch einmal klar und unmißverständlich bezeugt werden. Das beginnt schon in den Sendschreiben, wenn der Herr den treuen Gläubigen der Gemeindezeit verheißt:
 
Und wer überwindet und meine Werke bis ans Ende bewahrt, dem werde ich Vollmacht geben über die Heidenvölker, und er wird sie mit einem eisernen Stab weiden, wie man irdene Gefäße zerschlägt, wie auch ich es von meinem Vater empfangen habe … (Offb 2,26-27)

Damit verheißt Er ihnen Anteil an Seiner Königsherrschaft im TJR nach der Verheißung an den Messias in Ps 2,8-9. Diese Verheißung kann sich nur in einem wörtlich verstandenen Königreich auf der Erde erfüllen.

Dasselbe gilt für die Verheißung an die Gemeinde der Überwinder, mit dem Messias auf Seinem Thron zu sitzen (Offb 3,21); das ist dem Zusammenhang nach am ehesten von dem irdischen Thron des Messias zu verstehen, denn wir werden ja als Könige und Priester mitregieren, und das kann nur auf Erden geschehen (vgl. auch Offb 1,6 und den Bezug zum Kommen des Messias auf die Erde in 1,7). Das drückt auch der Lobpreis der 24 Ältesten aus, die symbolisch für die verherrlichte Gemeinde stehen:
 
Und sie sangen ein neues Lied, indem sie sprachen: Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast uns für Gott erkauft mit deinem Blut aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen, und hast uns zu Königen und Priestern gemacht für unseren Gott, und wir werden herrschen auf Erden. (Offb 5,9-10)

Dieses „Herrschen auf Erden“ kann nur in dem irdischen Reich des Messias geschehen. Folgerichtig steht der Seher Johannes bei seinem zweiten Gesicht in Offenbarung 19 auf der Erde und sieht, wie der Messias mit Seiner verherrlichten Brautgemeinde vom Himmel herabkommt, um die Feinde Gottes auf der Erde zu richten.

So sollte man denken, daß jeder bibeltreue Christ davon ausgehen wird, daß Gott nach der Entrückung der Gemeinde Seine Verheißungen in bezug auf Israel und den Messias verwirklichen wird. Leider aber gibt es auch unter gläubigen Christen, die die Bibel eigentlich als Gottes Wort ernstnehmen wollen, im Hinblick auf diese grundlegenden Fragen auch entgegengesetzte Standpunkte, die all diese betrachteten Aussagen aus Gottes Wort radikal in Frage stellen und zu etwas ganz anderem umdeuten.
 

 

4. „Amillennialismus“: Ursprung und Wiederaufleben eines alten Irrtums

 

Wie kommt es, daß manche Christen meinen, Gott werde weder Israel wieder als Nation berufen und segnen noch ein tausendjähriges Friedensreich unter der Herrschaft des Messias aufrichten, obwohl doch so viele biblische Aussagen dies bezeugen? Um das zu verstehen, müssen wir einen Blick in die Geschichte der Gemeinde Jesu Christi werfen.

Unser kurzer Überblick über die Aussagen der Bibel zum Thema des TJR hat gezeigt, daß eine einfache gläubige Annahme der prophetischen Aussagen des AT, so wie sie geschrieben stehen, wie selbstverständlich dazu führt, daß man die Wiederherstellung Israels und die Errichtung eines tausendjährigen Friedensreiches des Messias erwartet. So war der Glaube der Apostel und der apostolischen Urgemeinde (vgl. Apg 24,14), und so glaubten es auch die Christen im 2. Jahrhundert.

Erst ab dem 3. Jahrhundert wurde diese Erwartung der Wiederkunft des Herrn und des darauffolgenden Tausendjährigen Reiches (von den Theologen „Chiliasmus“ oder „Prämillennialismus“ genannt) in Frage gestellt, und zwar zuerst von einer ganz besonderen Gruppe von falschen Lehrern, der „Theologenschule von Alexandria“. Unter ihnen übten vor allem Clemens von Alexandrien und Origenes einen großen Einfluß auf die damalige Kirche aus. Clemens und Origenes waren stark von der Gnosis und der weltlichen Philosophie Platons beeinflußt (vgl. Kol 2,8!).

 
Der Irrlehrer Origenes als Urheber der „allegorischen Schriftauslegung“

Origenes verwarf die bis dahin übliche wortwörtliche Deutung der Heiligen Schrift und behauptete, die Schrift müsse hauptsächlich allegorisch, das heißt sinnbildlich verstanden werden; man müsse hinter den angeblich sinnlosen wörtlichen Äußerungen einen besonderen „geistlichen Sinn“ herausfinden.

Die „allegorische“ Schriftauslegung von Origenes und seinen Anhängern brachte verhängnisvolle Irrtümer in die Theologie der frühen katholischen Kirche hinein. Seine Abkehr vom Wortsinn der Heiligen Schrift erweist ihn als Irrlehrer und Verführer, der dem Motto der Schlange huldigte: „Sollte Gott wirklich gesagt haben?“.

Origenes hatte keine Ehrfurcht vor den geistgehauchten ewigen Worten der Heiligen Schriften. Kühn und dreist verkündete er, ganz im Sinne der heidnischen Gnosis und der platonischen Philosophie, daß der äußere Wortsinn der biblischen Texte nicht entscheidend sei; man müsse vielmehr den bildhaften, allegorischen, „geistigen“ Sinn dahinter entdecken, um sie recht zu verstehen. Damit behauptete er einfach, Gott habe nicht gemeint, was Er sagte. Er gab damit dem Menschen, besonders dem philosophisch gebildeten „Theologen“ als Deuter der Schriften, eine Schlüsselrolle, um den eigentlichen Sinn der Bibelworte zu enträtseln.

Wer solchermaßen die von Gott inspirierte Heilige Schrift auflöst und willkürlich umdeutet, der kommt von einem bösen Irrtum zum anderen. So ist Origenes nicht zufällig auch der Urheber der Allversöhnungslehre. Er deutete die alttestamentlichen Verheißungen über das TJR allegorisch auf die Gemeinde um und lehrte, daß Israel keine Zukunft mehr habe und die Gemeinde der Erbe Israels und seiner Verheißungen sei, die dementsprechend nicht wörtlich, sondern „vergeistlicht“ zu verstehen seien.
 

Augustinus – der Kirchenlehrer, der die allegorische Deutung der Propheten durchsetzte

Die gröberen Irrtümer des Origenes wurden mit der Zeit in der katholischen Kirche verworfen, aber die von ihm maßgeblich eingeführte „allegorische Schriftauslegung“ wurde dennoch zum beherrschenden Einfluß in der Theologie der römischen Kirche. Das ist vor allem dem Theologen Augustinus zuzuschreiben, der lehrte, man müsse vor allem die prophetischen Aussagen des AT allegorisch statt wörtlich verstehen, während er die anderen Teile der Bibel überwiegend wörtlich deutete.

Auch er lehrte, daß es kein wörtlich verstandenes TJR (= Millennium) auf der Erde gäbe und daß Israel für immer verworfen sei. Die Gemeinde habe Israel ersetzt und verwirkliche nun das Tausendjährige Reich auf der Erde. Christus komme irgendwann am Ende dieses sinnbildlichen „Millenniums“ auf die Erde, um das Jüngste Gericht zu halten.

Diese unbiblischen, irreführenden Lehren prägten den verderblichen Weg der katholischen Kirche wesentlich mit und bestärkten den Machtanspruch und die weltlichen Ambitionen dieser Kirche. Diese falsche Weltkirche lebte von der unbiblischen „Ersatztheologie“, die sie angeblich berechtigte, anstatt von Israel und Christus das „Reich Gottes“ auf Erden zu verwirklichen, Regenten einzusetzen und Völker mit dem Schwert zu „bekehren“.
 

Die Reformatoren übernehmen Augustins Amillennialismus

Leider übernahmen auch die Reformatoren die Leugnung des TJR und der Verheißungen für Israel von Augustin, der bei ihnen in höchstem Ansehen stand. Die Reformatoren versäumten es auf verschiedenen Gebieten, die von griechischer Philosophie geprägten Falschlehren Augustins zu durchschauen und hinter Augustin auf Paulus und das NT zurückzugehen. Das war auch bei der Endzeitlehre der Fall. Sowohl Luther als auch Calvin vertraten die falschen Lehren des Amillennialismus, und die orthodoxe reformatorische Theologie tut dies noch heute.

Das ist im Grunde ein innerer Widerspruch, denn die Reformatoren drängten in allen anderen Gebieten der Lehre zu recht auf eine wortwörtliche Beachtung dessen, was geschrieben steht – nur bei der Prophetie und der Lehre von den letzten Dingen (Eschatologie) sollte dies angeblich nicht gelten; dort setzten auch die Reformatoren die ansonsten verworfene allegorische Auslegung ein.

Im 17. und 18. Jahrhundert gab es einige Bibellehrer, die durch das Studium der Schriften zu der Überzeugung kamen, daß Israel noch eine Zukunft hat und die Verheißungen Gottes in bezug auf das TJR immer noch gültig sind. U.a. waren auch einige frühe Puritaner „Prämillennialisten“. Doch diese als „Chiliasmus“ angeprangerte biblische Überzeugung wurde nicht von sehr vielen Gläubigen geteilt; zum Teil war dafür auch der Umstand verantwortlich, daß einige schlimme falschprophetische Sekten wie die Münsteraner Täufer sich ebenfalls auf ein wörtliches TJR beriefen.

 
Ein neues Fragen nach der Prophetie im 19. Jahrhundert

Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in breiteren Kreisen ernster Gläubiger ein neues Interesse an Fragen der Prophetie und der Endzeitlehre geweckt. Erschütternde Zeitereignisse, vor allem die Französische Revolution und ihre Nachwirkungen, hatten in vielen die Überzeugung geweckt, daß das Ende aller Dinge nahe sei.

Zahlreiche Gläubige beschäftigten sich neu mit den prophetischen Aussagen der Bibel; man empfand wohl, daß die althergebrachten Lehren des Amillennialismus keine befriedigende Antwort auf die Entwicklungen der Zeit gaben. Im Studium der alttestamentlichen Schriften stellten die Gläubigen fest, daß die Verheißungen eines wiederhergestellten Israel im TJR das ganze AT durchzogen und so formuliert waren, daß eine allegorische Deutung den Aussagen des Wortes Gottes nicht gerecht wurde.
In jener Zeit wurden in England und später in den USA prophetische Bibelkonferenzen veranstaltet, in denen das prophetische Wort des AT und NT neu aufgegriffen, wörtlich genommen und im heilsgeschichtlichen Zusammenhang ausgelegt wurde.

Namhafte Bibelgelehrte vertraten wieder die Lehre des „Prämillennialismus“, d.h. die Überzeugung, daß nach dem Abfall und Auftreten des Antichristen der Herr Jesus Christus wieder auf die Erde kommen würde, um Gericht über die Gottlosen zu üben und den Überrest Israels zu retten, worauf ein tausendjähriges Friedensreich des Messias auf Erden folgen wird, an dessen Ende es noch einmal zu einem antichristlichen Aufstand und schließlich zum Endgericht kommt, auf das der neue Himmel und die neue Erde folgen.

Diese Sichtweise ist, das geben auch viele Amillennilialisten zu, diejenige, die sich zwangsläufig und logisch ergibt, wenn man die alttestamentlichen Propheten wörtlich versteht und im Zusammenhang auslegt. Das ist, mit anderen Worten, die Sicht, die eigentlich jeder bibeltreue Gläubige vertreten sollte, wenn er wie Paulus „an alles glaubt, was im Gesetz und in den Propheten geschrieben steht“ (Apg 24,14).

Diese Auslegungsweise hat sich im übrigen eindrücklich bestätigt, denn schon ab 1850 haben Bibellehrer dieser Richtung vorausgesagt, daß das Volk Israel wieder in sein verheißenes Land zurückkehren muß – eine Vorhersage, die natürlich von den Amillennialisten als lächerlich abgetan wurde. Doch 1948, 100 Jahre später, geschah genau das, was diese Gläubigen vorhergesagt hatten, ganz einfach, weil sie die Bibel wörtlich und ernst nahmen.

Diese prämillennialistischen Überzeugungen wurden besonders weit verbreitet durch die Lehrer des „Dispensationalismus“ (der Heilszeitenlehre) wie J. N. Darby, C. I. Scofield, A. Gaebelein, H. A. Ironside u.a., aber sie wurden weit über diese Strömung hinaus auch von bibeltreuen Baptisten (u.a. von Charles H. Spurgeon), Presbyterianern, Anglikanern (u.a. J. C. Ryle) oder auch den Mennoniten-Brüdergemeinden vertreten.

 
Der Einfluß des Amillennialismus bringt heute Verführung und Spaltung mit sich

Daneben gab es immer noch konservative Theologen, die an der traditionellen amillennialistischen Sichtweise festhielten, aber ansonsten bibeltreue Überzeugungen verkündeten. Die liberal-bibelkritische Theologie hat interessanterweise den Prämillennialismus geschlossen abgelehnt und entweder amillennialistische oder postmillennialistische Lehren vertreten.

Was die heutige Situation betrifft, müssen wir klar und deutlich sagen, daß die Lehren des Amillennialismus grundlegend falsch und irreführend sind. Wer sie angesichts der endzeitlichen Ereignisse (vor allem der Wiederherstellung des Staates Israel) immer noch vertritt, ist in einem ernsten Irrtum befangen; er glaubt den Irrlehren eines Augustinus und anderer katholischer Theologen mehr als dem klaren Wort Gottes.

Das ist heute weit weniger entschuldbar als zur Zeit der Reformatoren und bis zum 19. Jahrhundert, als einige heute noch als bibeltreu geschätzte Brüder diese Lehren vertraten. Wir wollen anerkennen, daß auch echte Kinder Gottes heute unter denen sind, die diese Irrtümer für wahr halten, und daß manche von ihnen sie übernommen haben, weil sie irgendwelchen reformatorischen theologischen Traditionen folgen.

Auf der anderen Seite müssen wir festhalten, daß diese Lehren massiv unbiblisch sind und große Teile des Wortes Gottes auflösen bzw. außer Kraft setzen. Letztlich stellen sie Gott als Lügner und untreu hin im Hinblick auf Seine zahlreichen feierlichen Verheißungen in bezug auf Israel und das messianische Reich. Diese Lehren verdrehen die Worte des lebendigen Gottes, und das ist eine schwerwiegende Sache (vgl. Jer 23,36).

Heute stellen diese falschen Lehren einen irreführenden, verwirrenden und oft auch spalterisch wirkenden Einfluß unter bibeltreuen Gläubigen dar, dem wir liebevoll, aber entschieden entgegentreten müssen. Wer solche falschen Lehren heute noch in bibeltreuen Gemeinden verkündet, versündigt sich an den Gläubigen; er verhindert eine klare Sicht für die Endzeitereignisse, die wir heute dringender denn je brauchen, und hält Gläubige davon ab, den wiederkommenden Herrn einfältig zu erwarten.

Wir alle brauchen heute große Wachsamkeit und geistliches Unterscheidungsvermögen, um zu prüfen, welche Lehren unter uns verkündet und ausgebreitet werden. Leider fehlt es vielen Gläubigen heute an der Mündigkeit und Reife, um falsche Lehren rechtzeitig zu erkennen und dagegen vorzugehen. Wir sollten auch erkennen, welche schädlichen Einflüsse die Theologie (auch in ihrer evangelikalen bzw. „reformatorischen“ Spielart) auf die Gemeinden hat.

Theologie ist ein System von Menschengedanken über Gott und Sein Wort, das wesentlich mit von heidnischer Philosophie und kirchlichen Traditionen geprägt wurde und die gesunde biblische Lehre in vielen Gebieten stark entstellt. Möge der Herr sich erbarmen und noch viele zur vollen Erkenntnis Seiner Wahrheit und der gesunden Lehre bringen!
 
 
Weiterführende Literatur:

Mal Couch (Hrsg): Lexikon zur Endzeit. Ein praktischer Führer zu Personen, Standpunkten und dem Studium biblischer Prophetie und Heilsgeschichte. Dillenburg (Christliche Verlagsgesellschaft) 2004

Thomas Ice; Timothy Demy (Hrsg): Wenn die Posaune erschallt. Zur Klärung der Kontroverse über Endzeitfragen. Dübendorf (Verlag Mitternachtsruf) 2000

John F. Walvoord: The Millenial Kingdom. Grand Rapids, MI (Zondervan) 8. Aufl. 1974
 
 
Hier können Sie unsere ausführlichere Stellungnahme zum Amillennialismus herunterladen:
 
Uralte theologische Irrtümer leugnen die Zukunft Israels und das Tausendjährige Reich. Eine Widerlegung der Lehren des „Amillennialismus“
 
 
 
www.das-wort-der-wahrheit.de   Rudolf Ebertshäuser   4. 7. 2016
 
 
 
 

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