Lutherbibel 2017: Was Liberaltheologen aus Luthers Bibel gemacht haben

01.12.2016 | 11:38  Uhr

Mit großem Werbeaufwand wurde rechtzeitig vor dem Jahr des Reformationsjubiläums die Revision der Lutherbibel 2017 vorgestellt. Der offizielle Tenor ist sehr positiv: die neue Revision sei „wissenschaftlich präzise und zugleich sprachlich treffend“, heißt es. Man habe eine gut verständliche Sprache gewählt und dabei das originale Lutherdeutsch an vielen Stellen wiederhergestellt. Die Lutherbibel in der Revision 2017 wird künftig in vielen evangelischen Kirchen die offizielle Predigtbibel sein. Aber ist sie auch für gläubige Christen tauglich? Ist sie eine Bibel, die ein gläubiges Kind Gottes zuversichtlich lesen kann, um sich im Glauben an Gott und Sein Wort zu stärken?

Dieser Artikel will in aller Kürze aufzeigen, wie die neue Lutherversion 2017 aus bibeltreuer Sicht zu beurteilen ist. Er beruht auf einer ersten Durchsicht und beansprucht nicht, ein gründliches Urteil über dieses Werk abgeben zu können. Der Verfasser hat als Germanist und Philologe, als Mitarbeiter an der Revision der Schlachterbibel 2000 und als Verfasser eines Buches über Bibelübersetzungen versucht, geistliche Maßstäbe an die Neufassung der berühmten und beliebten Übersetzung Martin Luthers anzulegen und ihre Tauglichkeit für die Erbauung gläubiger Christen zu prüfen. Hier sein Ergebnis.
 

 

„Die Stillung des Seebebens“:
irreführende und schlechte Übersetzungslösungen

 
Die Bearbeiter legen Wert darauf, die übersetzerische Qualität des Textes verbessert zu haben. Sie wollten die Verständlichkeit verbessern, die alte Luthersprache wo immer möglich restaurieren und die Urtexttreue verbessern. Das mag durchaus an einigen Stellen gelungen sein. Allerdings fallen selbst bei einer ersten Durchsicht auch einige Übersetzungslösungen auf, die Verschlechterungen statt Verbesserungen bringen.

** Es ist angesichts der Vorgaben nicht nachvollziehbar, weshalb man die Bezeichnung des Sees von Genezareth als „Meer“ aus der alten Lutherbibel wieder in den neuen Text gebracht hat (Mt 8,24 u.a.). Hier handelt es sich um eine klassischen Fall, in dem die Wortbedeutung von „Meer“, die früher sicherlich einen See mit umfaßt hat, inzwischen zu einem problematischen Mißverständnis führt und bei manchen womöglich erst einmal Zweifel an der historischen Richtigkeit des Berichtes weckt. Aber das macht ja Liberaltheologen keine Bauchschmerzen…

** Es ist auch nicht einsehbar, weshalb man die irreführende Übersetzung „Bischof“ in 1Tim 3,1-2 u.a. Stellen belassen hat. Das griechische episkopos bezeichnet einen „Aufseher“, was eine der Bezeichnungen des NT für Älteste der biblischen Ortsgemeinden war. Der Begriff „Bischof“ erweckt den irrigen Anschein, als habe das Bischofsamt der katholischen und evangelischen Kirchen irgendeine biblische Berechtigung. Das aber täuscht den Bibelleser und erzeugt ein Mißverständnis und nicht ein korrektes Verständnis des Bibeltexts.

** Eine ganz seltsame „Übersetzungskorrektur“ findet der Leser in Mt 8,24. Diese Geschichte ist auch in der Fassung 2017 noch überschrieben: „Die Stillung des Sturms“ – so wie man das von allen bisherigen Bibelübersetzungen gewohnt ist. Im Text aber meinten die theologisch versierten Damen und Herren eine „Verbesserung“ einführen zu müssen, die als neue Überschrift eigentlich nötig gemacht hätte: „Die Stillung des Seebebens“. Sie bieten jetzt statt „da erhob sich ein gewaltiger Sturm auf dem See“ eine sensationelle Neudeutung: „da war ein großes Beben im Meer, sodass das Boot von den Wellen bedeckt wurde“. Der Leiter der Kommission, Altbischof Dr. Kähler, versucht diese Fassung als notwendig für die „Texttreue“ zu rechtfertigen. Demnach wären die Wellen auf dem See Genezareth durch ein Seebeben erzeugt worden; begründet wird das mit der Tatsache, daß im Grundtext das Wort seismos steht, das in der Tat die Normalbedeutung „Erdbeben“ hat.

Allerdings bezeugen die maßgeblichen Wörterbücher auch die Tatsache, daß seismos in bestimmten Fällen „Sturm, heftige Wasserbewegung“ bedeuten kann. So gibt das Standardlexikon Langenscheidt/Menge neben „Erdbeben“ auch die Bedeutung „Sturm, heftige Bewegung“ an; das Standardlexikon Bauer, Wörterbuch zum NT vermerkt: „auch die heftige Bewegung des Wassers, hervorgerufen durch einen Sturm“ und verweist ausdrücklich auf Mt 8,24. Die hochgelehrten Übersetzer/innen hätten gut getan, sich an diese bewährten philologischen Hilfsmittel zu halten, anstatt mit ihrer „wissenschaftlichen Kompetenz“ zu prahlen. Übersetzerisch steht jedenfalls der von ihnen gewählten seltsamen Bedeutung entgegen, daß es nachher in V. 26 vom Herrn heißt: „und stand auf und bedrohte den Wind und das Meer, und es ward eine große Stille“ (LU 2017).

Daraus ist auch für den normalen Bibelleser ersichtlich, daß die hohen Wellen tatsächlich durch einen Sturm und nicht durch ein „Seebeben“ ausgelöst wurden. In diesem Fall greift die altbekannte Regel philologischer Übersetzung, daß der Textzusammenhang entscheidet, welche Bedeutung ein Wort hat und wie es übersetzt werden muß. Wenn nachher der Wind nochmals erwähnt wird, muß seismos mit „Sturm“ übersetzt werden. Die ganzen anderen Übersetzer haben diesen Umstand beachtet, den liberaltheologischen „Fachleuten“ der Luther-Revisionskommission entging er offenkundig, und sie geben ihren Fehler noch als „Verbesserung“ aus.

** Im AT findet sich neben manchem anderen eine geistlich fragwürdige Übersetzungskorrektur am Ende des Buches Hiob. Während LU 84 den Vers Hiob 42,6 noch ähnlich wie fast alle anderen Übersetzungen wiedergibt: „Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und Asche“, liest sich das in der revidierten Luther 2017 sehr seltsam und geistlich massiv verändert: „Darum gebe ich auf und bereue in Staub und Asche“. Hier wird ganz im Sinne der Liberaltheologen der Gedanke der Selbstverurteilung getilgt, und selbst das Wort „Buße“ wird abgeschwächt.

** Eine fragwürdige Abwandlung einer bewährten Übersetzung findet sich in Jes 53,9. Dort haben die bibeltreuen Übersetzungen wortgetreu nach dem MT übersetzt: „Und man bestimmte sein Grab bei Gottlosen, aber bei einem Reichen [war er] in seinem Tod, weil er kein Unrecht getan hatte und kein Betrug in seinem Mund gewesen war“ (SCH 2000). Hier bezeugt der Urtext ganz exakt, was dem Herrn Jesus später widerfuhr, als er in das Grab des reichen Joseph von Arimathia gelegt wurde (vgl. Mt 27,57-60). Doch die bibelkritischen Textkorrektoren machten aufgrund einer eigenwilligen Textänderung seit LU 1964 daraus: „und bei Übeltätern, als er gestorben war“. Wenn man so viele solche Textänderungen rückgängig gemacht hat, weshalb diese nicht? Weil der Bezug auf den Herrn Jesus sonst augenfällig wäre?

** In Jak 4,5 findet sich eine sehr willkürliche und verkehrte Übersetzung: „Der Geist, den er in uns wohnen ließ, drängt nach Neid“. So kann man zwar das Griechische auch übersetzen, aber das wird dem Sinn und dem Textzusammenhang überhaupt nicht gerecht. Schlachter 2000 übersetzt: „Ein eifersüchtiges Verlangen hat der Geist, der in uns wohnt“; diese Bedeutung „Eifersucht“ ist lexikalisch möglich und stimmt völlig mit der Aussage des Testes (Warnung vor Liebelei mit der Welt) zusammen. Weshalb hier eine völlig unnötige Verdunkelung des Texts? LU 1956 hatte noch: „begehrt und eifert“. Hier wurde der Text verschlechtert und so gestaltet, daß Gott selbst in einem verzerrten Licht erscheint.
 
 

Bibelkritische und feministische Verfälschungen im Luthertext

 
Noch schwerer als die verschiedenen Fehlübersetzungen wiegt die Tatsache, daß an einigen Stellen die bibelkritische Einstellung der Mehrheit der Bearbeiter ziemlich direkt und deutlich in die Wortwahl der Luther 2017 einfließt. Hier geht es vielfach um die Gottessohnschaft des Herrn Jesus, die ja von diesen Irrlehrern bestritten wird. Und hier sollten bei gläubigen Bibellesern die Alarmglocken läuten. Eine Bibel, die unseren Herrn herabwürdigt und zu einem bloßen Menschen macht bzw. Seine Gottheit verleugnet oder auch abschwächt, eine solche Bibelübersetzung sollte für Gläubige gar nicht in Frage kommen.
 

Bibelkritische Verfälschungen tasten die Gottheit Jesu Christi an

Der häretische, falsche Glaube der liberalen Theologie verkündet einen anderen Jesus als die Heilige Schrift, einen „Jesus“, der nicht von einer Jungfrau geboren, nicht im Vollsinn der Sohn Gottes und damit Gott von Wesen ist, nicht stellvertretend für unsere Schuld am Kreuz starb, dessen Blut angeblich nicht sühnt, und der auch nicht wahrhaftig auferstand.

Dieser bibelkritische Irrglaube hat mit dem wahren Christusglauben nichts gemeinsam als nur das sehr beliebige Etikett „christlich“. Er macht aus den heiligen Schriften des Alten und Neuen Testaments, die von altersher die unantastbare, von Gott gegebene Grundlage des Christusglaubens sind, bloße menschliche Mythenerzählungen, zerfleddert und willkürlich umgedeutet durch beamtete Theologieprofessoren und Pfarrer, die ein anderes Evangelium verkünden, das niemanden rettet.
Die überhebliche, verächtliche, von radikalem Fehlen von Ehrfurcht vor Gottes Wort gekennzeichnete Grundhaltung der Liberaltheologie zur Bibel wirkt sich auch auf die Behandlung der Lutherbibel durch ihre Bearbeiter direkt aus.

** Eine zentrale Stelle, die die Gottheit unseres Herrn bezeugt, ist Röm 9,5, wo Schlachter 2000 übersetzt: „… und von ihnen stammt dem Fleisch nach der Christus, der über alle ist, hochgelobter Gott in Ewigkeit. Amen!“. Auch LU 84 hat hier noch den herkömmlichen Wortlaut: „… aus denen Christus herkommt nach dem Fleisch, der da ist Gott über alles, gelobt in Ewigkeit.“

Das ist eine der Bibelstellen, in denen die Gottheit Jesu Christi klar bezeugt wird. Die Bearbeiter der Luther 2017 haben die Frechheit, diese Stelle im Stile der gefälschten Bibel der Zeugen Jehovas zu verdrehen. Sie geben Röm 9,5 so wieder: „… und aus denen Christus herkommt nach dem Fleisch. Gott, der da ist über allem, sei gelobt in Ewigkeit.“ (ähnlich verfährt Zürcher 2007 sowie die „Neue Welt-Übersetzung“ der Zeugen Jehovas). Eine weitere Frechheit ist es, wenn die korrekte Übersetzung von Luther in der Fußnote so dargestellt wird, als sei Luther gar nicht dem griechischen Original, sondern der lateinischen Übersetzung gefolgt.

** Im AT finden sich mindestens zwei Textänderungen, die beide eindeutig messianische Passagen aus dem Propheten Jesaja betreffen. In Jes 42,6 lauten die getreuen Übersetzungen: „Ich, der HERR, habe dich berufen in Gerechtigkeit und ergreife dich bei deiner Hand; und ich will dich behüten und dich zum Bund für das Volk setzen, zum Licht für die Heiden …“ (SCH 2000). Noch LU 84 hat dort: „und behüte dich“.

In LU 2017 wird nun dieses eindeutige Verb, das „bewachen, bewahren, behüten“ bedeutet, aufgrund einer Textänderung oder willkürlichen Umdeutung so übersetzt, daß der Messias als ein geschaffenes Wesen erscheint: „Ich habe dich geschaffen und bestimmt zum Bund …“. Damit nähren sie die liberaltheologische Lüge, Jesus Christus sei ein bloßer geschaffener Mensch gewesen. Selbst die „Neue Welt“-Übersetzung und die ultraliberale Zürcher 2007 übersetzen hier „behütet“.

** Den Text der berühmten messianischen Passage in Jes 7,14 ließen die Revisoren (wie auch schon ihre Vorgänger) unangetastet: „Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären“. Aber in LU 2017 hatten sie (im Gegensatz zu LU 64 und 84) die Frechheit, dazu eine Fußnote zu verfassen, die behauptet: Wörtlich: ‚junge Frau‘ (ZÜ 2007 geht noch weiter und bietet im Text: „Seht, die junge Frau ist schwanger“).

Das ist die berüchtigte liberaltheologische Verfälschung des hebräischen Wortes für Jungfrau, almah, die das Wunder der Jungfrauengeburt leugnen soll. In LU 2017 wird dies auch in der Sacherklärung zu „Jungfrau“ ausdrücklich bestritten: „Die Aussage von der jungfräulichen Empfängnis Jesu (Mt 1,23; Lk 1,27) will nicht als biologisches Wunder, sondern als theologische Aussage über seine göttliche Herkunft verstanden werden“. Das sind schlimme antichristliche Verführungslehren. Wer die Jungfrauengeburt und damit die Gottheit Jesu Christi leugnet und Ihn, den Schöpfer, zum bloßen Geschöpf machen will, vertritt eine Häresie und hat kein Anteil an dem Heil!

Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat das Zeugnis in sich selbst; wer Gott nicht glaubt, der hat ihn zum Lügner gemacht, weil er nicht an das Zeugnis geglaubt hat, das Gott von seinem Sohn abgelegt hat. Und darin besteht das Zeugnis, daß Gott uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. (1Joh 5,10-12)
 

Fälschungen aus der Küche der feministischen Theologie

Zusätzlich finden sich in der Luther 2017 auch einige markante Beispiele für feministische Verfälschungen der Bibel. Es war für die feministisch-theologischen „Fachfrauen“ in der Revision sicherlich eine bittere Enttäuschung, daß die angestrebte Nähe zum Luthertext ihnen kaum Möglichkeiten gelassen hat, eine „gendergerechte Sprache“ durchzusetzen.

Umso mehr teilten sie in den „Sach- und Worterklärungen“ aus, wo sie sich, die göttliche Inspiration der Bibel verleugnend, darüber beklagen: „Da die Bibel in einer patriarchalen, traditionellen Gesellschaft entstanden ist, war die Frau in einem starken Maße vom Mann abhängig und wurde v. a. durch ihre Mutterrolle bestimmt.“ (Stichwort „Frau“). An einigen Stellen hat die Häresie des Feminismus dennoch Eingang in den Bibeltext der Luther 2017 gefunden, wie wir unten belegen werden.

Ein auffälliges Zugeständnis an die heute überall geforderte „gendergerechte Sprache“ ist, das wird von Altbischof Kähler ausdrücklich so begründet, die Umformulierung der neutestamentlich durchgängigen Anrede „Brüder“ in die politisch korrekte Version „Brüder und Schwestern“. Das ist eine eigenwillige Umdeutung; im Griechischen steht adelphos eindeutig für „Bruder“ (vgl. z.B. Apg 15,22; 1Kor 7,29; 14,26.34; 1Thess 4,1-6; 1Tim 5,1). An bestimmten Stellen differenziert Gottes Wort ausdrücklich, wenn es auch Schwestern ansprechen will: „Der Bruder oder die Schwester (adelphè) ist in solchen Fällen nicht gebunden“ (1Kor 7,15; vgl. auch Jak 2,15; Mk 10,29-30).

Wir müssen es einfach so stehen lassen, daß die Briefe fast überall zunächst einmal „die Brüder“ ansprechen, wenn es um Lehre geht; die entsprechenden Aussagen gelten gewiß an fast allen Stellen auch für die Frauen, aber die Männer werden sicherlich nicht ohne Grund direkt angesprochen. Es mag auch damit zusammenhängen, daß die unmittelbaren Empfänger der Briefe die leitenden Brüder der Gemeinde waren, die die Briefe dann in den Gemeinden vorlasen (vgl. 1Thess 5,27; Kol 4,16). Die Brüder sollten ihrerseits die Frauen entsprechend lehren; aber die Ansprache erinnert sie sicherlich an ihre Verantwortung, in Ehe, Familie und Gemeinde zu führen und voranzugehen. Das ist natürlich heute nicht mehr opportun und wird von den bibelkritischen Revisoren eingeebnet. Mit „Treue zum Grundtext“ oder zu Luther als Übersetzer hat dies allerdings nichts zu tun.

Aber es gibt in der Luther 2017 auch einige handfeste Verfälschungen des Bibeltexts, die ebenfalls auf das Konto feministischer Ideologie gehen:

** Offenkundig war es den frauenbewegten Revisor/innen ein Dorn im Auge, daß Gottes Wort es in Jes 3,12 als ein Gericht des HERRN bezeichnet, wenn Frauen über das Volk, speziell über das Volk Gottes herrschen: „Mein Volk wird von Mutwilligen bedrückt, und Frauen beherrschen es. Mein Volk, deine Führer verführen [dich] und haben den Weg verwüstet, den du wandeln sollst.“ (SCH 2000). Wo kämen wir hin, wenn womöglich eine Pfarrerin oder Bischöfin dieses Bibelwort in der Kirche vorlesen müßte?! Kurzentschlossen fabrizierten die Revisoren eine massive Fälschung, von der unklar bleibt, ob eine Falschübersetzung oder eine willkürliche Grundtextänderung zugrundeliegt. In LU 2017 lesen wir: „Mein Volk – seine Gebieter üben Willkür, und Wucherer beherrschen es.“

** In Röm 16,7 wird aus Junias, dem männlichen Verwandten des Paulus eine „Junia“ gemacht. Der überlieferte Text liest: „Grüßt Andronicus und Junias, meine Verwandten und Mitgefangenen, die unter den Aposteln angesehen und vor mir in Christus gewesen sind“ (SCH 2000). LU 2017 macht daraus: „Grüßt den Andronikus und die Junia, meine Stammverwandten und Mitgefangenen, die berühmt sind unter den Aposteln …“

Peinlich für diese Umdeutung ist nur, daß die Begriffe „Verwandten“ und „Mitgefangenen“ maskulin sind und es äußerst seltsam wäre, wenn eine Frau mit Paulus zusammen im Gefängnis gehalten worden wäre. Und daß eine Frau „Apostelin“ sein sollte und sogar noch „berühmt unter den Aposteln“ ist eine Phantasie der feministischen Theologie, die hier in den Bibeltext geschmuggelt wurde. LU 56 und 84 bezeugen noch den männlichen Junias, wie praktisch alle seriösen Übersetzungen. Das Standardlexikon Bauer merkt an: „Die lexikal. Möglichkeit, daß es sich um den Frauennamen Iounia handle (…) ist durch den Zusammenhang wohl ausgeschlossen.“

** Ähnliches passiert mit ihrer Mitschwester Phöbe, die durch eine tendenziöse „Übersetzung“ in Leitungsfunktionen gehievt wurde. Getreue Übersetzungen haben in Röm 16,1: „Ich empfehle euch aber unsere Schwester Phöbe, die eine Dienerin (diakonos = Diakonin) der Gemeinde in Kenchreä ist …“ (SCH 2000).
Daraus macht Luther 2017: „… die den Dienst an der Gemeinde von Kenchreä versieht“ und suggeriert so eine Leitungsaufgabe (in den Sacherklärungen wird unter „Gemeindeleitung“ genau diese Stelle als Beleg für Leitungsdienste von Frauen angeführt), wohingegen das Urtextwort klar eine Diakonin ohne Leitungsverantwortung bezeichnet. „Texttreue“ oder feministische Correctness?
 
 

Die Liberaltheologie tobt sich aus:
Glaubenszersetzende „Sach- und Worterklärungen“

 
Ein Kapitel für sich sind die gegenüber der Ausgabe 1984 deutlich erweiterten und teilweise umgeschriebenen „Sach- und Worterklärungen“. Waren diese Verständnishilfen noch in der Ausgabe 1956/64 recht knapp und am biblischen Sachverhalt orientiert, wurden bereits bei der Revision 1984 einige liberaltheologische Kommentare und Umdeutungen hineingebracht. Aber in der Revision 2017 sind diese sogenannten „Sach- und Worterklärungen“ in vielen neu hinzugefügten oder umgearbeiteten Stichwörtern zu einem Glaubensbekenntnis der bibelkritischen, feministisch und humanistisch gefärbten Liberaltheologie geworden.

Sie sind in dieser Form völlig unakzeptabel für den gläubigen Bibelleser. Insbesondere wenn diese Ausgabe Kindern und Jugendlichen gegeben wird, können diese ernstlichen Schaden an ihrem Glauben erleiden durch die bibelkritischen Auslassungen, die Gottes Wort in Zweifel ziehen und stattdessen die dem Glauben feindlichen Vernunftschlüsse der modernen Theologie verkünden. Einige Beispiele seien angeführt, man könnte noch zahlreiche weitere nennen:

** Beim Stichwort „Adam“ wird der Eindruck erweckt, der erste Mensch sei ein bloßer Mythos, weil die Liberaltheologie die Geschichtlichkeit des Schöpfungsberichts ablehnt.

** Beim Stichwort „Frau“ behaupten die feministisch geprägten Theologen, „daß die Unterordnung der Frau unter den Mann nicht dem ursprünglichen Schöpfungswillen Gottes entspricht“ (vgl. dagegen 1Kor 11,3-10; 1Tim 2,11-13). Sie fabulieren: „In nicht wenigen Strömungen der Urgemeinde konnten Frauen in führenden Positionen tätig sein (Röm 16,1-2); ihre spätere Zurückdrängung (vgl. 1Tim 2,8-15) folgte antiken konservativen Positionen.“ Hier wird dreist die Inspiration und paulinische Verfasserschaft des 1. Timotheusbriefes geleugnet und die biblische Lehre in bezug auf die Frau bewußt feministisch umgedeutet!

** Beim Stichwort „Geist“ wird die Person des Heiligen Geistes verleugnet; ihre Definition von Geist kommt aus dem New Age: „Gemeint ist damit das Lebensprinzip, das der Erschaffung der Welt zugrunde liegt“. Später lehren sie die Irrlehre der Taufwiedergeburt: „Mit der Taufe (Erwachsenentaufe) wird der Geist allen Glaubenden verliehen“.
** Ganz ähnlich wird die Wahrheit beim Stichwort „Name (des Herrn)“ verdreht: „Als man zunehmend die universelle Macht dieses Gottes erkannte, wurde er mit der kanaanitischen Gottheit ‚El‘ identifiziert“. Auch hinter solchen Formulierungen stehen die schlimmen Theorien der Bibelkritik, nach denen sich der Glaube Israel nicht aus der Schrift, sondern evolutionär aus den Religionen ihrer Nachbarvölker entwickelt habe.

** Immer wieder werden Aussagen des inspirierten Gotteswortes als fehlerhafte Annahme menschlicher Schreiber gedeutet. So heißt es zum Stichwort „Himmel“: „Im Epheserbrief (Eph 3,10; 6,12) gilt der Himmel als von dämonischen, gottfeindlichen Mächten beherrscht. Die für den Verfasser wohl real gedachte Vorstellung (!!) enthält die Metaphorik, daß diese gefährlichen Mächte den Menschen von Gott trennen wollen.“ Hier wird sowohl die göttliche Inspiration und Wahrhaftigkeit des Epheserbriefes bestritten als auch die Verfasserschaft des Apostels Paulus.

** Der Schwindel vom „Deuterojesaja“ und anderen späteren Autoren, die angeblich den zweiten Teil des Propheten Jesaja geschrieben hätten, wird unter dem ausführlichen Stichwort „Prophet“ aufgetischt: „Weil die Prophetenworte als Gottesworte galten (!!), behielt die prophetische Botschaft in Israel ihren großen Wert … So läßt es sich erklären, daß Worte des Propheten Jesaja von Späteren, die sich der Botschaft dieses Propheten verpflichtet fühlten, weitergeschrieben wurden (so z.B. in Jes 40-66).“

** Im Stichwort „Sodom und Gomorra“ wird eiskalt von diesen beiden berühmten Städten behauptet: „Vielleicht am Südostufer des Toten Meeres gelegen, sind sie wahrscheinlich schon in der Mittleren Bronzezeit durch eine Naturkatastrophe untergegangen.“ Damit wird der Bericht der Bibel als unwahr hingestellt, ebenso die vielen Bezüge darauf, u.a. durch den Herrn Jesus (Lk 17,29) und den Apostel Petrus (2Pt 2,6).

** Beim Stichwort „Sühne, Sühnopfer“ entfalten sich die Bibelkritiker besonders dreist. Sie verleugnen das stellvertretende Sühnopfer des Herrn Jesus, wenn sie in bezug auf seinen Kreuzestod behaupten: „das Motiv der Stellvertretung steht hingegen nach neuerer Forschung (!!) nicht im Zentrum des Interesses“. Damit wird der Kernpunkt des biblischen Evangeliums von Christus verfälscht (vgl. Gal 1,6-9).

Daß die Worterklärungen nicht immer ganz einfachen philologischen Sachverstand aufweisen, zeigt die Erklärung des Namens Jesus: „Der Name ‚Jesus‘ bedeutet ‚Gott rettet`…“ In Wirklichkeit bedeutet das hebräische Jeschuah oder Jehoshuah aber: „Der HERR (JHWH) ist Rettung“ Soviel Genauigkeit sollte bei all dem „wissenschaftlichen Anspruch“ doch drin sein?!

Insgesamt sind diese Worterklärungen ein ernsthafter Grund, diese Bibelausgabe nicht weiterzugeben, schon gar nicht an Kinder und Jugendliche, die bei ihren Fragen zum Bibeltext ganz ahnungslos bei diesen bibelkritisch gefärbten Pseudoinformationen Hilfe suchen
 
 

Fazit: für gläubige Bibelleser nicht empfehlenswert

 
Alle die hier erwähnten Beispiele sind das Ergebnis einer ersten, raschen Durchsicht. Normalerweise muß man davon ausgehen, daß sich bei gründlicher Prüfung noch einige weitere solche Verfälschungen finden. Insgesamt muß man leider sagen, daß die bibelkritische Ideologie, der die Evangelische Kirche in Deutschland als Ganzes und das Bearbeiterteam im besonderen folgt, schlimme und anstößige Spuren in der Lutherbibel 2017 hinterlassen hat. Ganz zu schweigen davon, daß die Veröffentlichung der nicht inspirierten und von Irrtümern geprägten Apokryphen in vielen Ausgaben ebenfalls bedenklich ist; diese Spätschriften, die nicht zur eigentlichen Bibel zählen, werden von der katholischen Kirche zur Begründung vieler Irrtümer herangezogen und sollten eigentlich in keiner evangelischen Bibel stehen.

Es erweist sich einmal mehr, daß jeder gläubige Christ gut daran tut, sich an bewährte Bibelübersetzungen zu halten, die von gläubigen Übersetzern und Bearbeitern stammen und nach geistlichen, der Bibel selbst angemessenen Gesichtspunkten übersetzt worden sind. Das ist gerade im Hinblick auf die junge Generation wichtig, die wir vor den bibelkritisch geprägten Übersetzungen wie Luther 2017, Zürcher 2007 oder Ökumenische Einheitsübersetzung ebenso verschonen sollten wie vor den modernen Übertragungen à la „Gute Nachricht“, „Hoffnung für alle“, „Neues Leben“, „NGÜ“, „NEÜ“ und wie sie alle heißen.

Meine persönliche Empfehlung als gute Alternative wäre die Schlachterbibel 2000, die nach bibeltreuen Grundsätzen überabreitet wurde, die wortgetreu und zugleich gut verständlich ist. Wer „Luther original“ liebt, der wird sich weiter an die Ausgabe von 1912 halten. Alle Leser, die sich tiefer mit den geistlichen Maßstäben für Bibelübersetzungen beschäftigen wollen, möchte ich auf mein Buch Gottes Wort oder Menschenwort? Moderne Bibelübersetzungen unter der Lupe verweisen (s.u.).

Was die Lutherbibel 2017 betrifft, so zeigt sich an dem willkürlichen, von mangelnder Ehrfurcht vor Gottes Wort geprägten Umgang mit dem Bibel des Reformators auch eine allgemeine Haltung: ebenso geht ja die vom biblischen Glauben weit abgedriftete Evangelische Kirche in Deutschland mit dem geistlichen Erbe der Reformation im allgemeinen um. Luther wird in Reden beweihräuchert, aber sein eigentliches Anliegen wurde längst verraten und begraben. Man feiert „500 Jahre Reformation“, aber man ist eifrig dabei, die letzten Spuren des positiven geistlichen Erbes des Reformators zu beseitigen und die Protestanten zurück zur Vereinigung mit Rom zu führen.

Die ernsthaften Gläubigen sollten sich dorthin orientieren, wo Gottes Wort noch geehrt und ausgelebt wird, wo noch echte, unvergiftete geistliche Nahrung zu finden ist.
 
Das Gesetz des HERRN ist vollkommen, es erquickt die Seele; das Zeugnis des HERRN ist zuverlässig, es macht den Unverständigen weise. Die Befehle des HERRN sind richtig, sie erfreuen das Herz; das Gebot des HERRN ist lauter, es erleuchtet die Augen. Die Furcht des HERRN ist rein, sie bleibt in Ewigkeit; die Bestimmungen des HERRN sind Wahrheit, sie sind allesamt gerecht. Sie sind begehrenswerter als Gold und viel Feingold, süßer als Honig und Honigseim. Auch dein Knecht wird durch sie belehrt, und wer sie befolgt, empfängt reichen Lohn. (Ps 19,8-12)

Es ist Zeit für den HERRN, zu handeln; sie haben dein Gesetz gebrochen! Darum liebe ich deine Gebote mehr als Gold und feines Gold; darum halte ich alle deine Befehle in allem für recht und hasse jeden Pfad der Lüge. Wunderbar sind deine Zeugnisse; darum bewahrt sie meine Seele. Die Eröffnung deiner Worte erleuchtet und gibt den Unverständigen Einsicht. Ich tue meinen Mund weit auf und lechze, denn mich verlangt nach deinen Geboten. (Ps 119,126-131)
 
 
 
Quellen und Literaturhinweise
 
 
Bauer, Walter: Wörterbuch zum Neuen Testament. 6., völlig neu bearbeitete Auflage von Kurt und Barbara Aland. Berlin, New York: Walter de Gruyter 1988

Ebertshäuser, Rudolf: Der zuverlässige Text des Neuen Testaments. Der Textus Receptus und die Veränderungen in den modernen Bibeln. Leonberg (ESRA-Schriftendienst) 5. Aufl. 2010

Ebertshäuser, Rudolf: 300 wichtige Veränderungen im Text des NT. Ein Vergleich zwischen Textus-Receptus-Bibeln und textkritischen Bibeln. Leonberg (ESRA-Schriftendienst) 5. Aufl. 2014

Ebertshäuser, Rudolf: Gottes Wort oder Menschenwort? Moderne Bibelübersetzungen unter der Lupe. Steffisburg: Edition Nehemia 3. Aufl. 2016

Lutherbibel 2017 - Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung ist das Original, der Klassiker und das Kulturgut unserer Zeit! Quelle: https://www.die-bibel.de/ueber-uns/unsere-uebersetzungen/luther-bibel-2017/

Menge, Herrmann: Langenscheidts Großwörterbuch Griechisch-Deutsch. Berlin u.a.: Langenscheidt 27. Aufl. 1991

»… und hätte der Liebe nicht«. Die Revision und Neugestaltung der Lutherbibel zum Jubiläumsjahr 2017: 500 Jahre Reformation. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft 2016. Quelle:  https://www.die-bibel.de/fileadmin/user_upload/livebook/Lutherbibel_2017_Broschuere/index.html#
 
 
Hier können Sie die ausführlichere Fassung dieser Beurteilung der Luther 2017 herunterladen:
 
Lutherbibel 2017: Was bietet die Neufassung dem gläubigen Bibelleser? Ein erster Leseeindruck von Rudolf Ebertshäuser
 

www.das-wort-der-wahrheit.de   1. 12. 2016    Rudolf Ebertshäuser


 


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