Die europäische Flüchtlingskrise als Herausforderung für bibeltreue Gläubige

27.11.2015 | 10:59  Uhr

 
Die gegenwärtige massenhafte Zuwanderung von Flüchtlingen aus dem Nahen Osten und anderen Regionen nach Europa und besonders nach Deutschland beschäftigt auch die gläubigen Christen, und sie sollte uns auch beschäftigen. Als Kinder Gottes sind wir Fremdlinge in dieser Welt (1Pt 2,11) und haben unsere Heimat, unser Bürgerrecht im Himmel (Phil 3,20). Aber wir leben in Europa, in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, und wir sollten in biblischer Weise Anteil nehmen am Ergehen des Gemeinwesens, in dem wir leben. Für uns gilt im übertragenen Sinn auch das Wort des Propheten Jeremia an die weggeführten Judäer:
 

Und sucht den Frieden der Stadt, in die ich euch weggeführt habe, und betet für sie zum HERRN; denn in ihrem Frieden werdet auch ihr Frieden haben! (Jer 29,7)

Wie sollen wir als Christen uns zu den Herausforderungen verhalten, die dieser Flüchtlingsstrom für die Länder, in denen wir leben, sowie für uns persönlich beinhaltet? Wie sollen wir die Situation geistlich einordnen, und welche Schlußfolgerungen ergeben sich für unser Verhalten als Christen? Diese Fragen werden gegenwärtig unter den Gläubigen immer wieder besprochen, und es ist verständlich, daß es dabei recht unterschiedliche Anschauungen und Standpunkte gibt.

Hier müssen wir auch achtgeben, daß es über solche politischen Fragen unter Kindern Gottes nicht zu ungeistlichem Streit und zu Zerwürfnissen kommt. In solchen zeitlichen Dingen mögen manche Gläubige die eine Seite der Sache besonders im Blick haben, manche dagegen andere Aspekte für wichtig halten. Manche weltlich-politischen Entwicklungen sind nicht leicht mit biblischen Maßstäben zu beurteilen, und hier sollten wir in einem gewissen Rahmen dem Bruder oder der Schwester unterschiedliche Sichtweisen zugestehen. Ich möchte unter diesem Vorbehalt im folgenden Artikel versuchen, von der Bibel her einige geistliche Gesichtspunkte zusammenzutragen, die vielleicht eine Orientierungshilfe sein können.
 
 

1. Ein nüchterner Blick auf die Fakten

 
Es ist für uns Kinder Gottes wichtig, zuerst einmal eine unverstellte, nüchterne und differenzierte Sicht für die Tatsachen zu bekommen. Das ist nicht einfach in einer Zeit, in der verschiedene politische Akteure die Bevölkerung für ihre Darstellung der der Dinge zu gewinnen suchen und dabei andere Gesichtspunkte ausblenden. Es wird dadurch erschwert, daß ohne Zweifel die Situation der Flüchtlinge, die zu uns kommen, ebenso vielschichtig ist wie auch die Motive, die sie dazu bewegen, nach Deutschland zu reisen.

* Zunächst ist ein wichtiger Beweggrund, weshalb diese Menschen zu uns kommen, ganz sicherlich die Not, Existenzunsicherheit und Aussichtslosigkeit, welche die Bewohner der Krisen- und Kriegsgebiete im Nahen Osten und in Afrika plagt. Besonders der islamistische Terror und innerislamische Konflikte (Sunniten – Schiiten) haben viele Menschen im Irak und in Syrien heimatlos gemacht, die in riesigen Flüchtlingslagern in Jordanien, Libanon oder der Türkei unter schwierigsten Bedingungen eine mühsame und ziemlich aussichtslose Existenz fristen müssen – ohne Aussicht auf Arbeit und mit knappen Nahrungsmittelrationen, ohne ausreichende Gesundheitsversorgung und Bildungsmöglichkeiten.

* Auf der anderen Seite muß man auch feststellen, daß die große Mehrheit der Einwandernden keine Flüchtlinge im engen Sinne der Flüchtlingskonvention sind, weil sie nicht vor unmittelbarer Lebensgefahr fliehen, sondern aus einem sicheren Drittland (Türkei, Jordanien, Libanon) nach Europa einreisen, in dem sie bereits eine sichere, wenn auch notdürftige Bleibe gefunden hatten. Diese Menschen fliehen also zumeist nicht unmittelbar vor dem Terror der IS oder anderer Konfliktparteien, sondern sie möchten nach Deutschland und Europa kommen, weil sie sich mit einem gewissen Recht dort bessere Chancen für sich und ihre Kinder erhoffen als in den Ländern, in denen sie ursprünglich Zuflucht gefunden hatten.

* In einem gewissen Sinn ist das, was wir jetzt erleben, also eine gewaltige Einwanderungswelle von Menschen, die hier zumindest mittelfristig bleiben möchten – ob im Irak oder in Syrien je wieder einigermaßen geordnete Verhältnisse herrschen werden, ist sehr unsicher und fraglich. Viele Flüchtlinge oder Einwanderer sind von ihren Familien vorausgeschickt worden in der Hoffnung, daß später die ganze Familie nachkommen kann – das gilt besonders von den vielen alleinstehenden jungen Männern, aber auch von Tausenden von unbegleiteten Minderjährigen unter den Flüchtlingen. Hochrechnungen sprechen davon, daß die knapp eine Million Flüchtlinge, wenn Familienangehörige nachkommen, zu insgesamt ca. 4 Millionen anwachsen könnten. Darüberhinaus gibt es in Afrika und dem Nahen Osten noch mehrere Millionen weiterer Menschen, die ebenfalls in Kriegsnöten und Existenzproblemen leben und an Einwanderung denken könnten.

* Was für viele nachdenkliche Menschen beunruhigend ist, ist die Tatsache, daß es sich hier vom juristischen und staatlichen Gesichtspunkt aus um eine unkontrollierte und kaum kontrollierbare illegale Einwanderung handelt, die das rechtsstaatliche System der europäischen Länder mißachtet und außer Kraft setzt. Hunderttausende von Menschen sind in den letzten Monaten illegal nach Europa eingedrungen, haben sich über die Staatsgrenzen und Grenzkontrollen der Außengrenzen hinweggesetzt. Viele bewegen sich heute noch unregistriert im weitgehend freizügigen innereuropäischen Raum, und man muß befürchten, daß sich möglicherweise unter diesen illegalen Einwanderern auch einige Terroristen und Kriminelle befinden. Die relative Ruhe und Ordnung in unseren Ländern beruht aber auf einem funktionierenden Staatswesen, das die Kontrolle darüber hat, wer im Land lebt.

* Schließlich muß man ebenfalls nüchtern festhalten, daß die große Mehrheit der einreisenden Flüchtlinge Muslime sind und aus einer Kultur kommen, die dem bei uns herrschenden abendländischen Rechts- und Staatsverständnis völlig verständnislos und in gewisser Weise auch feindselig gegenübersteht. Gewiß dürfen wir hoffen, daß viele der Einwandernden keine radikalen Muslime sind und vielleicht durch ihre leidvollen Erfahrungen mit dem militanten Islam nüchterner geworden sind. Dennoch dürfen wir die Augen nicht davor verschließen, daß grundlegende Lehren des Islam von den Muslimen fordern, für die weltweite Herrschaft des Islam und eine Staatsordnung unter der Scharia, dem islamischen Recht, zu kämpfen. Der Islam fordert die gewaltsame Unterwerfung aller „Ungläubigen“, vor allem auch aller Christen und Juden, und vermittelt zumindest indirekt die Verachtung aller Werte, die im christlichen Abendland zu einer stabilen Rechtsordnung mit bürgerlichen Freiheiten geführt haben.

* Zusätzlicher Sprengstoff entsteht durch die Traumatisierung vieler Flüchtlinge, die teilweise jahrelang schlimme Gewalttaten mit ansehen und erleiden mußten, wobei manche wahrscheinlich auch selbst an Gewalt beteiligt waren. Sie kommen aus Ländern, in denen sie einerseits von den strengen islamischen Sitten geprägt wurden, andererseits aber auch von Haß und Grausamkeit, von Verachtung Andersdenkender und gewaltsamer Selbsthilfe. Manche mögen all das verabscheuen und sich nach Frieden und gutem Umgang mit den Mitmenschen sehnen. Aber viele, gerade jüngere Menschen haben eine chaotische, gewaltgefärbte, gefährliche „Sozialisation“ durchlaufen. Es entspringt weltlich-humanistischem Wunschdenken, wenn diese Menschen allesamt nur als arme, unschuldige und gutwillige Opfer gesehen werden. Die Sorge ist nicht unberechtigt, daß solche Menschen, wenn ihre Integration nicht gelingt, etwas von den notvollen Zuständen ihrer Heimat zu uns exportieren könnten – was die Zustände in vielen französischen Migrantenvierten unterstreichen.

* Wenn solche Menschen jetzt in die völlig andere europäische Zivilisation versetzt werden, dann entsteht aus diesem gewaltigen Spannungsfeld nicht automatisch eine positive Annäherung an christlich-abendländische Werte. Gerade die auch von gläubigen Christen bedauerte Schamlosigkeit und Sittenlosigkeit des öffentlichen Lebens im nachchristlichen Europa kann zu gewaltigen Spannungen und Gewaltausbrüchen bei muslimischen Einwanderern führen. In den Augen vieler Muslime ist der Westen wegen seiner Zuchtlosigkeit sittenlos und dekadent und wert, unterzugehen. Es ist zu befürchten, daß viele Muslime den „Kulturschock“ nach ihrer Einwanderung nicht positiv verarbeiten, sondern mit einer Radikalisierung reagieren, wie sie andere muslimische Einwanderer in Europa schon durchlaufen haben – Frankreich erntet zur Zeit die Früchte solcher Entwicklungen.

* Dazu kommt, daß zwar Deutschland ohne jeden Zweifel insgesamt und im globalen Vergleich gesehen ein „reiches Land“ ist, daß aber in diesem Land die sozialen Verhältnisse recht unterschiedlich gestaltet sind. Neben einer sehr reichen Oberschicht und einer recht wohlhabenden Mittelschicht haben wir in unserem Land auch eine relativ große Unterschicht - Millionen Menschen, die nur eine schlecht bezahlte, unsichere Beschäftigung haben oder gar keine, die am Rande der Sozialhilfegrenze existieren oder Hartz-IV-Empfänger sind und in schwierigen Wohnverhältnissen leben. Es ist klar, daß die Ankunft von vielleicht insgesamt mehreren Millionen Flüchtlingen zuallererst diese Unterschicht betrifft und nicht die Beamten und gehobenen Angestellten in ihren Eigenheimen. Zu diesen Betroffenen gehören übrigens auch zahlreiche bereits länger hier lebende Flüchtlinge und ausländische Mitbürger. Aus dieser Unterschicht scheinen auch die meisten gewaltsamen und fremdenfeindlichen Reaktionen gegen die neuen Flüchtlinge zu kommen, die wir als gläubige Christen nur mit Sorge und entschiedener Ablehnung sehen können.

All diese Faktoren machen eine längerfristige erfolgreiche Eingliederung großer Flüchtlingsströme zu einem schwierigen, mit Gefahren befrachteten Unternehmen. Die Sorge mancher Menschen bei uns ist nicht völlig unbegründet, daß durch diese Einwanderung etwas von der dunklen Zusammenballung von Haß, Gewalt, Chaos und Unfrieden, die den Nahen Osten und Nordafrika plagen und beinahe zerstört haben, auch bei uns verstärkt aufflammen könnte und gerade jene friedliche Ordnung, wegen derer viele Flüchtlinge zu uns kommen, unter Umständen schwer belastet und gefährdet wird.

Solche Überlegungen und Bedenken haben nichts mit „Fremdenhaß“ oder „Ausländerfeindlichkeit“ zu tun, wie er leider bei vielen Anhängern rechtsradikaler Politik nun aufflammt; als gläubige Christen hassen wir keine Fremden und begegnen ausländischen Gästen und Mitbürgern mit Achtung und Liebe. Dennoch sollte die Sorge um das Gemeinwesen, in dem wir leben, uns dazu führen, auch die Gefahren der gegenwärtigen Entwicklungen nüchtern zu bedenken, nicht zuletzt, damit wir entsprechend für unsere Obrigkeit beten können.
 
 

2. Mögliche geistliche Hintergründe der Flüchtlingswelle

 
Wie können wir die Vorgänge in Europa geistlich einordnen? Ich möchte versuchen, hier einige Gesichtspunkte anzuführen, auch wenn uns bewußt sein muß, daß alle solche geistliche Bewertung fehlbar und schwierig ist und mit aller Vorsicht geschehen muß.

Man kann sagen, daß Gott Deutschland und Europa nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges eine ungewöhnlich lange Zeit der Ruhe, der Ordnung und des Wohlstandes gegeben hat. Zumindest in Deutschland war das auch die Folge einer gewissen Demütigung der Verantwortlichen vor Gott, einer gewissen Umkehr vom Wahn des Nationalsozialismus. Nach dem Zusammenbruch des Hitler-Regimes waren einige Zeit die Kirchen voll; viele fragten nach Gott, einige bekehrten sich. Der Satz „In der Verantwortung vor Gott“ in unserer Verfassung entspringt wohl doch einer gewissen aufrichtigen Einsicht der damaligen Verantwortungsträger, auch wenn sie sicherlich nicht wahrhaft bekehrt und gläubig waren. Damals meinten die Väter des Grundgesetzes den Gott der Bibel, auch wenn das heute umgedeutet wird.

Unser Gott, der Gott der Bibel, der über allem regiert und die Geschicke der Völker lenkt, hat diese Demütigung und Umkehr in Deutschland sehr wohl wahrgenommen. Er hat diesem Land und Volk Frieden und gute Ordnung, Wohlstand und Gedeihen in vielen Bereichen gewährt, bis hin zur Wiedervereinigung von Ost und West. Aber beginnend mit der antichristlichen, von Satan inszenierten Kulturrevolution der 68er Jahre wirkte in Deutschland wie im übrigen „christlichen Abendland“ ein verhängnisvolle Geisteswelle der Gesetzlosigkeit und des Antichristentums. Sie wurde getragen vom Neomarxismus der linken Studenten, von antichristlichem Humanismus, Feminismus, von New-Age-Denken über eine „neue Weltordnung“ und vielen anderen Faktoren.

Dieser antichristliche, gesetzlose Geist äußerte sich auch in der zunehmenden Ablehnung des christlichen Glaubens und des Gottes der Bibel. Er setzte sich politisch um in der Preisgabe vieler moralischer Gesetze und Normen, die auf der Bibel beruhten. So wurden im Zuge der Liberalisierung des Rechts Ehebruch und Unzucht, Abtreibung, Pornographie, Homosexualität und Gotteslästerung straffrei gemacht; grundlegende Gebote und Ordnungen Gottes wurden relativiert und dann umgestürzt; die Obrigkeit ließ unter dem neomarxistischen Einfluß immer mehr Böses einfach gewähren.

Eine neue Phase dieser antichristlichen und gesetzlosen Entwicklungen ist die offene Legitimierung der Homosexualität und eheähnlicher homosexueller Verbindungen durch die staatliche Obrigkeit, bis hin zur Proklamation einer „Homo-Ehe“. Damit haben die europäischen Staaten die grundlegendste und wichtigste Schöpfungsordnung Gottes angetastet, die eigentlich allein den Bestand jeder Gemeinschaft gewährlistet, nämlich Ehe und Familie. Das geschah nicht ohne inneren Zusammenhang mit der Weigerung der EU, in ihrer 2004 verabschiedeten Verfassung den Bezug auf Gott mit aufzunehmen. Immer offener wenden die Länder des einstmals christlich-biblisch geprägten Abendlandes sich ab von dem allein wahren Gott, dem sie so viel Segen und Gutes verdanken.

Eine solche undankbare Abkehr von dem allmächtigen Gott, eine solche dreiste Auflehnung gegen Gottes Ordnungen zieht aber unweigerlich das Gericht Gottes nach sich.
 
Warum toben die Heiden und ersinnen die Völker Nichtiges? Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Fürsten verabreden sich gegen den HERRN und gegen seinen Gesalbten: »Laßt uns ihre Bande zerreißen und ihre Fesseln von uns werfen!« Der im Himmel thront, lacht; der Herr spottet über sie. Dann wird er zu ihnen reden in seinem Zorn und sie schrecken mit seinem Grimm: »Ich habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg!« (Ps 2,1-6)

Die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009, die Zunahme des Terrorismus, die Ukrainekrise, die Griechenlandkrise und jetzt die Flüchtlingskrise, verbunden mit islamistischen Anschlägen in Europa – all das scheint mir ein Symptom dafür zu sein, daß Gott Seine schützende und segnende Hand von Europa und auch speziell von Deutschland abzieht. Deutschland und Europa, so fürchte ich, werden zunehmend Chaos und Gewalt, wirtschaftliche Krisen und Niedergang des Wohlstandes erleben, aber auch eine Erosion des kostbaren politisch-militärischen Friedens zwischen den Nationen in unserer Region. Hier hat die Ukrainekrise ein ernstes Fanal gesetzt, indem erstmals seit Jahrzehnten wieder kriegerische Konflikte unter Beteiligung einer Großmacht in Europa aufflackerten.

Wir müssen ganz nüchtern damit rechnen, daß wir zukünftig mit vermehrter Gesetzlosigkeit und Christenfeindschaft, ja Christenverfolgung leben müssen, daß allgemein die Unsicherheit und Bedrohung durch den Islamismus und andere Faktoren steigen wird, daß Gott die Obrigkeit unter Umständen in falsche und verhängnisvolle Entscheidungen und einen gewissen Kontrollverlust dahingeben wird; darin verwirklicht sich vielleicht ansetzweise schon das Gericht, das der Herr Jesus für die Zeit Seiner Wiederkunft beschreibt: „auf Erden Angst der Heidenvölker vor Ratlosigkeit bei dem Tosen des Meeres und der Wogen“ (Lk 21,25).

Wir sollten uns daran erinnern, daß Gott die Anhänger des Islam schon früher als Geißel des Gerichts über eine laue, von Ihm abgefallene Christenheit benutzte, so bei der Verwüstung der einstmals christlichen Regionen Nordafrikas und des Nahen Ostens und auch in der Bedrohung Europas im Mittelalter. Es mag sein, daß sich das Einströmen von Hunderttausenden und vielleicht noch Millionen Muslimen nach Europa in mancher Hinsicht ebenfalls als ein solches Gericht erweist.

Auf der anderen Seite sollten wir als Christen in der Einreise von Hunderttausenden von muslimischen Menschen auch eine von Gott geschenkte Chance sehen. Wir dürfen darum beten, daß diese Menschen hier, unter den Bedingungen einer noch relativ intakten Meinungs- und Religionsfreiheit, die Möglichkeit haben, das Evangelium von Jesus Christus kennenzulernen und damit den lebendigen Sohn Gottes, der auch ihnen ewige Errettung, Trost und Halt schenken möchte. Und das muß für uns der hauptsächliche, entscheidende Gesichtspunkt sein. Wir sind nicht berufen, politische Initiativen zu entwerfen oder politische Bewegungen zu unterstützen. Wir sind berufen, gerade in diesen unruhigen Zeiten allen Menschen – Deutschen und Migranten, Grünen-Anhängern und Pegida-Anhängern, Besorgten und Optimistischen, die wunderbare Botschaft von der ewigen Errettung durch Jesus Christus zu bezeugen. Jesus Christus allein kann wahren Frieden geben – das sollte unser Zeugnis in dieser Zeit sein.
 
 

3. Wie wir Christen uns zu den gegenwärtigen Herausforderungen verhalten sollten

 
Was ist unsere Antwort als gläubige Christen in dieser Situation? Auch hier werden wahrscheinlich Kinder Gottes zu unterschiedlichen Antworten kommen. Aber vom Wort Gottes her können wir einige Punkte ableiten und für uns anwenden, die in der jetzigen unübersichtlichen Situation hilfreich sind:

 
1. Wir sollten für die Obrigkeit und unser Land beten, anstatt in politischen Aktivismus zu verfallen

Wir sollten uns zuallererst bewußt machen, daß wir selbst in gewisser Weise Gäste und Fremdlinge in dieser Welt und auch in unserem Land sind. Wir sind in Christus, sind Himmelsbürger und ein heiliges Volk von Priestern Gottes auf dieser Erde. Unser Auftrag ist es nicht, uns in irgendeinem Lager politisch zu betätigen, um die „Welt besser zu machen“; wir sind zum Gebet für alle Menschen und besonders für die Obrigkeit aufgerufen:
 
So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksagungen darbringe für alle Menschen, für Könige und alle, die in hoher Stellung sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Gottesfurcht und Ehrbarkeit; denn dies ist gut und angenehm vor Gott, unserem Retter, welcher will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst als Lösegeld für alle gegeben hat. (1Tim 2,1-6)

Gläubige Christen sollten sich davor hüten, auf den Irrtum des diesseitigen politisch-sozialen Aktivismus hereinzufallen. Sie sollten sich auch in der Flüchtlingsfrage weder in linkshumanistischen politischen Initiativen einfangen lassen, noch von der konservativen Pegida-Bewegung. Deren Befürchtungen und Anliegen werden sicherlich in vielem von konservativen Christen verstanden und in manchem geteilt; dennoch ist der Kampf um politische Anliegen auf der Straße sowie die dazugehörige Rhetorik wie alles politische Geschäft ein gefährliches Gift für Kinder Gottes.

Wir können die Welt nicht durch unsere Aktionen besser machen. Wir können und dürfen uns nicht mit Ungläubigen eins machen (2Kor 6,14) in Bewegungen, die unter Umständen rasch in eine gefährliche Radikalisierung abdriften. Unser Auftrag ist es, auf Jesus Christus als den einzigen Retter von Sünde und Gericht hinzuweisen und zu bezeugen, daß allein durch Ihn, wenn Er Sein Reich aufrichtet, einmal Friede und Gerechtigkeit auf Erden verwirklicht werden. Das schafft der sündige Mensch nie!

Eine wichtige Konsequenz aus den sich zuspitzenden politischen Krisen heute ist es, daß wir gläubige Kinder Gottes viel bewußter unseren Auftrag und unser Vorrecht der Fürbitte wahrnehmen sollten. In dem oben angeführten Bibelwort aus 1. Timotheus 2 heißt es, daß wir vor allen Dingen Fürbitten und Gebete für allem Menschen und besonders auch für alle, die in hoher Stellung sind, vor unserem Gott darbringen sollen. Mit dieser Fürbitte erreichen und verändern wir mehr in der Welt als mit irgendwelchen Aktionen!

Unser Gebet für alle Menschen und für alle Autoritätspersonen (das schließt neben Politikern und Beamten gewiß auch Verantwortliche in Wirtschaft, Kultur, Justiz, Polizei, Militär usw. ein) geschieht in dem festen Glauben, daß unser Gott, der Gott der Bibel, der wahre, lebendige Gott über den ganzen Kosmos ist. Unser Gott ist der Allerhöchste, der ewige und Allmächtige. Er bestimmt letztlich die Abläufe der Weltgeschichte ebenso wie der Natur.

 
Aber nach Verlauf der Zeit hob ich, Nebukadnezar, meine Augen zum Himmel empor, und mein Verstand kehrte zu mir zurück. Da lobte ich den Höchsten und pries und verherrlichte den, der ewig lebt, dessen Herrschaft eine ewige Herrschaft ist und dessen Reich von Geschlecht zu Geschlecht währt; gegen welchen alle, die auf Erden wohnen, wie nichts zu rechnen sind; er verfährt mit dem Heer des Himmels und mit denen, die auf Erden wohnen, wie er will, und es gibt niemand, der seiner Hand wehren oder zu ihm sagen dürfte: Was machst du? (Dan 4,31-32)
 
Dieser Gott antwortet auf unser Gebet! Er lenkt die Herzen der Könige wie die Wasserbäche:
 
Gleich Wasserbächen ist das Herz des Königs in der Hand des HERRN; er leitet es, wohin immer er will. (Spr 21,1)

So dürfen wir darum beten, daß die Verantwortlichen in Deutschland und der EU wie auch weltweit mit Weisheit, Gottesfurcht und guten Entscheidungen auf die gegenwärtigen Krisenentwicklungen reagieren. Wir dürfen darum beten, daß auch in der Massenzustrom von Flüchtlingen gute, weise Entscheidungen getroffen werden, daß die Ordnung wieder hergestellt wird und der Staat die Flüchtlingsströme sinnvoll lenken kann.

Wir dürfen aber auch intensiv für die Flüchtlinge beten, daß Gott sie segnet und sie suchend macht nach wahrem Frieden und nach ewiger Erlösung, die nur der Herr Jesus Christus geben kann. Wir dürfen beten, daß Gott diese Menschen offen macht für das Evangelium und uns Wege öffnet, diese Menschen mit Jesus Christus bekanntzumachen.

Wir dürfen beten, daß Gott noch Gnade übt und die zunehmenden antichristlichen, gesetzlosen Entwicklungen in der Familien- und Erziehungspolitik und anderen Bereichen noch zurückhält und bremst. Solche Dinge müssen ja geschehen, weil sich das prophetische Wort erfüllen muß – aber wie rasch sie geschehen und wie machtvoll die negativen Entwicklungen sein können, darauf haben wir Christen nach meiner Überzeugung einen beachtlichen Einfluß, solange wir noch hier auf der Erde sind. Die Gemeinde mit ihrer Fürbitte ist meines Erachtens das, was jetzt noch die antichristlichen Tendenzen zurückhält (2 Thess 2,6-7); wenn die Gemeinde entrückt ist („aus dem Weg ist“, 2Thess 2,7), werden erst die antichristlichen Entwicklungen mit voller Macht entfesselt werden.

Wir dürfen deshalb für unser Land und die Obrigkeiten beten mit dem ausdrücklich in der Bibel festgehaltenen Ziel, „damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Gottesfurcht und Ehrbarkeit“ (1Tim 2,2). Das sollten wir viel öfters, viel eindringlicher und ernsthafter tun und dabei auch bewußt fasten, so wie es die verfolgten Gläubigen in Rußland öfters taten (vgl. 2Chr 20,3-4; Esr 8,21-23; Est 4,6; Joel 1,14; 2,12; Jon 3,5).

 
2. Wir sollten die Flüchtlinge liebevoll annehmen und ihnen das Evangelium bezeugen

Auch wenn wir vielleicht empfinden, daß der Zustrom von Muslimen nach Europa einen gewissen Gerichtscharakter trägt, so lehrt uns die Bibel doch unzweideutig, daß wir diesen Menschen in der Liebe und Freundlichkeit Jesu Christi begegnen sollen. Unser Herr und Heiland ist auch für sie gestorben; auch ihnen gilt die Verheißung des Evangeliums! Deshalb sollten wir sie offen und freundlich annehmen, ihnen, wo möglich, praktische Hilfe leisten und ihnen unseren Glauben und unsere Hoffnung bezeugen.

Wenn wir diese ganze Flüchtlingsbewegung geistlich beurteilen, dann dürfen wir auf jeden Fall Gottes Hand darin sehen, daß diese Menschen aus Ländern, wo sie das Evangelium nur unter großen Schwierigkeiten hören konnten, hier zu uns gekommen sind. In den nächsten Jahren haben wir die einmalige und außergewöhnliche Möglichkeit, solchen Menschen, die erschütternde und notvolle Erfahrungen von Leid und Schrecken hinter sich haben, den heilsamen Trost des Evangeliums von Jesus Christus zu übermitteln.

Das sollte behutsam, einfühlsam und taktvoll geschehen, unter Berücksichtigung der Sitten und kulturellen Prägungen, nach denen diese Menschen leben. Neben dem persönlichen Zeugnis unseres Glaubens sind hier sicherlich auch gute Schriften und Bibeln bzw. Neue Testamente auf arabisch, persisch usw. hilfreich. Dabei sollte man darauf achten, daß diese das biblische Evangelium unverfälscht weitergeben und nicht verwässerte und „kontextualisierte“ Botschaften enthalten.

 
3. Wir sollten Gottes Ruf zum Aufwachen hören

Es hat den Anschein, als würde unser allmächtiger Gott den deutschsprachigen Ländern mehr Unruhe und Bedrängnisse senden – geistliche Spannungen in der Auseinandersetzung mit dem Islam und atheistischem Humanismus, politische Bedrängnisse in Form zunehmender Verfolgung konsequent biblischer Christen, materielle Schwierigkeiten in Form von Finanz- und Wirtschaftskrisen. Doch wenn sich das bestätigen sollte, dann wäre das kein Grund zur Resignation, zum geistlichen Rückzug. Im Gegenteil, auch hier gilt das Wort unseres Herrn: „Wenn aber dies anfängt zu geschehen, so richtet euch auf und erhebt eure Häupter, weil eure Erlösung naht“ (Lk 21,28).

Zunehmende Schwierigkeiten auf diesen Gebieten müssen für uns nicht unbedingt negativ sein. Wenn die Verhältnisse nicht mehr ganz so zur Selbstsicherheit, Sattheit und Selbstzufriedenheit Anlaß geben, dann schafft das u. U. bessere Voraussetzungen dafür, daß Menschen in unserem Land noch nach dem Heil in Christus fragen. Und für uns Kinder Gottes mag es auch besser sein, wenn wir mehr auf den Herrn geworfen sind, mehr beten und den guten Kampf des Glaubens mit mehr Eifer und Entschlossenheit führen müssen.

So ist es gut, wenn wir die Erschütterungen in unserem Zeitgeschehen als einen Anruf unseres gnädigen, gütigen Herrn deuten, der uns aufwecken möchte aus unserem geistlichen Dämmerschlaf, damit wir Ihn suchen und Ihm mit neuem Ernst und neuer Hingabe dienen. Auch wenn die Zeiten schwerer werden, so bleibt Er doch derselbe. Er ist treu; Er ist unsere Zuflucht und unsere Stärke. Er kommt bald, und wir dürfen Seine Wiederkunft mit Wachen und Gebet erwarten. Aber wir sollten auch die uns verbleibende Zeit auskaufen, das Evangelium eifrig weiter bezeugen und trotz zunehmendem Druck vorwärtsgehen im Aufblick auf IHN.
 
Und dieses [sollen wir tun] als solche, die die Zeit verstehen, daß nämlich die Stunde schon da ist, daß wir vom Schlaf aufwachen sollten; denn jetzt ist unsere Errettung näher, als da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber ist nahe. So laßt uns nun ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts! (Röm 13,11-12)

Ihr aber, Brüder, seid nicht in der Finsternis, daß euch der Tag wie ein Dieb überfallen könnte; ihr alle seid Söhne des Lichts und Söhne des Tages. Wir gehören nicht der Nacht an noch der Finsternis. So laßt uns auch nicht schlafen wie die anderen, sondern laßt uns wachen und nüchtern sein! Denn die Schlafenden schlafen bei Nacht, und die Betrunkenen sind bei Nacht betrunken; wir aber, die wir dem Tag angehören, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Brustpanzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil. Denn Gott hat uns nicht zum Zorngericht bestimmt, sondern zum Besitz des Heils durch unseren Herrn Jesus Christus, der für uns gestorben ist, damit wir, ob wir wachen oder schlafen, zusammen mit ihm leben sollen. (1Thess 5,4-10)


 
Rudolf Ebertshäuser   27. 11. 2015   www.das-wort-der-wahrheit.de


 



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