Der Wirbel um Olaf Latzel: eine Predigt und ihre Folgen

23.04.2015 | 11:44  Uhr

Es ist heutzutage eine ungewöhnliche Ausnahme, wenn eine Predigt von der weltlichen Presse aufgegriffen und kommentiert wird. Die Zeiten sind längst vorbei, als englische Zeitungen die Predigten eines Charles Spurgeon veröffentlichten. Heute ist unsere Gesellschaft so weit vom christlichen Glauben entfernt, daß sie die Verkündigung von Gottes Wort normalerweise völlig ignoriert. Wenn überhaupt, dann werden die politischen Auslassungen der ungläubigen liberal-protestantischen Kirchenführer kommentiert, die aber eigentlich nur eine Kopie dessen sind, was von linken Sozialdemokraten oder Grünen eh schon vorgedacht wurde. Weshalb also der Aufruhr um die Predigt, die Olaf Latzel, Pastor der evangelisch-landeskirchlichen St. Martini-Gemeinde in Bremen, am 18. Januar 2015 gehalten hat?

Nun, in dieser Predigt hatte Pastor Latzel, einer der wenigen konservativen Prediger innerhalb der evangelischen Landeskirchen und Pastor einer der wenigen evangelischen Kirchengemeinden mit einem betont konservativen Profil, es gewagt, einige biblische Wahrheiten deutlich zugespitzt zu verkündigen, die gegen den heutigen Zeitgeist stehen. Zugegeben, Olaf Latzel hat dies teilweise in einer polemischen und etwas saloppen Art getan, die einer Predigt nicht angemessen ist und die er im nachhinein bereute. Aber im Grunde erinnerte Latzel anhand der Ereignisse um Gideon in Richter 6 ganz einfach daran, daß unser Gott, der Gott der Bibel, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, nach dem Zeugnis der Bibel und dem christlichen Glauben der allein wahre Gott ist, und alle anderen Götter der Heidenvölker Götzen sind. Und er erinnerte daran, daß Gottes Auftrag an Gideon, die Götzenbilder im Haus seines Vaters niederzureißen, deutlich macht, daß Gott die Vermischung des Dienstes für Ihn mit dem Dienst heidnischer Götzen verabscheut. Richter 6 macht eindrucksvoll klar, daß die Religionsvermischung, wie sie heute von den großen Kirchen im Weltmaßstab betrieben wird, eine schwerwiegende Sünde gegen Gott ist.

Dieser biblisch fundierte Standpunkt, der deutlich bekennt, daß der Gott der Bibel nach unserer Glaubensüberzeugung der allein wahre Gott ist, der keinesfalls mit „Allah“ oder anderen heidnischen Gottheiten in eins gesetzt oder vermischt werden darf, steht natürlich im massiven Gegensatz zu der heute von staatlicher Seite wie von den ökumenischen Großkirchen betriebenen Religionsvermischung. Heute wird von allen politisch maßgeblichen Seiten immer wieder die betrügerische Behauptung beschworen, alle Weltreligionen seien gleich wahr, verehrten denselben Gott und müßte um des Wohles der Menschheit willen den Dialog führen, zusammenarbeiten und miteinander religiöse Zeremonien feiern. Das praktiziert der vom biblischen Glauben abgefallene ökumenische Weltrat der Kirchen im Weltmaßstab. Das praktizieren die protestantischen Großkirchen in Deutschland mit gemischten „Gottes“diensten und „Abendmahlsfeiern“, bei denen Koransuren verlesen und hinduistische Rituale eingebaut werden. Das praktiziert auch die römische Kirche, etwa bei dem „Friedensgebet“ von Assisi. Erst kürzlich betete Papst Franziskus demonstrativ in einer Moschee in der Türkei.

In diese mit viel Nebel und religiösen Beschwörungsformeln erzeugte Atmosphäre der Religionsvermischung platzten die deutlichen Worte eines Predigers, der sicherlich vor allem deshalb große öffentliche Aufmerksamkeit erfuhr, weil der sich noch in einer der protestantischen Großkirchen befindet, die von den Vertretern der weltlichen Gesellschaft mit einem gewissen Recht als zu ihnen gehörig eingeordnet werden. Die protestantischen Großkirchen werden als religiöse Stützen des Weltsystems geschätzt und gefördert; sie haben ihren anerkannten Platz in dieser gottfeindlichen Welt. Umso empörender und beunruhigender ist es, wenn ein Prediger in einer solchen Kirche etwas sagt, was der offiziellen Religion dieser Welt widerspricht. Das führt dann sogar dazu, daß das Parlament des Bundeslandes Bremen darüber debattiert – eine Einmischung des Staates in religiöse Angelegenheiten, die in der Bundesrepublik Deutschland ziemlich einmalig sein dürfte.  

Das alles ist von Bedeutung für alle bibeltreuen Christen. Die meisten von ihnen sind ja längst nicht mehr in den protestantischen Großkirchen, und das mit guten Gründen. Auch Pastor Latzel wird hoffentlich einmal erkennen, daß die Gideons von heute keinen Platz mehr haben in einem Kirchensystem, das den erhöhten Herrn Jesus Christus verleugnet und verworfen hat. Er muß in diesem System lauter Kompromisse machen, die mit Gottes Wort unvereinbar sind. Wenn er nun nach einer „Reform“ dieser Kirche ruft (vgl. IdeaSpektrum 11/2015), dann ist das völlig unrealistisch und verkennt den gründlich entarteten und verdorbenen Zustand dieser abgefallenen Kirche.

Aber wir sehen an der Empörung über Latzels offene Worte, daß die scheinbar so „tolerante“ weltliche Gesellschaft immer mehr Züge einer antichristlichen Gesinnungsdiktatur offenbart, bis hin zur offenen Verfolgung gläubiger Christen. Daß nunmehr die Staatsanwaltschaft in Bremen gegen Latzel wegen des Verdachts auf Volksverhetzung ermittelt, ist ein ernstes Anzeichen dafür. Die Gesetzgebung in den westlichen Ländern hat unter dem Einfluß der UNO und der EG in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr Gesetze verabschiedet, die unter dem Deckmantel von „Menschenrechten“, „Toleranz“ und „Anti-Diskriminierungsmaßnahmen“ die Möglichkeiten zur Kriminalisierung und strafrechtlichen Verfolgung des biblisch-christlichen Glaubens bieten.

Die biblisch-christliche Glaubensüberzeugung zu Themen wie „Christus als der einzige Weg“, die Einordnung von Homosexualität als Sünde, die Verurteilung von Abtreibung und frühkindlicher „Sexualaufklärung“ oder die Rolle der Züchtigung in der Kindererziehung kann heute schon als Straftat gedeutet und verfolgt werden. Die weltliche Staatsgewalt tut dies bisher nur in Einzelfällen, aber die Debatte über Olaf Latzel macht wieder deutlich, daß das Klima für eine Kriminalisierung und offene Verfolgung bibeltreuer, als „Fundamentlisten“ diffamierter Christen vorbereitet wird.

Wir gläubige Christen sollten uns innerlich auf diese Verfolgung vorbereiten und uns vom Herrn stärken lassen, trotz allen Anfeindungen Ihm treu zu bleiben und von dem Glauben an die biblische Wahrheit nicht zu weichen. Der Herr wird uns beistehen, so wie er den Gläubigen beistand, die in der Sowjetunion und der DDR wegen ihres Glaubens angefeindet und verfolgt wurden. Solche Verfolgung ist ja nichts Befremdendes, sondern ist uns vom Wort Gottes vorhergesagt:
 

Und alle, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden Verfolgung erleiden. (2Tim 3,12)

Weil wir es nicht länger aushielten, zogen wir es daher vor, allein in Athen zu bleiben, und sandten Timotheus, unseren Bruder, der Gottes Diener und unser Mitarbeiter am Evangelium von Christus ist, damit er euch stärke und euch tröste in eurem Glauben, damit niemand wankend werde in diesen Bedrängnissen; denn ihr wißt selbst, daß wir dazu bestimmt sind. Als wir nämlich bei euch waren, sagten wir euch voraus, daß wir Bedrängnisse erleiden müßten, und so ist es auch gekommen, wie ihr wißt. (1Thess 3,1-4)

Geliebte, laßt euch durch die unter euch entstandene Feuerprobe nicht befremden, als widerführe euch etwas Fremdartiges; sondern in dem Maß, wie ihr Anteil habt an den Leiden des Christus, freut euch, damit ihr euch auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit jubelnd freuen könnt. Glückselig seid ihr, wenn ihr geschmäht werdet um des Namens des Christus willen! Denn der Geist der Herrlichkeit, [der Geist] Gottes ruht auf euch; bei ihnen ist er verlästert, bei euch aber verherrlicht. Keiner von euch soll daher als Mörder oder Dieb oder Übeltäter leiden, oder weil er sich in fremde Dinge mischt; wenn er aber als Christ leidet, so soll er sich nicht schämen, sondern er soll Gott verherrlichen in dieser Sache! (1Pt 4,12-16)

Seid nüchtern und wacht! Denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann; dem widersteht, fest im Glauben, in dem Wissen, daß sich die gleichen Leiden erfüllen an eurer Bruderschaft, die in der Welt ist. (1Petr 5,8-9)

Unter konservativen Gläubigen ist die Frage umstritten, ob auch politischer Protest gegen solche antichristlichen Entwicklungen zulässig oder gar nötig sei. Ich bin davon überzeugt, daß dies nicht der Weg der treuen Gläubigen sein kann. Wir können durch angemessene Öffentlichkeitsarbeit und ggf. Petitionen darauf hinwirken, daß uns noch Freiräume zum Ausleben unserer Glaubensüberzeugungen gewährt werden, aber alle Formen politischer Aktion – etwa „christliche“ Parteien oder „christliche“ Beteiligung an konservativen politischen Bewegungen – halte ich für verkehrt und denke, daß sie nicht in Übereinstimmung mit dem stehen, was uns die Bibel lehrt. Wir sind gerufen, als Fremdlinge und Wanderer ohne Bürgerrecht in dieser Welt ein Zeugnis für Christus und Sein Heil zu sein. Wenn wir gehaßt und verachtet werden wie unser Herr und Meister, dann wollen wir das ertragen und durch Liebe und Erdulden von Unrecht für Ihn Zeugnis ablegen.

Wenn gläubige Christen in weltlichen parteipolitischen Unternehmen wie der AFD mitmachen oder gar bei den öffentlichen Protestdemonstrationen der „Pegida“, dann ist das ihre Gewissensentscheidung; sie müssen das vor dem Herrn verantworten. Ich persönlich halte das für einen falschen Weg, der unser Zeugnis für Christus in dieser Welt beschädigt und uns hineinzieht in die schmutzigen Machenschaften dieser Welt, in ihre Machtkämpfe und Streitigkeiten (vgl. dazu mein Buch Soll die Gemeinde die Welt verändern?).

Uns tut etwas ganz anderes not, das wir in den sorglosen Jahren eines falschen „Friedens“ mit dieser Welt weitgehend verlernt haben – nämlich das ernstliche, anhaltende Gebet für die Obrigkeit, das von den Einzelnen vor Gott gebracht wird, besonders aber auch von den Gemeinden. Dabei sollten wir auch neu lernen, was unsere Geschwister aus dem Osten in langen Jahren der Verfolgung gelernt haben, nämlich wie wichtig auch ein biblisch-nüchternes Fasten für solche Gebetsanliegen ist (vgl. u.a. 1Sam 7,6; 2Chr 20,3; Esra 8,21; Neh 1,4; Joel 1,14; Mt 9,15; 1Kor 7,5).
 
So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksagungen darbringe für alle Menschen, für Könige und alle, die in hoher Stellung sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Gottesfurcht und Ehrbarkeit; denn dies ist gut und angenehm vor Gott, unserem Retter, welcher will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. (1Tim 2,1-4)
 
 
www.das-wort-der-wahrheit.de    Rudolf Ebertshäuser    23. 4. 2015

 


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