Wem dient Dr. Diener? Der undurchsichtige Kurs des Allianzvorsitzenden

23.04.2015 | 11:41  Uhr

 
Pfarrer Dr. Michael Diener, Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz und zugleich Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, wurde die Ehre zuteil, vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in deren Leitungsgremium, die Synode, berufen zu werden. Diese Berufung wird sicherlich viele liberale Evangelikale mit Stolz und Genugtuung erfüllen; sie ist ja ein Zeichen der Anerkennung, daß Allianz und Gnadauer Verband für die Oberen der protestantischen Volkskirche wichtig und bedeutsam sind. Nach solcher Anerkennung und den damit verbundenen politischen Wirkungsmöglichkeiten sehnen sich ja viele Evangelikale geradezu. Die Führung des Gnadauer Verbandes betont immer wieder, wie wichtig die pietistischen landeskirchlichen Gemeinschaften für die EKD seien. Sie dienen sich den Kirchenführern als hilfreiches Sammelbecken an, um die konservativen Christen noch in der Kirche zu halten und den Verfall der Popularität aufzuhalten, den die bibelkritischen Kirchenführer angesichts der toten und kraftlosen Verkündigung in ihren Kirchengemeinden seit Jahrzehnten erleben müssen.

Aus bibeltreuer Sicht dagegen (und diese möchte ich bewußt von der Sicht der liberalen Evangelikalen und Pietisten unterscheiden) wirft die Berufung Dr. Dieners in die Führung der EKD manche Fragen auf. Wem dient Dr. Diener? Was sind seine Verdienste, die ihm die Berufung in die EKD-Synode verschafft haben? Was will er in dieser Versammlung der Repräsentanten der liberalen Kirche ausrichten?

Man wird erinnert an das bekannte Gotteswort, das am Beginn des Buches der Psalmen steht und genau die „fundamentalistische Schwarz-Weiß-Sicht“ offenbart, die die modernen Liberalen und Evangelikalen so verabscheuen und die doch die Sicht Gottes ist, die immer wieder in Seinem Wort offenbar wird:
 

Wohl dem, der nicht wandelt nach dem Rat der Gottlosen, noch tritt auf den Weg der Sünder, noch sitzt, wo die Spötter sitzen, sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz nachsinnt Tag und Nacht. Der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht, und alles, was er tut, gerät wohl. Nicht so die Gottlosen, sondern sie sind wie Spreu, die der Wind verweht. Darum werden die Gottlosen nicht bestehen im Gericht, noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten. Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten; aber der Weg der Gottlosen führt ins Verderben. (Psalm 1)

Legt man den Maßstab der Bibel an, so wird offenbar, daß in der EKD-Synode ganz genau der „Rat der Gottlosen“ herrscht. Der Gottlose oder Frevler ist in der Bibel ja nicht der Heide, der von Gott nichts weiß noch wissen will, sondern der äußerliche Angehörige des Gottesvolkes, der ein Lippenbekenntnis zu Gott ablegt, aber in Wahrheit Gott und Sein Wort verleugnet. So wird es uns in Psalm 50 geoffenbart: „Zu dem Gottlosen (od. Frevler) aber spricht Gott: Was zählst du meine Satzungen auf und nimmst meinen Bund in deinen Mund, da du doch Zucht haßt und meine Worte verwirfst?“ (Ps 50,16-17).

In diesem Sinn sind die allermeisten Synodalen, die der bibelkritischen Liberaltheologie in verschiedenen Schattierungen angehören und Gottes Sohn, Seine Jungfrauengeburt, Seinen Sühnetod, Seine leibliche Auferstehung und Himmelfahrt, Sein Wiederkommen verleugnen oder zumindest deren Verleugnung dulden, in den Augen des heiligen Gottes „Frevler“ und „Gottlose“ – auch wenn sie in den Augen der Welt ehrbare und fähige Theologen und Kirchenleiter sein mögen.

In diesem Kirchengremium, das biblisch gesehen als eine „Versammlung der Gottlosen“ bezeichnet werden kann, wurden und werden all die frevelhaften Verstöße der protestantischen Kirchen gegen Gottes Wort und Seinen Sohn unterstützt und „abgesegnet“:
 
* Verleugnung aller Grundwahrheiten der Bibel, von der Schöpfung bis zu Erlösung;

* Lästerung der Bibel als bloßes Menschenwort und „Mythos der Gemeinde“;

* Verwerfung des biblisch bezeugten Herrn Jesus Christus und Verehrung eines falschen, liberal-ökumenischen „Jesus“;

* Verkündigung eines anderen, falschen Evangeliums der sozialen Werke und der falschen Gnade für alle;

* Verwerfung der biblischen Lehren über die Frauenfrage und Befürwortung der Frauenordination sowie der „feministischen Theologie“ mit ihren Gotteslästerungen;

* Verwerfung der biblischen Lehre über Ehe und Familie; Befürwortung und „Segnung“ der Homosexualität;

* Verwerfung Gottes als den allmächtigen Schöpfer von Himmel und Erde; Kanonisierung der widerbiblischen Evolutionstheorie;

* Befürwortung der Religionsvermischung und aller Spielarten des Götzendienstes innerhalb und außerhalb der Kirche

Dieses Register des Frevels ist nur eine stark verkürzte Auswahl; der heilige Gott wird einmal, wenn Er Gericht hält, eine viel umfassendere und genauere Bilanz all dieser schlimmen Sünden aufstellen. Für sie ist die Synode der EKD zusammen mit ihrem Rat in allererster Linie verantwortlich. Und in diese Versammlung der vom Herrn Abgewichenen ist nun Dr. Diener gnädig aufgenommen worden. Er wurde von der höchsten EKD-Führung als fähig erachtet, an der Leitung dieser Kirche verantwortungsvoll und produktiv mitzuwirken. Sicherlich wird Dr. Diener beteuern, daß ihm daran gelegen sei, in diesem Rahmen die Gesichtspunkte und Einwände der Evangelikalen „konstruktiv einzubringen“ und den Gesamtkurs nach Möglichkeit zum besseren umzulenken.

In Wahrheit jedoch zeigt Gottes Wort wie auch die Erfahrung, daß in einem solchen Rahmen keinerlei wirkliche „Besserung“ oder Kurswende möglich ist; das würde ja das ganze System umstürzen. Vielmehr dient Dr. Diener in diesem Kreis als ein nützliches Bindeglied zu den Evangelikalen, die man zunehmend mit in die liberale Kirchenpolitik mit hineinnimmt – und zwar genau in dem Maß, wie die Vertreter der Deutschen Evangelischen Allianz und des Gnadauer Verbandes bibeltreue Überzeugungen preisgeben und sich an die liberal-ökumenischen Positionen der EKD annähern.

Als ein kleines Schlaglicht und Beleg dafür, daß die Liberalen zunehmend die Evangelikalen umwerben, sie aber gleichzeitig dazu verleiten, selbst immer liberaler zu werden, sei ein Zitat des neuen EKD-Ratsvorsitzenden Dr. Heinrich Bedford-Strohm aus einem Idea-Interview angeführt:
 
idea: Welche Rolle spielen für Sie die Evangelikalen in der Volkskirche?
Bedford-Strohm: Sie sind eine große Kraft in unserer Kirche. Sie erzählen von unserem glauben. Da erwarte ich mir von den Evangelikalen und Pietisten viel. Problematisch finde ich, wenn eine Rhetorik die Oberhand gewinnt, die andere ausschließt. Aber ich sehe in der Evangelischen Allianz viele Menschen, die genau das nicht wollen. Wir sollten das Schubladendenken überwinden.

Nun, unter den Menschen, die im Sinne der liberal-ökumenischen Kirchenoberen unter den Evangelikalen wirken, scheint auch Dr. Diener gewesen zu sein. Und in der Tat, Dieners Impulse wirken genau im Sinne einer „Überwindung des Schubladendenkens“, d.h. einer gezielten Annäherung der Evangelikalen an die Positionen der EKD. Diener hat mehrfach Botschaften an die Allianz-Evangelikalen gesendet, die darauf hinauslaufen, „verkrustete“ biblische Positionen aufzubrechen und Raum zu schaffen für liberal-ökumenische Positionen. Dabei praktiziert Diener jene psychologisch raffinierte Dialektik, die scheinbar die konservative, an der Bibel orientierte Position bejaht und anerkennt, um sie dann mit einem „Ja, aber“ bzw. einer Gegenposition auszuhebeln und Verunsicherung und Akzeptanz für unbiblische Lehren zu schaffen. Einige Beispiele seien genannt:
 
* Dr. Diener empfahl das radikal liberalökumenische Provokationsbuch Die Jesus-Revolution von Tony Campolo und Shane Claiborne. Darin werden radikal antibiblische Positionen zur Frauen und Homofrage vertretene. Diener war es offenkundig wichtig, durch dieses Buch Umdenkprozesse bei konservativen Evangelikalen zu provozieren. (Vgl. die Meldung in Aktuelle Notizen Januar 2015: Die falsche „Jesus-Revolution“: Das Buch, mit dem Allianzchef Diener konservative Evangelikale umpolen möchte).

* Ganz ähnlich verhielt sich Diener in der umstrittenen Frauenfrage. Er schrieb ein empfehlendes Vorwort zu dem Buch der Willow-Creek-Pastorin Nancy Beach: Die Kunst, als Frau zu leiten. Beach vertritt hier die moderne bibelkritische Auffassung, Frauen seien von Gott genauso für Leitungs- und Lehraufgaben begabt und berufen wie Männer. Damit wird die klare Aussage in 1. Timotheus 2,11-14 außer Kraft gesetzt, die das Leiten und Lehren der Frau verwehrt. Beach und die Willow-Creek-Bewegung breiten humanistische und feministische Irrlehren in der Gemeinde Jesu Christi aus. Dr. Deiner unterstützt dieses Buch und empfiehlt es wärmstens: „Genau so muss ein Buch zu dem Reizthema ‚Frauen leiten und predigen in der Gemeinde‘ sein … Nancy Beach ist der festen Überzeugung, dass Gottes Wort gilt und dass Frauen es heute in der Rollenfrage anders lesen dürfen, ja sollen und müssen, als das zur Zeit des Paulus war. Ich teile die Ansicht schon lange“ (vgl. „Frauenrolle in der Gemeinde: DEA-Chef plädiert dafür, Bibel unbiblisch zu lesen“, in: TOPIC Juni 2014, S. 4).

* Bei dem evangelikalen Gemeindefestival SPRING sprach Diener im April 2015 über das Thema „Toleranz in evangelikalen Gemeinden“. Dabei behauptete er, evangelikale Gemeinden hätten im Vergleich zu anderen öfters ein Toleranzproblem. Laut Idea-Bericht sagte Diener: „Das Problem für viele fromme Menschen ist, daß sie Pluralität als Angriff auf ihre eigenen Glaubensüberzeugung sehen anstatt als Bereicherung“. Nun gibt es gewiß einige Fragen in der Auslegung der Bibel, in denen auch bibeltreue Christen verschiedene Auffassungen stehenlassen. Diener aber weitet diese „Pluralität“ (Meinungsvielfalt) auch auf liberaltheologische und bibelkritische Positionen aus, und da hört die von der Bibel gelehrte Duldsamkeit gegenüber verschiedenen Überzeugungen auf! (Vgl. „Allianzvorsitzender: Evangelikale haben oft ein Toleranzproblem; IdeaSpektrum 16/2015, S. 9)

 
Die Berufung Dr. Dieners in das höchste Gremium der Evangelischen Kirche Deutschlands unterstreicht noch einmal dessen fragwürdige Rolle bei der gezielten Annäherung der Evangelikalen an die liberal-ökumenischen Großkirchen. Sie erscheint als Anerkennung der fragwürdigen Verdienste dieses Mannes und seiner Kollegen in der Allianzspitze, die beharrlich daran arbeiten, konservative, an die Bibel gebundene Positionen unter den Evangelikalen aufzuweichen und die Duldung liberaler, offen bibelkritischer Positionen zu fördern. Solche „Überwindung des Schubladendenkens“ liegt auch ganz im Trend der Evangelikalen in Deutschland wie auf Weltebene, die heute auf allen Kanälen die Annäherung an Rom und den Ökumenischen Weltrat der Kirchen vorantreiben.

Konservativen Widerstand gegen diesen pro-ökumenischen Kurs gibt es nur noch vereinzelt und verhalten, und das eher an der Basis, die ohnehin nichts zu sagen hat. Diejenigen, die verstanden haben, auf welchem unbiblischen Gleis sich die Allianz befindet, ziehen die Konsequenzen und verlassen allianzgebundene Gemeinden, um sich bibeltreuen Gemeinden anzuschließen, die ihren Platz außerhalb des evangelikal-ökumenischen Lagers eingenommen haben (vgl. Hebr 13,13).

 
www.das-wort-der-wahrheit.de    Rudolf Ebertshäuser    23. 4. 2015
 


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