„Mission Respekt“: Wie biblische Evangelisation von Ökumene und Allianz zensiert wird

29.01.2015 | 12:11  Uhr

 
Am 27. – 28. August 2014 fand im Maritim-Hotel Berlin ein eher wenig beachteter internationaler ökumenischer Kongreß mit dem Motto „Mission Respekt“ statt. Getragen wurde er von einem bemerkenswert weiten Kreis von Organisationen, darunter die katholische Deutsche Bischofskonferenz, die Evangelische Kirche in Deutschland, die ökumenische „Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), die Deutsche Evangelische Allianz (DEA), die Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM), die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) sowie diverse Missionswerke. Da waren also Katholische Kirche, liberal-ökumenische Evangelische und die Evangelikalen einträchtig beieinander.

Das Ziel dieses Kongresses war die Umsetzung eines 2011 verabschiedeten ökumenischen Dokumentes, das der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK), die Katholische Kirche und die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) erstmals zusammen erarbeitet hatten, und das im internationalen Maßstab Richtlinien für die christliche Mission in einer multireligiösen Welt geben soll. Ziel des Kongresses von 2014 war es, die weltweiten Empfehlungen zur Mission und zum Dialog zwischen den Religionen nun regional zu erörtern und umzusetzen.

Wenn darauf solcher Wert gelegt wird und dabei Vertreter fast aller namenschristlichen Gruppen vereint werden, dann lohnt es sich, diese Richtlinien einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Als sie 2011 nach einem längeren Prozeß von Beratungen verabschiedet wurden, waren die Vertreter der Ökumene und der Allianz sehr beeindruckt. Der römische Kardinal Tauran meinte: „Heute ist ein historischer Moment in unserem gemeinsamen christlichen Zeugnis“, während die WEA sogar jubelte: „Heute schreiben wir Geschichte!“ (Alle Zitate nach dem als Quelle unten angegebenen Schirrmacher-Aufsatz, hier S. 1/2).

Die Exekutivdirektorin der Theologischen Kommission der WEA [man beachte, wie die Evangelikalen hier eine Frau gewissermaßen zur „obersten Lehrerin“ im Weltmaßstab gemacht haben und dabei das Wort Gottes in 1Tim 2,12 mit Füßen treten!] erklärte:
 

Das Dokument ist einmalig, und seine Bedeutung liegt in seiner Natur. Es ist ein genuines Missionsdokument, ein genuines ökumenisches Dokument, ein interreligiöses Dokument. Es ist ein genuines biblisches Dokument und es ist ein historisches Dokument. Trotz seiner Kürze und Einfachheit liegt seine Bedeutung darin, dass diese Dinge nie vorher gemeinsam von den drei Organisationen gesagt wurden, die 95 Prozent der weltweiten Christenheit repräsentieren. (Schirrmacher, S. 3)

Was besonders die evangelikalen Allianz-Vertreter so beeindruckt, ist die Tatsache, daß sie zu den ursprünglich von ÖRK und Katholischer Kirche geplanten Konsultationen auf Einladung des ÖRK dazugenommen wurden. Damit war ein weiterer Schritt in der ökumenischen Verzahnung und Vermischung von römischen Verführern, abgefallenen liberalen Protestanten und liberal-ökumenisch gewordenen Evangelikalen getan. Endlich wird die WEA von den anderen anerkannt!
 
 
Der ökumenische Verhaltenskodex in der Mission

 
Wenn man das 2011 verfaßte ökumenische Dokument mit dem Titel „Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt“ durchliest, dann fällt auf, daß viele Formulierungen doppeldeutig sind. Sie sind so abgefaßt, daß manche Evangelikale ihnen ohne weiteres zustimmen könnten, aber der Kenner liberaler Lehren merkt, daß hinter dem mehrdeutigen Wortlaut gewisse liberal-ökumenische Verführungslehren stehen, die manchmal nur angedeutet werden.

Der Kern dieser Richtlinien, die als Empfehlungen gelten, besteht in einer mehrdeutig verfaßten Einschränkung der Freiheit zum missionarischen Zeugnis, verknüpft mit einer Verpflichtung zum gleichberechtigten Dialog und zur Zusammenarbeit mit anderen Religionen. Damit aber richten diese Richtlinien einen geschickt getarnten Angriff auf das biblische Evangeliumszeugnis, das alle Beteiligten, einschließlich der WEA, verlassen haben und nunmehr zu ersticken suchen.

In der Einleitung heißt es: „Mission gehört zutiefst zum Wesen der Kirche. Darum ist es für jeden Christen und jede Christin unverzichtbar, Gottes Wort zu verkünden und seinen/ihren Glauben in der Welt zu bezeugen. Es ist jedoch wichtig, dass dies im Einklang mit den Prinzipien des Evangeliums geschieht, in uneingeschränktem Respekt vor und Liebe zu allen Menschen.“ Das ist zunächst richtig und unbestreitbar. Allerdings werden im Folgenden „Respekt“ und „Liebe“ so ausgedeutet, daß ein klar auf Bekehrung ausgerichtetes Evangeliumszeugnis, das andere Religionen so behandelt, wie die Bibel es tut, nämlich als Götzendienst, von dem die Menschen Buße tun sollen (vgl. Apg 14,15; Röm 1,18-28; 1Thess 1,9), künftig als „lieblos“ und „respektlos“ gebrandmarkt werden kann.

Wir können hier nicht alle Punkte dieses Papiers erwähnen; manche können zumindest als richtig und zutreffend verstanden werden. Es ist offensichtlich und bedarf keiner Diskussion, daß Christen bei ihrem Evangeliumszeugnis wahrhaftig und respektvoll sein müssen und keinesfalls zu Zwangsmaßnahmen oder finanzieller Bestechung greifen dürfen. Das aber war bei bibeltreuer Evangelisation und Mission ohnehin so gut wie nie der Fall; diese Methoden hat vor allem die Katholische Kirche angewandt. Kein wahrer Christ wird Anhänger anderer Religionen herabwürdigen oder diffamieren oder gar zu unterdrücken suchen.

Doch in Wahrheit geht es bei diesen Richtlinien um mehr und anderes. Viele Aussagen des Papiers aber folgen genau den heutigen Verführungslehren der „Missio Dei“, des Sozialen Evangeliums und der Religionsvermischung durch Dialog, die Bestandteil der heutigen ökumenischen Bestrebungen ist. Daß hier die WEA als Vertreter der Evangelikalen zugestimmt hat, ist ein Skandal und zeigt einmal mehr, wie weit die Angleichung an Rom und die Ökumene in diesen Kreisen schon vorangeschritten ist. Wir wollen hier drei falsche Tendenzen in diesem Dokument hervorheben und durch Zitate belegen (Unterstreichungen immer von RE):
 

1. Die widergöttliche Verpflichtung zum „interreligiösen Dialog“

Zu den „Grundlagen für das christliche Zeugnis“ wird ausdrücklich gezählt: „4. Christliches Zeugnis in einer pluralistischen Welt umfasst auch den Dialog mit Menschen, die anderen Religionen und Kulturen angehören (vgl. Apostelgeschichte 17,22-28).“ Der Verweis auf die Apostelgeschichte ist irreführend, denn der Apostel Paulus hat zwar in seiner Rede auf dem Areopag den Anhängern der griechischen Götzenreligionen die Botschaft von Jesus Christus anhand von Anknüpfungspunkten aus ihrer Kultur nahebringen wollen, aber dabei hat er keinesfalls einen „interreligiösen Dialog“ geführt.

Unter „Prinzipien“ wird angeführt:
 
10. Kein falsches Zeugnis geben. Christen/innen müssen aufrichtig und respektvoll reden; sie müssen zuhören, um den Glauben und die Glaubenspraxis anderer kennen zu lernen und zu verstehen, und sie werden dazu ermutigt, das anzuerkennen und wertzuschätzen, was darin gut und wahr ist. Alle Anmerkungen oder kritischen Anfragen sollten in einem Geist des gegenseitigen Respekts erfolgen. Dabei muss sichergestellt werden, dass kein falsches Zeugnis über andere Religionen abgelegt wird.

Hier wird die ökumenisch-katholische Verführungslehre vertreten, daß in allen Religionen Wahres und Gutes sei, an das die Christen anknüpfen sollten. Die Bibel lehrt uns aber, daß die Heidenvölker in geistlicher Finsternis leben und daß außerhalb von Christus weder Licht noch Wahres und Gutes in der Welt zu finden ist (vgl. u.a. Joh 14,6; Apg 26,17-18; Röm 3,10-18; Jes 41,23-29). Dieses falsche „Prinzip“ führt daher zur Religionsvermischung statt zum klaren Evangeliumszeugnis.

Wenn bibeltreue Gläubige das Evangelium biblisch verkündigen, dann kann ihnen das als Verstoß gegen diese religionsvermischenden Richtlinien ausgelegt werden. Schon das Zeugnis, daß der Gott des Islam nicht der Gott der Bibel ist, könnten die Vertreter des interreligiösen Dialogs als „falsches Zeugnis über andere Religionen“ deuten und ächten. Die „Empfehlungen“ der Erklärung dringen darauf, daß die Kirchen und Verbände in jedem Land „Verhaltensrichtlinien für das christliche Zeugnis formulieren“, und fügt dann hinzu: „Wo möglich, sollte dies ökumenisch und in Beratung mit Vertretern/innen anderer Religionen geschehen“. Das heißt, daß „christliche“ Kirchen das Vorgehen beim Evangeliumszeugnis gegenüber dem Islam aufgrund der Ratschläge von muslimischen und buddhistischen Religionsvertretern regeln sollen!

Auch ein weiterer Punkt ist biblisch unhaltbar:
 
12. Aufbau interreligiöser Beziehungen. Christen/innen sollten weiterhin von Respekt und Vertrauen geprägte Beziehungen mit Angehörigen anderer Religionen aufbauen, um gegenseitiges Verständnis, Versöhnung und Zusammenarbeit für das Allgemeinwohl zu fördern. Deswegen sind Christen/innen dazu aufgerufen, mit anderen auf eine gemeinsame Vision und Praxis interreligiöser Beziehungen hinzuarbeiten.

Gläubige Kinder Gottes sollen damit zu einer religiösen, politischen und sozialen Zusammenarbeit mit Hindus, Muslimen und anderen Vertretern irreführender Religionen verpflichtet werden, die ihnen das Wort Gottes verbietet (vgl. u.a. 2Kor 6,14-18). In den Empfehlungen, die das Papier ausspricht, sollen Christen u.a. sich verpflichten, daß sie
 
2. von Respekt und Vertrauen geprägte Beziehungen mit Angehörigen aller Religionen aufbauen, insbesondere auf institutioneller Ebene zwischen Kirchen und anderen religiösen Gemeinschaften, und sich als Teil ihres christlichen Engagements in anhaltenden interreligiösen Dialog einbringen. (…)

4. mit anderen Religionsgemeinschaften zusammenarbeiten, indem sie sich gemeinsam für Gerechtigkeit und das Gemeinwohl einsetzen und sich, wo irgend möglich, gemeinsam mit Menschen solidarisieren, die sich in Konfliktsituationen befinden.

Hier sollen auch die Gläubigen der wahren Gemeinde, die ja von der Welt abgesondert ist und sich nicht an den politischen Bestrebungen dieser Welt beteiligt, dazu verpflichtet werden, in allerlei sozialpolitischen Initiativen z.B. mit Muslimen zusammenzuwirken. Wer das verweigert, verstößt gegen diesen verkehrten und widergöttlichen „Verhaltenskodex“. Darüber hinaus stellt dieses Dokument Weichen für eine weiterreichende Zusammenarbeit in öffentlichen Institutionen, die vermutlich irgendwann aufgebaut werden; es ist ja nur folgerichtig, wenn der Staat zukünftig „Religionsräte“ bildet, in denen Vertreter der im Land vorhandenen Religionsgemeinschaften „zum Gemeinwohl“ zusammenwirken sollen. Auch für die Mitwirkung bei solchen Gremien stellt die Erklärung die Weichen.

Es ist ein Zeichen, wie weit die Evangelische Allianz schon heruntergekommen ist, daß sie heute ohne irgendwelche Abstriche die ökumenische Forderung nach interreligiösem Dialog unterstützt. Zufrieden stellt Schirrmacher fest: „Interreligiöser Dialog wird heute von allen drei Organisationen akzeptiert und wird nicht länger als Gegensatz zum Missionsansatz der Kirche verstanden“ und später noch einmal: „Das Dokument gibt dem interreligiösen Dialog eine herausragende Bedeutung und beendet den alten Konflikt zwischen Mission und Dialog“ (S. 4/S. 5).

Das bedeutet, daß die Evangelikalen den früher vertretenen biblisch richtigen Standpunkt verraten haben und ins ökumenische Lager übergegangen sind - und Schirrmacher ist auch noch stolz darauf! Dafür bekommen sie dann Beifall von der falschen Seite; der buddhistische thailändische Präsident sagte bei der abschließenden Konsultation in Bangkok: „Es ist in der Tat ein wichtiger Schritt für die Förderung der interreligiösen Harmonie.“ (S. 4).
 
 
2. Festschreibung von ökumenischen Irrlehren der „Missio Dei“ und „integralen Mission“

Wenn in dem Papier von „Mission“ die Rede ist, dann ist hier nicht biblische Evangeliumsverkündigung gemeint, wie wahre Gläubige das Wort verstehen, sondern die liberal-ökumenische falsche „Mission Gottes“ (Missio Dei). Das meint eine allmähliche Verchristlichung der Welt durch sozialpolitisches Engagement der Christen, eine allmähliche Ausbreitung eines falschen „Reiches Gottes“ in der Welt (vgl. dazu meine Ausführungen in dem Buch Soll die Gemeinde die Welt verändern?, S. 124-140 und in Zerstörerisches Wachstum).

Schirrmacher gibt offen zu, daß dieses Papier auf der „Missio-Dei-Theologie“ gegründet ist und stellt erfreut fest: „Die Betonung des Konzepts der ‚Missio Dei‘ schuf ein großes gemeinsames Interesse bei katholischen, ökumenischen und evangelikalen Missionswissenschaftlern und stellte klar, dass dieses Konzept ein Bezugspunkt für alle geworden ist“ (S. 5). So wird zu den „Prinzipien“ von Mission gezählt:
 
4. Taten des Dienens und der Gerechtigkeit. Christen/innen sind dazu berufen, gerecht zu handeln und mitfühlend zu lieben (vgl. Micha 6,8). Sie sind darüber hinaus dazu berufen, anderen zu dienen und dabei Christus in den Geringsten ihrer Schwestern und Brüder zu erkennen (vgl. Matthäus 25,45). Soziale Dienste, wie die Bereitstellung von Bildungsmöglichkeiten, Gesundheitsfürsorge, Nothilfe sowie Eintreten für Gerechtigkeit und rechtliche Fürsprache sind integraler Bestandteil davon, das Evangelium zu bezeugen.

8. Gegenseitiger Respekt und Solidarität. Christen/innen sind aufgerufen, sich zu verpflichten, mit allen Menschen in gegenseitigem Respekt zusammenzuarbeiten und mit ihnen gemeinsam Gerechtigkeit, Frieden und Gemeinwohl voranzutreiben. Interreligiöse Zusammenarbeit ist eine wesentliche Dimension einer solchen Verpflichtung.

Das sind die Verführungslehren der „holistischen“ oder „integralen“ Mission, nach denen ein Evangeliumszeugnis nur zulässig ist, wenn es mit sozialpolitischem Engagement von Christen verknüpft ist (vgl. meine Untersuchung dieser Lehren in meinem Buch Soll die Gemeinde die Welt verändern, S. 194-203). Damit haben die Vertreter der Evangelikalen offiziell die früher allgemein gültige biblische Linie verlassen, nach der allein die Verkündigung des Evangeliums und der Bau biblischer Gemeinden die Aufgabe biblischer Mission ist, und haben die liberaltheologische Linie des Ökumenischen Rates der Kirchen übernommen. Es verwundert bei solcher Kapitulation wenig, daß der ÖRK die WEA bei dieser Erklärung mit ins ökumenische Boot nehmen wollte.
 
 
3. Die zweischneidige Argumentation mit den „Menschenrechten“ und dem politischen „Religionsfrieden“
 
Brisant und heikel ist auch die politische Argumentation der Erklärung, die sich auf die „Religionsfreiheit“ und die „Menschenrechte“ beruft.
 
7. Religions- und Glaubensfreiheit. Religionsfreiheit beinhaltet das Recht, seine Religion öffentlich zu bekennen, auszuüben, zu verbreiten und zu wechseln. Diese Freiheit entspringt unmittelbar aus der Würde des Menschen, die ihre Grundlage in der Erschaffung aller Menschen als Ebenbild Gottes hat (vgl. Genesis 1,26). Deswegen haben alle Menschen gleiche Rechte und Pflichten. Überall dort, wo irgendeine Religion für politische Zwecke instrumentalisiert wird oder wo religiöse Verfolgung stattfindet, haben Christen/innen den Auftrag, als prophetische Zeugen und Zeuginnen solche Handlungsweisen anzuprangern.

Abgesehen von der Tatsache, daß Christen keineswegs von der Bibel irgendeinen Auftrag zum politischen Protest haben, ist es auch bedenklich, wie hier mit den humanistischen „Menschenrechten“ anstatt mit Gottes Wort argumentiert wird. Hier passen sich die religiösen Sprecher des Namenschristentums in die humanistisch-säkulare Weltordnung ein und übernehmen sie für die Kirchen. Doch „Menschenrechte“ finden wir nirgends in der Bibel, sie sind ein Ausdruck des (letztlich antichristlichen) säkularen Humanismus und der Aufklärung.
Der formale Standpunkt des weltlichen Rechts wird dort problematisch, wo biblische Evangelisation als Verstoß gegen die „Menschenrechte“ z.B. der Muslime gedeutet werden kann. Diese politische Begrenzung christlicher Mission gestehen die ökumenischen Verfasser der Erklärung freiwillig zu – ein Entgegenkommen gegenüber der weltlichen Obrigkeit, das gegen Mission eingesetzt werden kann.

Schirrmacher, der auch Experte der WEA für Religionsfreiheit ist, schreibt dazu: „Doch es gab auch eine politische Frage. Hier geht es um das Ausmaß, in dem das Recht auf Religionsfreiheit, einschließlich des Rechts auf öffentliche Selbstdarstellung und auf Religionswechsel, durch andere Menschenrechte begrenzt werden kann und muss“ (S. 1). In der interreligiösen Konsultation in Lariano 2006, die diese Erklärung vorbereitete, wurde festgestellt:
 
Wir bekräftigen, dass jeder Mensch das Recht hat, für Verständnis für den eigenen Glauben zu werben, die Ausübung dieses Rechts jedoch nicht auf Kosten der Rechte und religiösen Empfindungen anderer gehen darf. Religionsfreiheit legt uns allen die nicht verhandelbare Verantwortung auf, andere Glaubensrichtungen zu respektieren und sie niemals zu diffamieren, herabzuwürdigen oder falsch darzustellen, um dadurch die Überlegenheit unseres eigenen Glaubens zu betonen. (Christliches Zeugnis…, Anhang Punkt 3)

Vordergründig gesehen sind diese Grenzen für jeden biblischen Missionar selbstverständlich. Aber diese Ausführungen können auch so gedeutet werden, daß sie den Evangeliumszeugen abverlangen, andere Religionen im Sinne des interreligiösen Dialogs als ebenfalls gute und wahre Glaubensformen anzuerkennen und nicht mehr gegen Götzendienst oder Animismus zu predigen. Damit würden diese Regeln zu Schlingen, um die echte Evangeliumsverkündigung zu erdrosseln.

Sie richten politischen Schaden an, weil sie von der weltlichen Obrigkeit im Sinne des religiösen Welteinheitsethos aufgegriffen werden können, um die wenigen abweichenden „Fundamentalisten“ abzustempeln und zu verfolgen, und das im Namen der „Toleranz“, wie dies ja jetzt schon zunehmend geschieht.

Schirrmacher schreibt dazu: „Mit dem Dokument hat die Weltchristenheit klargestellt, dass nicht alles, was im Namen religiöser Freiheit getan wird, durch Menschenrechte gerechtfertigt ist. Von christlicher Seite wird klargestellt, dass Mission nicht Teil der ‚Missio Dei‘ sein kann, wenn sie Menschenrechte anderer verletzt. Menschenrechtsdenken ist ökumenisches Erbe aller drei Organisationen“ (S. 7).

Daß diese „Menschenrechts“-Argumentation als Waffe gegen biblische Mission gerichtet werden kann, ist keine leere Befürchtung; das ist vielfach, z.B. in bezug auf Eingeborenenstämme, schon geschehen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß diese „Welteinheit“, die beansprucht, im Namen der 95% Namenschristen auf der Welt zu sprechen, künftig zunehmend mit der weltlichen Obrigkeit zusammenwirkt, um die wenigen echten Christen in ihrem Evangeliumszeugnis zu behindern.

Die weltliche Obrigkeit dürfte im Sinne eines „Religionsfriedens“ zunehmend versuchen, die unbequeme und Spannungen fördernde christliche Evangelisation einzuschränken oder gar zu verbieten; da kommt die Argumentation mit den „Menschenrechten der anderen“ ganz gelegen. Und man kann dann sagen: Was wollt ihr denn? Die offiziellen Sprecher der Weltchristenheit haben sich doch genau darauf verpflichtet! Diese Erklärung baut Druck auf, Mission nur noch im perversen Sinn der ökumenischen „Mission Gottes“ zu betreiben und nicht mehr im ursprünglichen biblischen Sinn.

Wenn man bedenkt, daß noch vor einigen Jahrzehnten konservative Evangelikale deutlich gegen die ökumenisch-liberaltheologischen Verführungslehren von der Missio Dei, von der „Kontextualisierung“ und dem „Dialog zwischen den Religionen“ Einspruch erhoben haben, dann wird an der heutigen Position der Weltweiten Evangelischen Allianz der Abfall vom biblischen Glauben erschreckend deutlich. Auf einer Tagung in Korea wurde eine „Konvergenz [zunehmende Übereinstimmung] zwischen ökumenischem und evangelikalen Verständnis von Einheit und Mission“ festgestellt (Schirrmacher S.6). Und kaum ein konservativer Evangelikaler erhebt heute noch seine Stimme gegen diese Entwicklung. Der ehemals bibeltreu denkende Theologe Schirrmacher stellte zufrieden fest: „Es ist erstaunlich, dass es keine wirklich prinzipielle Kritik an dem Dokument gegeben hat“ (S. 2).

Doch wahre Gläubige werden sich von solchem politisch-religiösen Druck nicht abhalten lassen, die biblische Wahrheit zu bezeugen. Auch wenn eine klare Evangeliumsverkündigung von den Mächtigen der römischen Kirche, der liberalen Ökumeniker und der liberal und ökumenisch gewordenen Evangelikalen mehr und mehr ausgegrenzt und verurteilt werden sollte – wir wollen weiter die kostbare Rettungsbotschaft von Jesus Christus bezeugen und verkündigen nach dem Vorbild des Apostels Paulus, so wie das Wort Gottes es uns gebietet:
 
Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht; denn es ist Gottes Kraft zur Errettung für jeden, der glaubt (…) (Röm 1,16)

und sprachen: Ihr Männer, was tut ihr da? Auch wir sind Menschen, von gleicher Art wie ihr, und verkündigen euch das Evangelium, daß ihr euch von diesen nichtigen [Götzen] bekehren sollt zu dem lebendigen Gott, der den Himmel und die Erde gemacht hat, das Meer und alles, was darin ist! (Apg 14,15)

Darum lassen wir uns nicht entmutigen, weil wir diesen Dienst haben gemäß der Barmherzigkeit, die wir empfangen haben, sondern wir lehnen die schändlichen Heimlichkeiten ab; wir gehen nicht mit Hinterlist um und fälschen auch nicht das Wort Gottes; sondern indem wir die Wahrheit offenbar machen, empfehlen wir uns jedem menschlichen Gewissen vor dem Angesicht Gottes. (2Kor 4,1-2)

Denn ihr wißt selbst, Brüder, daß unser Eingang bei euch nicht vergeblich war; sondern, obwohl wir zuvor gelitten hatten und mißhandelt worden waren in Philippi, wie ihr wißt, gewannen wir dennoch Freudigkeit in unserem Gott, euch das Evangelium Gottes zu verkünden unter viel Kampf. Denn unsere Verkündigung entspringt nicht dem Irrtum, noch unlauteren Absichten, noch geschieht sie in listigem Betrug; sondern so wie wir von Gott für tauglich befunden wurden, mit dem Evangelium betraut zu werden, so reden wir auch - nicht als solche, die den Menschen gefallen wollen, sondern Gott, der unsere Herzen prüft. (1Thess 2,1-4)
 
 
 
Quellen:

http://www.mission-respekt.de/

Ökumenischer Rat der Kirchen / Päpstlicher Rat für den Interreligiösen Dialog /Weltweite Evangelische Allianz (Hg.): Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt (engl. Christian Witness in a Multi-Religious World) Link: http://missionrespekt.de/fix/files/original-ohne_das.de.pdf

Thomas Schirrmacher:  „Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt“ – zweieinhalb Jahre später. Sonderdruck „Mission Respekt“. Link: http://missionrespekt.de/fix/files/05wasBisherGeschah-Schirrmachertext.pdf

Christian Troll SJ, Thomas Schirrmacher: „Der innerchristliche Ethikkodex für Mission. Eine Einführung“. Materialdienst der EZW 74 (2011) 8: 293-295. Link: http://missionrespekt.de/fix/files/Der-innerschristliche-Ethikkodex-fuer-mission.pdf

Rudolf Ebertshäuser: Soll die Gemeinde die Welt verändern? Das „Soziale Evangelium“ erobert die Evangelikalen. Steffisburg (Edition Nehemia) 2014

Rudolf Ebertshäuser: Zerstörerisches Wachstum. Wie falsche Missionslehren und verweltlichte Gemeindebewegungen die Evangelikalen unterwandern. Steffisburg (Edition Nehemia) 3. Aufl. 2015
 
 
Rudolf Ebertshäuser    www.das-wort-der-wahrheit.de   26. 1. 2015
 

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Die Ökumenebestrebungen in der Endzeitchristenheit
 
Ökumene – wohin führt die Einheit aller Namenschristen?


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