Biblische Evangeliumsverkündigung statt ProChrist 2013

02.03.2013 | 21:14  Uhr

Die ökumenische Großevangelisation ProChrist wird vom 3. – 10. März dieses Jahres das letzte Mal im altbekannten Rahmen mit Pfarrer Ulrich Parzany als Hauptredner veranstaltet. In der Porsche-Arena in Stuttgart finden die zentralen Abende statt, die in vielen verschiedenen Veranstaltungsorten übertragen werden, wo jeweils ein breites Bündnis von christlichen Gemeinden vor Ort einlädt und ein kürzeres Rahmenprogramm gestaltet.
 
Wie kürzlich bekanntgegeben wurde, stehen der größten christlichen Veranstaltung Europas einige einschneidende Veränderungen bevor. Der 72jährige Ulrich Parzany tritt als Prediger in den Ruhestand und scheidet auch aus dem ProChrist-Vorstand aus; an seine Stelle tritt, durchaus dem Geist der Zeit entsprechend, ein Team von fünf jüngeren „Evangelisten“, darunter erstmals eine Frau, Elke Werner, die Leiterin des „Christus-Treffs“ Marburg. Die anderen neuen Namen sind Pastor Dr. Matthias Clausen, der Dozent und JesusHouse-Leiter Klaus Göttler, Pastor Carsten Hokema (48) und der Theologe Steffen Kern.
 
Eine gewichtige Rolle spielt der Dozent am Evangelistenseminar „Johanneum“ in Wuppertal, Klaus Göttler, der sowohl im neuen Vorstand wie im „Evangelistenteam“ vertreten ist. 1. Vorsitzender von ProChrist ist in Zukunft Roland Werner, der CVJM-Generalsekretär, der sich schon lange für ProChrist engagierte und 1998 und 2000 bei dem ProChrist-Jugendevent JesusHouse predigte. Die stellvertretende Vorsitzende ist wie bisher die Geschäftsführerin Margarete Hühnerbein (geb. Loh), die zu der bekannten Loh-Unternehmerfamilie gehört, die wiederum viele Aktivitäten der evangelikalen Welt finanziell maßgeblich unterstützt. Auch der ProChrist-Geschäftsführer Michael Klitzke gehört zum neuen geschäftsführenden Vorstand.
 
 

Rückblick: Die verführerische Rolle von ProChrist

 
ProChrist ist von Anfang an auf recht unterschiedliche Reaktionen unter bibeltreuen Christen gestoßen. Manche haben eher pragmatisch begrüßt, daß „überhaupt noch“ das Evangelium verkündet wurde, und waren bereit, gewisse negative Gesichtspunkte deshalb zu tolerieren. Andere dagegen sahen besorgt, wie durch diese Kampagne das Evangelium „modernisiert“ und menschlich verwässert wurde und wie besonders auch das weltlich-seichte Unterhaltungs- und Show-Rahmenprogramm, das als „zeitgemäß“ beworben wird, einer echten Umkehr der eingeladenen Menschen entgegenstand.
 
Pro Christ war eine typische modern-evangelikale Initiative. Ein wesentliches Vorbild war das Evangelisationskonzept von Billy Graham, der ja auch die ersten Vorträge 1993 hielt und dann den Stab an Ulrich Parzany übergab. Von Graham wurde auch die ökumenische Ausrichtung übernommen, nach der vor Ort grundsätzlich alle nominal christlichen Kräfte – einschließlich der römischen Kirche, liberaler protestantischer Kirchen, der Pfingstler und irgendwelcher Sondergruppen – zusammenarbeiten sollten. ProChrist griff auch Elemente US-amerikanischer (christlicher und weltlicher) Fernsehshows auf und verband sie mit dem „besucherfreundlichen“ Gottesdienstkonzept von „Willow Creek“ und Rick Warren.
 
Wenn wir nun nach 20 Jahren ProChrist (1993 Essen; 1995 Leipzig; 1997 Nürnberg; 2000 Bremen; 2003 Essen; 2006 München; 2009 Chemnitz; 2013 Stuttgart) einmal Rückblick und Zwischenbilanz halten und versuchen, diese Aktion nach biblischen Maßstäben zu beurteilen, dann werden einige Grundprobleme deutlich:
 
 
1. ProChrist übermittelt eine verweltlichte, verwässerte Botschaft
 

Viele Christen bringen zur Verteidigung von ProChrist vor, daß doch wenigstens das Evangelium über dieses Mittel zu sehr vielen Menschen getragen wird. Doch eine genauere Prüfung dieser Kampagne nach den Maßstäben der Bibel läßt hier schwere Defizite und Verfälschungen offenbar werden.
 
Das beginnt mit dem Rahmenprogramm, das in dieser Frage nicht unterschätzt werden darf, weil es die Zuhörer für das Folgende einstimmt und in eine bestimmte Ausgangslage versetzt. Dort bekommt der suchende Mensch ein Potpourri von weltlicher Unterhaltung angeboten, das lediglich mit gewissen „christlichen“ Inhalten garniert ist. Rock und Popsänger und –Tänzer, Kabarett, Clowns, Prominenteninterviews, Witzchen hier und da – alles trägt dazu bei, eine lockere, leichtfertige „Wohlfühl“-Atmosphäre zu schaffen, die die Menschenherzen eher gegenüber der biblischen Ewigkeitsbotschaft verschließt als öffnet.
 
Wenn der Apostel Paulus Sorge hatte, daß das Evangelium von Christus durch den Einsatz von Rhetorik (Redeweisheit) entkräftet werden könnte (1Kor 1,17: „nicht in Redeweisheit, damit nicht das Kreuz des Christus entkräftet wird“), wieviel mehr macht dieses verführerisch-lockere, verweltlichte Vorprogramm alle ernste Botschaft von der Ewigkeit kraftlos und unwirksam an den Herzen der Zuhörer! Wie weit sind wir (nicht nur bei ProChrist!) von den Worten des großen Apostels entfernt, der bezeugte:
 
So bin auch ich, meine Brüder, als ich zu euch kam, nicht gekommen, um euch in hervorragender Rede oder Weisheit das Zeugnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hatte mir vorgenommen, unter euch nichts anderes zu wissen als nur Jesus Christus, und zwar als Gekreuzigten. Und ich war in Schwachheit und mit viel Furcht und Zittern bei euch. Und meine Rede und meine Verkündigung bestand nicht in überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht auf Menschenweisheit beruhe, sondern auf Gottes Kraft. (1Kor 2,1-5)
 
Vor kurzem stieß ich auf die Worte eines bekannten Verkündigers aus den USA, Henry Allan Ironside, der eine Zeitlang Pastor der bekannten Moody Church in Chicago war. Dieser treue Mann Gottes schrieb schon 1947 in seiner Auslegung des 2. Timotheusbriefs zu 2Tim 3,4:
 
„Sie lieben das Vergnügen, anstatt Gott zu lieben“. Könnte man nicht meinen, diese Worte seien von einem feurigen Prediger unserer Zeit geschrieben worden? Wie treffend kennzeichnen sie in einem kurzen Satz den herausragenden Wesenszug der religiösen Welt. Die Gemeinde Gottes ist in das Unterhaltungsgeschäft eingestiegen! Die Leute müssen Spaß haben, und weil die Gemeinde das Geld der Leute braucht, muß sie zwangsläufig das Gewünschte liefern und das Begehren stillen! Wie sonst sollen die Heuchler, die Gott nicht kennen, bei der Stange gehalten werden? Wie sonst könnte man die Scharen unbekehrter junger Leute zu den „Gottesdiensten“ locken? Also bilden die Bildvorführung und die Unterhaltung, in Form von Musicals (die man dann „heilig“ nennt) und Musikantenshows den Ersatz für die Evangeliumsverkündigung und die würdige Anbetung Gottes. Auf diese Weise werden dann Seelen, die Christus nicht kennen, in den Schlaf gelullt; man gibt ihnen das Gefühl, „religiös“ zu sein und befriedigt zugleich jede fleischliche Begierde, und das alles wird gebilligt von dem, was sich betrügerisch „Gemeinde‘ nennt! Was wird das Ende sein? Was für ein Erwachen wird das geben!
 
Und die Predigt selbst? Nun, die Verkündigung von Ulrich Parzany weist gegenüber dem, was die Bibel uns über Evangeliumsverkündigung sagt, schwerwiegende Defizite und Abweichungen auf. Parzany erwähnt zwar schon noch wesentliche Eckpunkte des biblischen Evangeliums in seinen Predigten, aber das alles ist eingepackt in einen Nebel aus Rhetorik (Redeweisheit!), psychologischen, humanistischen, humoristischen Bemerkungen, die den Ernst der Bußbotschaft der Bibel nicht wirklich zur Geltung bringen. Bestimmte Elemente des biblischen Evangeliums wie die völlige Verderbtheit des natürlichen Menschen, der Zorn Gottes über alle Sünde, die Tatsache, daß das unabhängige Ichleben des Menschen allein schon Auflehnung gegen Gott ist – all das und noch manches mehr finden wir bei Parzany nicht oder zumindest nicht in der gebotenen Klarheit ausgesagt.
 
Wie anders finden wir hier das Vorbild des Apostels Paulus, der bekennt:
 
… daß ich dem Herrn diente mit aller Demut, unter vielen Tränen und Anfechtungen, die mir widerfuhren durch die Nachstellungen der Juden; und wie ich nichts verschwiegen habe von dem, was nützlich ist, sondern es euch verkündigt und euch gelehrt habe, öffentlich und in den Häusern, indem ich Juden und Griechen die Buße zu Gott und den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus bezeugt habe. (…) Darum bezeuge ich euch am heutigen Tag, daß ich rein bin von aller Blut. Denn ich habe nichts verschwiegen, sondern habe euch den ganzen Ratschluß Gottes verkündigt. (Apg 20,19-27)
 
 
2. ProChrist trägt zur Verweltlichung und „besucherfreundlichen“ Umprogrammierung der Gläubigen und der Gemeinden bei
 
ProChrist versteht seine weltförmige, unterhaltungsorientierte Art der Gottesdienstgestaltung in gewisser Weise auch als Vorbild für Gemeinden, die ihre Gottesdienste „besucherfreundlich“ umgestalten wollen, und hat in mancher Hinsicht die Ausbreitung der verführerischen Einflüsse der Gemeindewachstumsbewegung (Willow Creek, Leben mit Vision) gefördert und ergänzt.
 
In diesen nach den Prinzipien des Showbusiness und der weltlichen Medienpsychologie raffiniert inszenierten „Gottesdiensten“ wird ein Bild von Christsein, Glauben und Gemeinde vermittelt, das sehr weit vom biblischen entfernt ist. Durch die Teilnahme vieler Gemeindeglieder an den ProChrist-Veranstaltungen wird der Eindruck ausgebreitet, dies sei die richtige, „zeitgemäße“ Form eines Gottesdienstes.
 
Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist! Wenn jemand die Welt lieb hat, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm. Denn alles, was in der Welt ist, die Fleischeslust, die Augenlust und der Hochmut des Lebens, ist nicht von dem Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht und ihre Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit. (1Joh 2,15-17)
 
Ihr Ehebrecher und Ehebrecherinnen, wißt ihr nicht, daß die Freundschaft mit der Welt Feindschaft gegen Gott ist? Wer also ein Freund der Welt sein will, der macht sich zum Feind Gottes! Oder meint ihr, die Schrift rede umsonst? Ein eifersüchtiges Verlangen hat der Geist, der in uns wohnt; um so reicher aber ist die Gnade, die er gibt. Darum spricht er: »Gott widersteht den Hochmütigen; den Demütigen aber gibt er Gnade«. So unterwerft euch nun Gott! Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch; naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch! Reinigt die Hände, ihr Sünder, und heiligt eure Herzen, die ihr geteilten Herzens seid! (Jak 4,4-8)
 
Das Vorprogramm von ProChrist predigt Weltliebe und Weltförmigkeit in die Herzen der mehr oder weniger „christlichen“ Zuschauer: Selbstliebe und Selbstverwirklichung, Unzucht in Kleidung, Tanzbewegungen und Liedbotschaften, Starkult, Schauen auf menschliche Ehre und Rang („Prominenteninterviews“), Witzeleien und Ehrfurchtslosigkeit in geistlichen Dingen, die sinnliche, rebellischem, aus der Finsternis kommende Rock- und Popmusik prägt die meisten Beiträge.
 
 
3. ProChrist fördert die ökumenische Vermischung und Irreführung
 
Eine entscheidende Gefahr von ProChrist ist das vorher erwähnte konsequent ökumenische Prinzip, demzufolge vor Ort Gemeinden und Gruppen der unterschiedlichsten Ausrichtung gezwungenermaßen „vertrauensvoll zusammenarbeiten“, einschließlich z.B. liberaler Großkirchen oder Katholiken. Das aber widerspricht Gottes Wort, das uns gebietet, nicht in einem ungleichen Joch mit Ungläubigen zu sein (2. Korinther 6,14-18). Durch die Vermischung mit Irrlehren wie dem falschen katholischen Evangelium, der bibelkritischen Liberaltheologie oder dem Sauerteig der Charismatik werden noch gesunde Gemeinden und Gläubige angesteckt und verführt.
 
Zieht nicht in einem fremden Joch mit Ungläubigen! Denn was haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit miteinander zu schaffen? Und was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus mit Belial überein? Oder was hat der Gläubige gemeinsam mit dem Ungläubigen? Wie stimmt der Tempel Gottes mit Götzenbildern überein? Denn ihr seid ein Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: »Ich will in ihnen wohnen und unter ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein«. Darum geht hinaus von ihnen und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt nichts Unreines an! Und ich will euch aufnehmen, und ich will euch ein Vater sein, und ihr sollt mir Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allmächtige. Weil wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so wollen wir uns reinigen von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes zur Vollendung der Heiligkeit in Gottesfurcht! (2Kor 6,14 - 7,1)
 
Bei ProChrist wird darauf geachtet, daß schon in der Vorbereitung z.B. alle Pastoren oder Mitarbeiter sich abwechselnd in Gemeinden treffen, um miteinander zu beten oder Besprechungen abzuhalten; dadurch wird die biblisch gebotene Abgrenzung zu Irrlehren (wie etwa der Charismatik, der Bibelkritik, dem römischen Katholizismus) durchbrochen, und der Sauerteig der Irreführung breitet sich auch in Gemeinden und unter Gläubigen aus, die zuvor noch halbwegs klar standen. „Ihr lieft gut; wer hat euch aufgehalten, daß ihr der Wahrheit nicht gehorcht? Die Überredung kommt nicht von dem, der euch berufen hat! Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig“ (Gal 5,7-9).
 
 

Die zwiespältige Stellung von Ulrich Parzany

 
Viele Gläubige sind verwirrt in bezug auf die Stellung, die Ulrich Parzany selbst einnimmt. Er, der erste Vorsitzende und Prediger, stand in seiner Person weitgehend für das, was ProChrist war und wollte. Viele auch bibeltreu geprägte Christen hörten in seinen Predigten immer wieder einmal auch gute, zutreffende Aussagen, und dachten von daher, daß Parzany selbst doch noch ein guter Prediger des echten Evangeliums sei. Doch wir haben oben schon kurz angedeutet, daß man das nur denken kann, wenn man eine ziemlich verkürzte Sicht von der Evangeliumsbotschaft hat. Parzany hat vieles nicht mehr klar gesagt und manches gar nicht gesagt, und seine Predigten können unseres Erachtens dem hohen biblischen Maßstab echter Evangeliumsverkündigung, auf den wir uns oben in 1. Korinther 1 bezogen haben, nicht genügen.
 
Man hört einerseits manches Richtige, Konservativ Klingende von Parzany; andererseits ist er mit verantwortlich für die Ausrichtung etwa der „Jugendevangelisation“ JesusHouse, bei der 1998 und 2000 zunächst Roland Werner, dann 2004 und 2007 Christina Riecke/Brudereck, Emerging-Church-Sprecherin und religionsvermischende Predigerin eines falschen Evangeliums, zusammen mit dem Schauspieler und Kabarettisten Torsten Hebel predigte. Durch seine prominente Beteiligung an der ökumenischen Verführungsaktion „Miteinander für Europa“ in Stuttgart 2007, bei der Extremcharismatiker und marianische Aktivisten der römischen Kirche stark vertreten waren, setzte Parzany ein Signal in Richtung der endzeitlichen ökumenischen Vermischung. ProChrist ist, wie auch zahlreiche CVJM-Ortsverbände, nach wie vor an dieser irreführenden Initiative beteiligt.
 
Man muß einerseits anerkennen, daß Ulrich Parzany in den letzten Jahren immer wieder auch zentrale Elemente des biblischen Evangeliums verteidigt hat, so erst kürzlich wieder in einem Streitgespräch mit dem liberalen Theologen (Idea 9/2013). Das heißt aber leider nicht, daß er den ganzen Ratschluß Gottes verkünden würde, wie ich in meiner Schrift über ProChrist gezeigt habe (Pro Christ oder biblische Evangelisation?). Parzany hat sich auch öffentlich gegenüber den Irrlehren eines Johannes Reimer und den Vertretern der „Transformationstheologie“ abgegrenzt. Das wollen wir nicht gering achten. Leider aber arbeitet(e) er dennoch mit diesen Leuten vertrauensvoll zusammen; Johannes Reimer ist z.B. auch im Kuratorium von ProChrist.
 
Ulrich Parzany hat die offen liberaltheologische Irrlehre der „Gesellschaftstransformation“ kritisiert, aber er hat dennoch nicht mehr das klassische biblisch-evangelikale Verständnis von Mission und Evangelisation, nachdem es der alleinige Auftrag der Gemeinde gegenüber der Welt ist, das rettende Evangelium zu bezeugen. Parzany vertritt erkennbar schon die erste Stufe der Verführung durch das „Soziale Evangelium“, nämlich daß das sozialpolitische Engagement ein wichtiger Teil des Auftrages der Gemeinde sei. Das ist der Stand, den die Lausanner Verpflichtung von 1974 einnimmt, und diese früheren Positionen der Lausanner Bewegung scheint Parzany heute noch festzuhalten – wobei die Lausanner Bewegung inzwischen längst weiter in Richtung Ökumene abgedriftet ist und insgesamt den missionalen Irrlehren und der „Transformationstheologie“ zuneigt.
 
Aus bibeltreuer Sicht ist aber auch die Stellung eines Ulrich Parzany nicht schriftgemäß und haltbar. Wir sollten klar und einfältig daran festhalten, daß wir der Welt allein das Evangelium von der ewigen Errettung in Christus schulden (das durch gute Werke unterstrichen wird), aber keinerlei sozialpolitischen Aktionen, Engagement für „Weltveränderung“ oder Eintreten für „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“.
 
Denn was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber sein Leben verliert? Oder was kann der Mensch als Lösegeld für sein Leben geben? (Mt 16,26)
 
Wir möchten betonen, daß wir nicht die Richter über Ulrich Parzany sind und uns kein Urteil über seine Motive oder seinen geistlichen Stand erlauben können. Das weiß allein der Herr, vor dem alle Herzen offenbar sind. Was wir nur beurteilen können und müssen, sind die Früchte von Parzanys Dienst und von ProChrist, und da müssen wir das Unbiblisch und Gefährliche deutlich kennzeichnen.
 
 

Ausblick: Was kommt nach Parzany?

 
Mit der Verabschiedung Parzanys hat die Aktion ProChrist einen deutlichen Schritt in einen neuen Abschnitt ihres Wirkens getan. Wohin geht die Reise? Sicherlich muß das genauer beobachtet werden, aber die Personalien der „neuen“ Prediger (die praktisch alle schon vorher im Vorstand von ProChrist mitwirkten) lassen schon einige Schlußfolgerungen zu. Grundsätzlich kann man feststellen, daß jetzt Leute nach vorne treten, die eine volle Generation jünger sind als Parzany oder der scheidende Vorsitzende Raimund Utsch, und die ihre prägenden Erfahrungen vielfach in der Jugendarbeit, besonders in dem verführerischen Event „Christival“ und bei „Jesus House“, gemacht haben.
 
Elke Werner (56), die „Älteste“ in dem neuen Verkündigerkreis, ist seit einiger Zeit die Leiterin des „Christus-Treffs“ Marburg. Damit übertritt sie in zweifacher Weise die klaren Gebote Gottes; als Frau eine Gemeinde zu leiten und damit über Männer Autorität auszuüben hat der Herr Jesus Christus durch Seinen Apostel ausdrücklich verboten (1Tim 2,11-14). Aber auch die öffentliche Verkündigung des Evangeliums vor einem gemischten Publikum, der Evangelistendienst, ist von der Bibel her Männern vorbehalten (vgl. Eph 4,11). Elke Werner leitet die Gemeinde, in der auch führende Sprecher der Emerging Church wie Tobias Faix ihre Heimat haben; als Mitglied des Kuratoriums für den „Studiengang Gesellschaftstransformation“ engagiert sie sich öffentlich für die Irrlehre des „Sozialen Evangeliums“, dem ihr Vorgänger Parzany immerhin noch entgegentrat.
 
Dr. Matthias Clausen (40), war von 2000 bis 2004 Reisesekretär der Hochschul-SMD, evangelischer Pastor und längere Zeit Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Greifswalder Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung (Leitung Prof. Michael Herbst). Clausen, der auch schon bei JesusHouse predigte, ist von der Evangelischen Hochschule Tabor zum Wintersemester 2013/2014 für die Karl-Heim-Professur für Evangelisation und Apologetik berufen worden – damit ist auch eine Nähe zum „Christus-Treff“ und anderen Netzwerken gegeben. Auf jeden Fall gibt Clausen als eines seiner Forschungsinteressen das Thema „Evangelisation und Postmoderne“ an. In einem Aufsatz „Evangelistisch predigen im Horizont der Postmoderne“, erschienen im Sammelband „Kirche in der Postmoderne“, äußert er sich sehr offen und verständnisvoll für die „Evangelisationsmethoden“ der Emerging Church und führt auch Brian McLaren zustimmend an.
 
Klaus Göttler (47), eine Zeitlang Leiter der Missionarischen Arbeit und Jugendevangelist im deutschen „EC“-Verband (Deutscher Jugendverband „Entschieden für Christus“), aber auch Musiker und „Anbetungsleiter“ dort, Dozent an der „Evangelistenschule Johanneum“ in Wuppertal und Leiter der ProChrist-„Jugendevangelisation“ JesusHouse, war verantwortlich für den Einsatz von Christina Brudereck in den Jahren 2004 und 2007. Christina Brudereck ist eine der führenden Gestalten der deutschsprachigen emergenten Bewegung und verbreitet ein falsches, mystisches, religionsvermischendes Evangelium. Wenn Göttler das toleriert bzw. aktiv gefördert hat, dann verspricht das nicht viel Gutes für die Zukunft. Göttler sitzt übrigens mit den emergenten Sprechern Tobias Faix und Daniel Rempe im Vorstand des Christival e.V.
 
Carsten Hokema (48) ist Pastor im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten) und Referent im dortigen „Dienstbereich Mission“, engagierte sich u.a. in „alternativen“ Formen der „Evangelisation“ wie „Ewigkite.de“ (Drachenflieger), „Aufblasbare Kirche“, „Kirchen-Hüpfburg“. Auch er macht den Eindruck einer Offenheit für „postmoderne Evangelisation“; es wird sich zeigen, wie seine Verkündigung dann ausfällt.
 
Steffen Kern (39), Theologe, Journalist und Buchautor, ist einer der Verkündiger und Leiter bei dem populären „JuGo“ (Jugendgottesdienst) in Stuttgart und seit 2008 Vorsitzender des Altpietistischen Gemeinschaftsverbandes. Er ist auch Studienleiter beim Bengel-Haus in Tübingen, im Vorstand der Ludwig-Hofacker-Gemeinde, Mitglied der Landessynode der Evangelischen Kirche in Württemberg usw. – also „pietistisches Urgestein“ der jüngeren Generation. Aber der Pietismus in Württemberg hat sich in den letzten Jahrzehnten so radikal dem Zeit- und Weltgeist angepaßt, daß das nichts mehr besagt. Auch hier wird sich zeigen, welche Botschaft Kern bringen wird.
 
In jedem Fall gilt auch hier eine traurige Gesetzmäßigkeit der endzeitlichen Entwicklungen: normalerweise geht es immer weiter abwärts; eine Wende zum Besseren ist sehr selten. Alle bibeltreuen Gläubigen sollten sich von diesen Abwärtsentwicklungen nicht entmutigen lassen. Unser Herr Jesus ist treu; Er stärkt jeden Einzelnen, der Ihm noch nachfolgt, zu einem gesunden, wirkungskräftigen Evangeliumszeugnis – im eigenen Lebensumfeld, bei Büchertischeinsätzen, auf der Straße, in evangelistischen Hauskreisen – das lebensspendende echte Evangelium muß noch bezeugt werden, bis unser Herr wiederkommt!
 
Daher ermahne ich dich ernstlich vor dem Angesicht Gottes und des Herrn Jesus Christus, der Lebendige und Tote richten wird, um seiner Erscheinung und seines Reiches willen: Verkündige das Wort, tritt dafür ein, es sei gelegen oder ungelegen; überführe, tadle, ermahne mit aller Langmut und Belehrung! Denn es wird eine Zeit kommen, da werden sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern sich selbst nach ihren eigenen Lüsten Lehrer beschaffen, weil sie empfindliche Ohren haben; und sie werden ihre Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Legenden zuwenden. Du aber bleibe nüchtern in allen Dingen, erdulde die Widrigkeiten, tue das Werk eines Evangelisten, richte deinen Dienst völlig aus! (2Tim 4,1-5)
 
 
 
 
Quellen:
 
http://www.prochrist.org/presse/pressemeldung-detail/2013/02/06/dr.-roland-werner-%C3%BCbernimmt-prochrist-vorsitz-verein-erweitert-das-angebot-f%C3%BCr-gemeinden-deutlich
 
http://www.miteinander-wie-sonst.org/wer-macht-mit/liste-der-beteiligten-gemeinschaften-in-d/
 
„Wie sollte das Evangelium heute verkündet werden?“ Streitgespräch zwischen U. Parzany und K.-P. Jörns. IdeaSpektrum 9/2013, S. 18-21
 
Rudolf Ebertshäuser: „Pro Christ“ oder biblische Evangelisation? Das echte Evangelium und seine moderne Umdeutung. Leonberg (Esra-Schriftendienst) 3. Auflage 2007
 
Matthias Clausen: „Evangelistisch predigen im Horizont der Postmoderne“, in: Michael Herbst/Martin Reppenhagen (Hg.): Kirche in der Postmoderne. Neukirchen-Vluyn (Neukirchener Verlagsgesellschaft) 2008, S. 183-200.
 
Ironside, Henry Allan: Timothy, Titus and Philemon. Neptune, NJ (Loiseaux Brothers) 16. Aufl. 1986, S. 217
 
 
 
Rudolf Ebertshäuser    2. 3. 2013    www.das-wort-der-wahrheit.de    
 
 
Zu diesem Beitrag können Sie auf unserer Webseite lesen:
 
"Pro Christ" oder biblische Evangelisation? Das echte Evangelium und seine moderne Umdeutung
 
Grundaussagen des biblischen Evangeliums
 
Grundzüge biblischer Evangeliumsverkündigung
 



 


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