Die Verfälschung der biblischen Lehre vom Königreich Gottes

 
Ein bearbeiteter Auszug aus dem Buch Aufbruch in ein neues Christsein? Emerging Church – der Irrweg der postmodernen Evangelikalen, S. 86-98. Alle Fußnoten und Zitatverweise sind hier getilgt und können dort nachgelesen werden.


Die im folgenden beschriebenen Lehren vom Reich Gottes sind nicht auf die Emerging Church beschränkt. Sie finden sich auch bei einigen Charismatikern und Evangelikalen. Bedenklich und in manchem verwandt ist auch die Lehre gewisser calvinistischer Kreise, die die Irrlehren des "Kirchenvaters" Augustinus übernommen haben, nach denen die Kirche angeblich an die Stelle Israels getreten sei und das Reich Gottes auf Erden verwirklichen solle. Es ist daher heute besonders wichtig, die biblische Lehre vom Reich Gottes, so wie sie in der dispensationalistischen Sicht zutreffend herausgearbeitet wurde, auf den Leuchter zu stellen. R. E.


Eng verbunden mit der oben beschriebenen üblen Verfälschung des biblischen Evangeliums ist eine verkehrte Lehre vom „Königreich Gottes“. Sie gehört zu den grundlegenden Kennzeichen der ganzen Emerging-Church-Bewegung und begegnet fast überall in ihren Verlautbarungen. Dabei spielen Einflüsse des in der Charismatischen Bewegung verbreiteten Dominionismus eine Rolle, aber auch die Lehren gewisser Theologen wie Dallas Willard und N. T. Wright. Gibbs und Bolger schreiben:

„Die Emerging Churches machen sich, gestützt auf das Werk von N. T. Wright, das Evangelium des Königreiches zu eigen, wie es in Mk 1,15-16 offenbart wird. Zu Beginn der Erzählung des Evangeliums war die gute Nachricht nicht, daß Jesus am Kreuz sterben würde, um unsere Sünden zu vergeben, sondern daß Gott zurückgekehrt war und alle eingeladen waren, mit ihm an diesem neuen Lebensstil teilzuhaben, dieser Erlösung der Welt. Dieses Evangelium sucht die Emerging Church wiederzugewinnen. Ein Führer vertraute uns an: ‚Wir haben uns vollkommen neu programmiert, um die gute Nachricht als ein Mittel zu einem Zweck anzuerkennen – daß das Königreich Gottes hier ist. (…) Wir verabschieden das Kreuz nicht; es ist immer noch ein zentraler Bestandteil. Aber die gute Nachricht ist nicht, daß er starb, sondern daß das Königreich gekommen ist’“ (54).

Sehr deutlich sagt Dan Kimball, worum es der Emerging Church geht: „Evangelisation bietet eine Einladung in das Königreich anstatt einen Weg, in den Himmel zu kommen“ (203). McLaren hat ein ganzes Buch, The Secret Message of Jesus, geschrieben, um diese „Botschaft vom gegenwärtigen Königreich“ zu propagieren, und Chalkes Buch The Lost Message of Jesus hat denselben Schwerpunkt. Nach McLaren war es das Ziel Jesu Christi, „eine politische, soziale, religiöse, künstlerische, wirtschaftliche, intellektuelle und spirituelle Revolution anzufangen, die zur Geburt einer neuen Welt führen würde“ (3). „Der König ist im Königreich, und das Königreich ist hier und jetzt unter uns – für diejenigen, die Augen haben, um zu sehen, und Ohren, um zu hören. Der König ist gegenwärtig in der Unordnung und dem Chaos des Alltagslebens auf der Erde und bringt Heilung, Sehvermögen, Wahrnehmung, Befreiung, Ganzheit, Wohlbefinden, Bewegung, Gesundheit, Erfüllung, Nahrung, gesunden Verstand und Ausgeglichenheit. Der Einfall des Königreiches Gottes hat begonnen. Wir erleben einen sanften, mitfühlenden Angriff von seiten eines Königreiches des Friedens und der Heilung und der Vergebung und des Lebens“ (60). Rob Bell schreibt:

„Für Jesus waren Himmel und Hölle Realitäten im Hier und Jetzt – genau wie sie es heute noch sind. Er sprach sehr wenig über das Leben jenseits von diesem Leben, denn er verstand das jenseitige Leben als Fortsetzung der Entscheidungen, die wir hier und jetzt treffen. Für Jesus lautete die Frage nicht: Wie kommt man in den Himmel? Die Frage lautete: Wie bringt man den Himmel hierher? (…) Als Christ will ich tun, was in meinen Kräften steht, damit sich die Hölle auf Erden nicht ausbreitet. Armut, Ungerechtigkeit, Leid – alles Hölle auf Erden. (…) Für Jesus geht es bei dem neuen Leben, das er bringt, nicht um eine Flucht aus dieser Welt, sondern es geht um eine Verbesserung dieser Welt, hier und jetzt. Jesu Ziel ist nicht, in den Himmel zu kommen. Sein Ziel ist es, den Himmel hierher zu holen.“ (139/140)

Im Verständnis der Emerging Church umfaßt das „gegenwärtige Königreich Gottes“ grundsätzlich die ganze Welt, auch die Ungläubigen, die anderen Religionen. Gott sei angeblich gegenwärtig „erlösend“ und „befreiend“ tätig, wirke in der Kultur und Gesellschaft, um Sein Königreich zu verwirklichen. Die Gemeinde sei berufen, bei diesem erlösenden Werk mitzuarbeiten durch erlösendes Handeln, d. h. in erster Linie durch Eintreten für Kunst und Kultur, für die Selbstverwirklichung der Menschen, für sozialpolitische Anliegen, für den Weltfrieden und für den Umweltschutz. Die Gemeinde müsse dem Königreich Gottes dienen und sich so umgestalten, daß sie ganz für das Königreich Gottes da sei. Es gehe um soziale Gerechtigkeit und eine „Transformation“ der Welt. Das wird auch als „Identifikation mit dem Leben von Jesus“ bezeichnet.

Gibbs/Bolger schreiben: „Das Beispiel von Jesus, als er seine Kultur mit dem Königreich konfrontierte, ist vorbildhaft für Emerging Churches. Das Evangelium, das er verkündete, bedeutete, mit Gott zusammen teilzunehmen an der Erlösung der Welt. Dieses Evangelium machen sich Emerging Churches zu eigen. (…) Emerging Churches demontieren alle Vorstellungen von Gemeinde, die das Werk des Königreiches hindern“ (235/236). „Zuerst und vor allem anderen kommt das Königreich, und die Gemeinde folgt dem. (…) Emerging Churches stellen diese Sichtweise dar, daß das Königreich vor der Gemeinde kommt. Sie sind auf die Annahme gebaut, daß die Mission, die Gott seiner Gemeinde anvertraut hat, darauf ausgerichtet ist, das Königreich zu verwirklichen, indem sie für Gott verfügbar ist und auf die Führung des Heiligen Geistes antwortet. Die Betonung des ‚Evangeliums des Reiches’ im Unterschied zum ‚Evangelium der Errettung’ durch die Emerging Churches hat eine neue Lehre von der Kirche hervorgebracht“ (91).

Diese verführerische Lehre ist im Grunde eine aufgewärmte und etwas postmodern ausstaffierte Fassung des uralten liberaltheologischen „sozialen Evangeliums“, dem es ebenfalls um die „gegenwärtige Verwirklichung des Reiches Gottes auf Erden“ durch soziale und politische Aktivitäten ging - ganz im Gegensatz zu dem Wort des Herrn Jesus, der sagte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (Joh 18,36). Dementsprechend werden als Vorbilder dieses falschen „gegenwärtigen Königreiches“, manchmal im selben Atemzug wie Jesus Christus, solche gar nicht wirklich gläubigen politischen Aktivisten wie Martin Luther King, Nelson Mandela, Desmond Tutu – und Mahatma Gandhi genannt.

 

Die biblische Lehre vom Königreich Gottes


In der Bibel finden wir verschiedene Ebenen und Formen der Königsherrschaft Gottes erwähnt. Wir müssen diese Formen gut auseinanderhalten, sonst geraten wir in Verwirrung und unter Umständen sogar in Verführung hinein; wir wollen deshalb in aller Kürze die biblische Lehre skizzieren. Zunächst einmal können wir von einer allgemeinen und überzeitlichen Königsherrschaft Gottes sprechen. „Der HERR ist König immer und ewig“ (Ps 10,16); „Der HERR thront als König in Ewigkeit“ (Ps 29,10); „Der HERR hat seinen Thron im Himmel gegründet, und seine Königsherrschaft regiert über alles“ (Ps 103,19); „Aber der HERR ist in Wahrheit Gott; er ist der lebendige Gott und ein ewiger König“ (Jer 10,10). Gott ist der Allerhöchste, der über allem thront und herrscht, von Beginn der Schöpfung bis in Ewigkeit.

Diese allgemeine Königsherrschaft Gottes schließt jedoch ein, daß Gott für gewisse Zeiten anderen Macht auf der Erde gibt. So ist der Satan im gegenwärtigen Zeitalter noch der „Fürst dieser Welt“ im unsichtbaren Bereich; er übt Macht aus in dieser Welt und beherrscht die Ungläubigen (Joh 12,31; Eph 2,2; 6,12; 1Joh 5,19). Das ist von Gott so geordnet und zugelassen, der in allem die Oberherrschaft behält. Genauso hat Gott in diesem Zeitalter Menschen, in der Regel gottlosen Menschen, Macht auf Erden gegeben (Röm 13,1-4). In dieser Zeit herrscht Gott nur indirekt, im Verborgenen; Er läßt es zu, daß die Menschen die Folgen ihres Abfalls von Ihm ernten und seufzen müssen unter der Macht des Satans und gottloser Herrscher. Die Welt ist in dieser Zeit erfüllt von Ungerechtigkeit und Willkürherrschaft, Leid und Armut, Not und Krankheit, Tod und Verderben. Die Sünde regiert; die Welt ist im Bösen.

Sodann spricht die Bibel an sehr vielen Stellen von einem zukünftigen unmittelbaren Königreich Gottes auf Erden, das am Ende der Zeiten durch den HERRN selbst aufgerichtet wird. Dieses Königreich wird dadurch gekennzeichnet sein, daß Gott selbst durch Seinen gesalbten König, den Messias (Christus) auf der Erde unmittelbar herrschen wird; der Satan wird gebunden und entmachtet sein, und die gottlosen Herrscher auf Erden werden gestürzt sein. Zu Beginn dieses Reiches werden ernste und schreckliche Gerichte über die gottlosen Menschen ergehen. Gott wird abrechnen mit all denen, die dem Antichristen gefolgt sind und nicht Buße getan haben über ihre Sünden (2Th 1 u. 2; Offb 6 – 20).

Die dann folgende Königsherrschaft Gottes auf Erden wird eine Zeit des wahren Friedens und der Gerechtigkeit sein. Die ganze Erde und besonders das Land Israel wird sich wunderbarer Segnungen erfreuen. Gott regiert sichtbar und mit unmittelbarer Autorität. Er bestraft die Sünder sofort und belohnt die Gottesfürchtigen. Er schenkt Heil und Heilung, auch eine gewisse Erneuerung der Schöpfung, umfassendes Wohlergehen und reiche Ernten. So finden wir das Königreich Gottes in den Schriften des AT angekündigt, besonders natürlich in den Propheten, aber auch in den Psalmen und an vielen anderen Stellen.

Dieses Reich Gottes war es auch, das der Herr Jesus als der gekommene Messias in Israel ankündigte: „Nachdem aber Johannes gefangengenommen worden war, kam Jesus nach Galiläa und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15-16). Wohlgemerkt: Er sagte nicht, daß dieses Königreich, das die Propheten angekündigt hatten und das Israel erhoffte, bereits gekommen sei. Es war nahe herbeigekommen (Lk 10,9), für das Volk in greifbare Nähe gerückt, aber eben noch nicht angebrochen. Es war in einem gewissen Sinn in dem Messias selbst und Seinen Wunderzeichen zu ihnen gekommen (vgl. Mt 12,28; Lk 17,21), aber sie sahen den wirklichen Anbruch dieses Königreiches eben nicht; denn das hätte das Eingreifen des Messias vom Himmel her, das Gericht über alles Böse und den Beginn der realen Friedensherrschaft auf Erden bedeutet.

Der Herr Jesus selbst sprach von diesem Königreich als einem zukünftigen Ereignis (vgl. Lk 13,28-29; Lk 19,11-15), das erst nach Seinem Kreuzestod und Seiner Auferstehung kommen würde (Lk 21,25-33; Lk 22,16-18). Dennoch war allen gläubigen, gottesfürchtigen Israeliten verheißen, daß sie nach ihrer Auferstehung Anteil an dem zukünftigen Reich des Messias haben würden (vgl. Lk 13,28); das war für sie eine wichtige Hoffnung, und in diesem Sinne trifft der Herr auch verschiedene Aussagen, die sich auch auf das zukünftige Reich beziehen (z. B. Mt 19,24; 21,31; Joh 3,3).

Das „Evangelium vom Reich Gottes“, das der Herr und Seine Apostel in Israel verkündigten, war die Heilsbotschaft von dem nahen, bevorstehenden messianischen Königreich, das dem Volk Israel durch den Messias selbst angeboten wurde. Dieses Evangelium kündigte also dem Volk Israel und nur diesem Volk an, daß es bald in die verheißenen Segnungen der unmittelbaren, in Jerusalem verwirklichten Königsherrschaft des Messias eintreten könne, wenn es Buße tue und glaube. Man beachte, daß der Herr ausdrücklich Seinen Gesandten gebot, diese Botschaft nur dem Haus Israel zu verkündigen, nicht den Heidenvölkern (Mt 10,5-8).

Wir finden diesen Begriff „Evangelium vom Reich Gottes“ nur im Zusammenhang mit Israel (bis auf die Ausnahme von Mt 24,14, auf die wir unten noch eingehen). Wenn das Volk Buße getan und den Messias angenommen hätte, dann hätten sie in dieses Königreich eingehen können (vgl. Apg 3,19-21). Nun aber verwarf das Volk als ganzes seinen Messias. Deshalb wurde das Reich Gottes von ihnen genommen und einem anderen Volk, dem Volk Gottes des Neuen Bundes, gegeben (Mt 21,43; 1Pt 2,10; Tit 2,14).

 

Das Königreich Gottes und das Evangelium der Gnade in der Heilszeit der Gemeinde


Nachdem das Volk Israel als Ganzes seinen Messias und das Angebot des Reiches verworfen hatte, setzte Gott Israel für eine Zeit beiseite und verbannte es in die Zerstreuung; nun wurde die Gemeinde als das Volk Gottes unter dem neuen Bund eingesetzt. In der Heilszeit der Gnade ruft Gott Einzelne aus den Juden und Heiden heraus, um sie in Christus zu erretten und zu einem königlichen, heiligen Priestertum für sich zu machen. Das geschieht durch die Verkündigung des Evangeliums der Gnade Gottes (Apg 20,24), das auch „Evangelium Gottes“ oder „Evangelium von Christus“ genannt wird und insbesondere dem Apostel Paulus geoffenbart wurde (Röm 16,25; 1Kor 15,1; Gal 1,6-16). Dieses Evangelium hatte der Herr vor Seiner Himmelfahrt den Jüngern schon aufgetragen: „So steht es geschrieben, und so mußte der Christus leiden und am dritten Tag aus den Toten auferstehen, und in seinem Namen soll Buße und Vergebung der Sünden verkündigt werden unter allen Völkern, beginnend in Jerusalem“ (Lk 24,46-47).

Hier geht es nicht mehr um das kommende Gottesreich (obgleich dieses als Zukunftsverheißung immer Bestandteil der Verkündigung ist), sondern um die Errettung von Menschen aus allen Völkern durch Buße und Glauben aufgrund des vollkommenen Sühnopfers Jesu Christi (vgl. Apg 26,18). Dieses Evangelium umfaßt die Gottheit und Menschwerdung Jesu Christi, Seinen stellvertretenden Opfertod für uns am Kreuz, Seine Auferstehung (vgl. 1Kor 15,1-4) und Seine Verherrlichung und Wiederkunft in Macht und Herrlichkeit; es verkündigt diese in der Schrift bezeugten Tatsachen und fordert die Menschen zu Buße, Bekehrung und Glauben an den Herrn Jesus Christus auf. Es handelt von der ewigen Errettung des sündigen Menschen aus dem gerechten Zorngericht Gottes aus lauter Gnade.

Es gibt kein anderes Evangelium, solange die Zeit der Gemeinde währt (Gal 1,6-7). Das den Juden einst verkündigte „Evangelium vom Reich“ ist heute weder für Juden noch für Heiden gültig; es ist in der heutigen Zeit nicht zur Verkündigung bestimmt, sondern wird erst nach der Entrückung der Gemeinde, kurz vor dem Anbrechen des messianischen Reiches, noch einmal unter allen Völkern verkündet werden (Mt 24,14).

In der Heilszeit der Gnade ist die wahre Königsherrschaft Gottes identisch mit der wahren Gemeinde der Wiedergeborenen (vgl. Joh 3,5; Röm 14,17). Das heißt, Gottes Königsherrschaft erstreckt sich im unmittelbaren und völligen Sinn nur auf diejenigen, die sich durch Buße und Bekehrung freiwillig Christus und Seiner Herrschaft unterworfen haben und die durch die Neugeburt Kinder Gottes wurden.

Darüber hinaus gibt es noch ein „Reich Gottes“ im weiteren Sinn, von dem uns die Gleichnisse in Matthäus 13 Zeugnis geben. Hier ist jeder mit einbezogen, der sich zu Christus bekennt, also auch die große Masse der unbekehrten, nicht wiedergeborenen Namenschristenheit. Sie gehören äußerlich in den weiteren Kreis des Reiches Gottes, was sie nicht errettet, sondern im Gegenteil ihre Sünde und Verantwortung vor Gott größer macht. Ihrem Wesen nach gehören sie nicht in das Reich Gottes, was die Bilder der Gleichnisse (unfruchtbare Saat, Unkraut, großer Baum, Sauerteig) sehr deutlich machen. Die gottfeindliche Welt der Nichtchristen und Angehörigen anderer, götzendienerischer Religionen aber kann in keinem Sinn als Teil des „Königreiches Gottes“ bezeichnet werden; sie ist Teil des Machtbereiches der Finsternis und des Fürsten dieser Welt.

 

Das verführerische „Evangelium des Reiches“ heute


Wenn die Führer der Emerging Church ausdrücklich das von Paulus verkündigte Evangelium der Gnade geringschätzen oder sogar als „einseitig“ oder „verkürzt“ verwerfen, so begehen sie damit die Sünde der Häresie – sie verbreiten eine verderbenbringende Irrlehre und ein falsches Evangelium, das niemanden erretten kann und sie unter einen Fluch bringt. Sie behaupten, ihr „Evangelium vom Reich“ sei dasselbe wie das von dem Herrn auf Erden unter dem Volk Israel verkündigte; das ist jedoch nicht wahr.

Der Herr Jesus verkündigte, daß das messianische Friedensreich für die Juden nahe herbeigekommen war, und forderte sie auf, Buße zu tun und an Ihn als den Messias zu glauben, damit sie in dieses Reich eingehen konnten. Er verkündigte diese Botschaft auch den Sündern, den Huren und Zöllnern und hatte zu diesem Zweck auch Umgang mit ihnen – aber die falschen Lehrer der Emerging Church verschweigen, daß der Herr immer klar sagte, daß Buße, klarer Bruch mit der Sünde, und Glaube an Ihn die Vorbedingung für den Eingang in das kommende Reich waren. Dieses Reich war überhaupt nicht so „inklusiv“, wie behauptet wird – immer wieder droht der Herr damit, daß diejenigen, die nicht Buße tun, draußen sein werden, und das war die große Mehrheit des damaligen Volkes. Der Herr sagt klar, daß Seine wahren Nachfolger, die das Reich erben, nur eine „kleine Herde“ sein würden (Lk 12,32).

Das emergente Falschevangelium vom „gegenwärtigen Königreich“ verfälscht die biblische Wahrheit in mehreren entscheidenden Punkten:

1. Es erstreckt sich angeblich auf die ganze Welt, ausdrücklich auch auf die gottlose Kultur (z. B. die Pop- und Rockmusik, die Künste, die Discotheken), auf die Ungläubigen, die New-Age-Bewegung und die anderen Religionen, auf Politik und Wirtschaft; überall dort ist angeblich Gott am Wirken und „erlöst“, „befreit“ und „heilt“ schon jetzt die ganze Welt – und zwar ohne biblische Buße und Glauben an Jesus Christus. Die Bibel unterscheidet aber ganz klar zwischen der gottlosen Welt, die in der Finsternis ist, und den Menschen, die durch Buße und Glauben zum Reich des Lichts, zum Reich Gottes durchgedrungen sind.

2. Es verleugnet die klare biblische Botschaft, daß am Ende dieser Heilszeit ein ernstes und gewaltiges Gericht über diese böse, gottlose Welt gehen wird:

„Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb in der Nacht; dann werden die Himmel mit Krachen vergehen, die Elemente aber vor Hitze sich auflösen und die Erde und die Werke darauf verbrennen. Da nun dies alles aufgelöst wird, wie sehr solltet ihr euch auszeichnen durch heiligen Wandel und Gottesfurcht, indem ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und ihm entgegeneilt, an welchem die Himmel sich in Glut auflösen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden! Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt.“ (2Pt 3,10-13)

Stattdessen wird eine völlig unbiblische rosige Perspektive gezeichnet. Tony Jones sagt über die Zukunftssicht der Emerging Church: „Wenn es eine zentrale Überzeugung gibt, die deutlich greifbar ist, so ist das eine Eschatologie [= Lehre von den zukünftigen, letzten Dingen, RE] der Hoffnung. Damit meine ich, daß die Leute, die bei der Emerging Church rumhängen, dazu neigen, in Gottes Zukunft Gutes und Licht zu sehen, nicht Finsternis und Zähneknirschen. (…) Gottes verheißene Zukunft ist gut, und sie erwartet uns und lockt uns vorwärts. Wir sind gefangen in dem Traktorstrahl [ein magischer Transportstrahl in der Science Fiction, RE] von Erlösung und Neuschöpfung, und es hat keinen Sinn, dagegen zu kämpfen, deshalb können wir auch gleich mitarbeiten“ (130).

3. An diesem „inklusiven Reich“, das oft als „alternativer, jesusähnlicher“ Lebensstil im Sinne der Bergpredigt dargestellt wird, kann jeder sich beteiligen, auch ohne Buße und rettenden Glauben an Christus. Ungläubige sind ausdrücklich aufgefordert, mitzumachen und sich an der „alternativen Anbetung“ sowie an „erlösenden Handlungen“ zur „Verbesserung der Welt“ zu beteiligen. Ein „Reich Gottes“, in dem der verpönte „Dualismus“ (Gegensatz zweier Grundsätze) von Licht und Finsternis ausgeblendet ist (vgl. 2Kor 6,14-18!), ist aber in Wahrheit das Reich des Gottes dieser Welt, nicht die biblische Königsherrschaft des heiligen Gottes.

4. Die Emerging Church stellt dieses Reich auch als eine politisch-gesellschaftliche Revolution dar, als Verwirklichung von Friede und Gerechtigkeit in dieser Welt schon jetzt. Dabei sind sie offen für Zusammenarbeit mit allen möglichen weltlichen gesellschaftlich-politischen Gruppen – z. B. mit Buddhisten, Marxisten, New Agern. Charakteristisch ist die offene Bewunderung von Martin Luther King, der sozialistisch gesinnt war und das biblische Evangelium verleugnete, sowie des Hinduisten Gandhi und seiner „jesusähnlichen“ gewaltlosen Widerstandsbewegung.

5. Jedes „Reich“, das nicht der wiederkommende Herr Jesus Christus persönlich nach der Schrift (d. h. mit Gericht in Feuerflammen) aufrichtet, sondern das von Menschen anstatt von Christus hier und heute verwirklicht werden soll, ist nicht das echte Reich Gottes, sondern eine heidnische Fälschung. Wir dürfen nicht vergessen, daß, bevor unser Herr vom Himmel her in Macht und Herrlichkeit Sein Reich aufrichtet, zuerst ein anderes Reich aufgerichtet werden muß, das Reich des Antichristen, der sich „christlich“ und „menschenfreundlich“ geben wird, aber sein Reich in Rebellion gegen den wahren Gott baut. Dieses pseudochristliche Reich tritt wahrhaft „hier und jetzt“ schon in Erscheinung, und man braucht weder Glaube an Christus noch Erlösung von seinen Sünden, um dort „mitzumachen“. Letztlich ist das „Königreich Gottes“ der Emerging Church eine Spielart des „neuen Zeitalters“ der New-Age-Bewegung und führt Menschen in das Reich des Antichristen.



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Weiterführende Literatur:
 
 
Rudolf Ebertshäuser: Zerstörerisches Wachstum. Wie falsche Missionslehren und verweltlichte Gemeindebewegungen die Evangelikalen unterwandern. Steffisburg (Edition Nehemia) 3. Aufl. 2015; gebunden, 544 S.
 
Rudolf Ebertshäuser: Aufbruch in ein neues Christsein? Emerging Church - Der Irrweg der postmodernen Evangelikalen. Steffisburg (Edition Nehemia) 2008, Taschenbuch, 256 S.
 
Rudolf Ebertshäuser: Soll die Gemeinde die Welt verändern? Das "Soziale Evangelium" erobert die Evangelikalen. Steffisburg (Edition Nehemia) 2014, Taschenbuch, 276 S.
 

Material auf den Webseiten www.das-wort-der-wahrheit.de und www.distomos.blogspot.de
 
 
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