Verkündige das Wort!
Der Aufruf zu kompromißlosem Dienst in Predigt und Lehre in 2. Timotheus 4,1-2



Ein gekürzter Auszug aus dem Buch von Rudolf Ebertshäuser: Bewahre Das Wort! Eine Auslegung des 2. Timotheusbriefes (Steffisburg: Edition Nehemia 2013)
 

Noch ein letztes Mal ermahnt der Apostel, der vor den Toren der Ewigkeit steht, den jungen Timotheus und mit ihm alle berufenen Verkündiger des Wortes Gottes. Er sieht durch den Geist Gottes voraus, daß in künftigen Zeiten die Gläubigen bzw. diejenigen, die sich zu Christus bekennen, vielfach das Wort der Heiligen Schrift nicht mehr willig aufnehmen, sondern ihm Widerstand entgegensetzen. Das gilt im besonderen Maß für die letzte Phase der Endzeit, in der wir heute leben. Um so wichtiger ist es dem Herrn, daß die Verkündiger das Wort unverkürzt und unverfälscht, klar und kompromißlos weitergeben und lehren. Das bedeutet auch Kämpfe und Leiden, aber es ist entscheidend wichtig, daß die Diener des Wortes vor Gott stehen und nicht Menschen zuliebe predigen.
 
 
Kompromißloser Heroldsdienst vor dem Angesicht Gottes
 
2Tim 4,1     Daher ermahne ich dich ernstlich1 vor dem Angesicht Gottes und des Herrn Jesus Christus, der Lebendige und Tote richten wird, um seiner Erscheinung2 und seines Reiches3 willen:
 
2Tim 4,2     Verkündige das Wort4, tritt dafür ein5, es sei gelegen oder ungelegen6; überführe7, tadle8, ermahne9 mit aller Langmut10 und Belehrung11!

 

 
dia-martyromai = gr. „Götter und Menschen zu Zeugen anrufen“; feierlich bezeugen, beschwören, inständig bitten
epi-phaneia = Erscheinung
basileia = Königsherrschaft, Reich
kerysso = als Herold verkündigen, bekanntmachen; Wort = logos
eph-istamai = sei zur Stelle, sei bereit, dringe darauf, tritt dafür ein
eu-kairos a-kairos = zur rechten Zeit oder zur unrechten Zeit, bei passender und unpassender Gelegenheit
elengcho = tadeln, zurechtweisen, beweisen, überführen
epi-timao = rügen, zurechtweisen, nachdrücklich ermahnen, tadeln
para-kaleo = auffordern, anspornen, ermutigen, trösten, ermahnen
10  makro-thymia = geduldiges Zuwarten, Langmut
11  didachè = Lehre, Unterweisung, Belehrung
 
 
V. 1: Weil böse Menschen und Verführer es immer schlimmer treiben (3,13), und weil die Heilige Schrift, das inspirierte Wort Gottes, allein die Kraft hat, uns weise zu machen und zuzurüsten (3,14-17), deshalb mahnt der Geist Gottes alle wahren Diener Gottes ganz besonders ernst und feierlich, den heiligen Dienst am Wort treu und kompromißlos zu erfüllen. Der Begriff, den Paulus hier verwendet, bedeutet eigentlich: „Ich beschwöre dich; ich bezeuge Dir ernstlich und feierlich im Angesicht von Gott und Menschen“; es ist ein Ausdruck von größtmöglicher Eindringlichkeit, der zeigt, wie wichtig dem Herrn die folgende Ermahnung ist.
 
Für den Verkündiger ist es eine ständige Versuchung, für die Menschen zu predigen, denen er dient, statt für Gott, der ihn doch berufen hat. Der Diener am Wort ist ja immer wieder den Reaktionen und Erwartungen seiner Zuhörer ausgesetzt. Es liegt menschlich nahe, ihren Beifall zu suchen, das zu meiden, was ihnen mißfallen könnte und sich so an seinen Zuhörern auszurichten statt am Herrn.
 
Das gilt besonders, wenn viele der Zuhörer etwa in einer örtlichen Gemeinde fleischlich und kritisch sind, und der Verkündiger genau weiß, daß er sich mit manchen Aussagen seiner Botschaft Feinde machen wird bzw. die Unzufriedenheit vieler Zuhörer schürt. Das gilt umso mehr, wenn der Diener am Wort sich von den finanziellen Gaben seiner Zuhörer abhängig gemacht hat, statt in bezug auf seine Versorgung ganz auf den Herrn zu vertrauen.
 
An diesem heiklen Punkt hat der Geist Gottes uns besonders durch den Apostel Paulus ein klares Vorbild und klare Anweisungen gegeben.
 
Darum lassen wir uns nicht entmutigen, weil wir diesen Dienst haben gemäß der Barmherzigkeit, die wir empfangen haben, sondern wir lehnen die schändlichen Heimlichkeiten ab; wir gehen nicht mit Hinterlist um und fälschen auch nicht das Wort Gottes; sondern indem wir die Wahrheit offenbar machen, empfehlen wir uns jedem menschlichen Gewissen vor dem Angesicht Gottes. (2Kor 4,1-2; vgl. 2Kor 2,17)
 
Rede ich denn jetzt Menschen oder Gott zuliebe? Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich allerdings den Menschen noch gefällig wäre, so wäre ich nicht ein Knecht des Christus. (Gal 1,10)
 
Denn unsere Verkündigung entspringt nicht dem Irrtum, noch unlauteren Absichten, noch geschieht sie in listigem Betrug; sondern so wie wir von Gott für tauglich befunden wurden, mit dem Evangelium betraut zu werden, so reden wir auch - nicht als solche, die den Menschen gefallen wollen, sondern Gott, der unsere Herzen prüft. (1Thess 2,3-4)
 
Der Diener des Wortes steht also vor Gott, wenn er verkündigt; und das macht der Apostel Paulus auch Timotheus deutlich: „Daher ermahne ich dich ernstlich vor dem Angesicht Gottes und des Herrn Jesus Christus“. Der Apostel steht in seinem Dienst vor dem Angesicht Gottes, ist sich beständig dessen bewußt, daß er für Gott redet und nicht für Menschen; und so sollte es auch Timotheus halten – und jeder Diener am Wort Gottes zu allen Zeiten. Der Apostel stellt Timotheus im Geist vor das Angesicht Gottes, und durch den Geist gibt er ihm feierlich und ernst Zeugnis von seiner großen Verantwortung; er bittet ihn ernstlich und inständig, doch in seinem Dienst treu zu bleiben.
 
Er erinnert Timotheus und uns daran, daß wir einmal vor dem Herrn Jesus Christus, der auch der von Gott berufene große Richter ist, Rechenschaft über unseren Dienst geben müssen. Christus wird die Lebendigen und die Toten richten – das ist eine wesentliche Botschaft über unseren Herrn, die wir auch in 1Pt 4,5 bezeugt finden. Christus, der Retter und Mittler, ist auch der von Gott bestimmte Richter über alle! „Denn der Vater richtet niemand, sondern alles Gericht hat er dem Sohn übergeben“ (Joh 5,22). „Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkündigen und zu bezeugen, daß Er (Christus) der von Gott bestimmte Richter der Lebendigen und der Toten ist“ (Apg 10,42).
 
Christus wird die Toten richten – das kann man so verstehen: die in Sünden Toten, die aus Seinem Mund das ewige Strafurteil hören werden. Aber Er wird auch die Lebenden richten, d. h. all die Kinder Gottes, die Seine Knechte und Mägde sind, und die Ihm Rechenschaft geben werden im Preisgericht. Wie ehrfurchtgebietend und herrlich unser Herr in dieser Eigenschaft ist, macht uns die große Schau des Apostels Johannes in Offenbarung 1 deutlich.
 
Wir alle sollten unseren Dienst für den Herrn in dem Bewußtsein tun, daß wir darüber einmal Rechenschaft ablegen werden vor dem Preisrichterstuhl des Christus.
 
So soll man uns betrachten: als Diener des Christus und Haushalter der Geheimnisse Gottes. Im übrigen wird von einem Haushalter nur verlangt, daß er treu erfunden wird. Mir aber ist es das Geringste, daß ich von euch oder von einem menschlichen Gerichtstag beurteilt werde; auch beurteile ich mich nicht selbst. Denn ich bin mir nichts bewußt; aber damit bin ich nicht gerechtfertigt, sondern der Herr ist es, der mich beurteilt. Darum richtet nichts vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch das im Finstern Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen offenbar machen wird; und dann wird jedem das Lob von Gott zuteil werden. (1Kor 4,1-5)
 
Wir werden ja alle vor dem Richterstuhl des Christus erscheinen; denn es steht geschrieben: »So wahr ich lebe, spricht der Herr: Mir soll sich jedes Knie beugen, und jede Zunge wird Gott bekennen«. So wird also jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben. (Röm 14,10-12; vgl. Hebr 4,13)
 
Darum suchen wir auch unsere Ehre darin, daß wir ihm wohlgefallen, sei es daheim oder nicht daheim. Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden, damit jeder das empfängt, was er durch den Leib gewirkt hat, es sei gut oder böse. In dem Bewußtsein, daß der Herr zu fürchten ist, suchen wir daher die Menschen zu überzeugen, Gott aber sind wir offenbar; ich hoffe aber auch in eurem Gewissen offenbar zu sein. (2Kor 5,9-11)
 
In diesem Sinn stellt der Geist Gottes allen Dienern des Herrn in diesem Vers ihre große Verantwortung vor Augen. Unser Herr wird einmal wiederkommen in Macht und Herrlichkeit als der Richter und Herrscher über alle. Er ist die oberste Autorität, und wir, Seine Knechte, sollen Ihn mehr fürchten als die Menschen, denen wir zu dienen haben. Wir sollen diesen großen Herrscher ehren, indem wir furchtlos Seine Botschaft den Menschen weitersagen – ohne Verkürzungen und Zugeständnisse, ohne diplomatische Kniffe und womöglich sogar Verfälschungen.
 
 
V. 2: So lautet nun das ernste Gebot, das in seinem Gewicht auf diese ungewöhnliche Weise vom Geist Gottes in einem ganzen einleitenden Vers unterstrichen wurde: Verkündige als treuer Herold des Herrn Seine Botschaft! Verkündige sie mutig und kühn; verkündige sie unverfälscht und klar, verkündige sie mit aller Kraft und allem Einsatz! Bezeuge sie, proklamiere sie, stelle sie den Hörern ernst vor die Herzen; rede als bevollmächtigter Bote eines herrlichen Herrn, als Gesandter des lebendigen Gottes! Rede das Wort feierlich und ernst, weil es ein überaus gewichtiges, heiliges, vollmächtiges Wort ist, das über Tod und Leben der Hörenden entscheidet!
 
„Verkündige das Wort!“ Dieses Gebot gilt auch allen Dienern des Wortes in unserer heutigen Zeit; es legt ihnen mit großem Nachdruck eine heilige Verpflichtung auf. Das von Gott eingegebene Bibelwort muß getreulich und unermüdlich verkündigt werden, so wie ein Herold die Botschaft seines Königs hinausruft und laut verkündet – ganz gleich, wie die Menschen auf diese Botschaft reagieren; sie muß verkündigt werden, weil der große Gott sie erlassen hat.
 
Auch wenn die Menschen diese Botschaft nicht angenehm finden, nicht zeitgemäß, nicht passend – wir müssen dieses Wort unverkürzt und ungeschönt verkündigen. Auch wenn unsere Zuhörer vielleicht nach einer anderen Botschaft verlangen, die ihnen schmeichelt, die ihr Ich-Leben bestärkt und ihnen etwas „Positiveres“ bieten soll, auch wenn sie murren und fordern, das Kreuz aus unserer Botschaft zu entfernen und sie dem Zeitgeist anzupassen – wir müssen diese ewiggültige, göttliche Wahrheit kompromißlos und klar verkündigen, zu gelegener oder ungelegener Zeit; so lange, bis der Herr der Herrlichkeit wiederkommt.
 
Diese nachdrückliche Aufforderung ist gerade heute sehr wichtig, denn die Versuchung ist für die Knechte Gottes, die das Wort verkündigen, recht groß, Abstriche in ihrer Botschaft zu machen, sie den Erwartungen der Hörer anzupassen, bestimmte unpopuläre Aspekte der biblischen Botschaft wegzulassen, weil heute nicht die „gelegene Zeit“ dafür zu sein scheint (vgl. die Reaktion des Felix, Apg 24,25). Mancher Diener des Wortes könnte heutzutage versucht sein, gewisse unangenehme Dinge nicht zu predigen, weil die Zeit dafür nicht gelegen erscheint; aber Gott möchte, daß Sein ganzer, unverkürzter Ratschluß allezeit auf den Leuchter gestellt wird - gerade auch dann, wenn die Umstände ungünstig erscheinen.
 
Nein, wir sollen entschlossen für die biblische gesunde Lehre eintreten, auf ihr bestehen, wie man auch übersetzen könnte. Wir sollen allezeit zur Stelle sein, um das Wort in Vollmacht weiterzugeben, unverkürzt und als ein schneidendes Schwert, nach dem Vorbild des Apostels Paulus:
 
… und wie ich nichts verschwiegen habe von dem, was nützlich ist, sondern es euch verkündigt und euch gelehrt habe, öffentlich und in den Häusern, indem ich Juden und Griechen die Buße zu Gott und den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus bezeugt habe. (Apg 20,20-21)
 
Darum bezeuge ich euch am heutigen Tag, daß ich rein bin von aller Blut. Denn ich habe nichts verschwiegen, sondern habe euch den ganzen Ratschluß Gottes verkündigt. (Apg 20,26-27)
 
Unter den Bedingungen des Abfalls und der Verführung wird heute ein großer Druck auf die Verkündiger ausgeübt, Abstriche in ihrer Botschaft zu machen. Sie sollen nur die tröstenden, ermunternden, „positiven“ Aspekte der biblischen Botschaft weitergeben, das Unbequeme, herausfordernde, zur Buße Rufende aber abschwächen. Angesichts solcher Einflüsse hebt der Geist Gottes nun gerade die Aspekte der Wortverkündigung als Pflichten des Verkündigers hervor, die unpopulär sind:
 
* Überführe: Hier geht es vor allem darum, das Wort so zu verkündigen, daß es Sünde aufdeckt und die Sündigenden zurechtweist. Die Sünde muß deutlich beim Namen genannt und ans Licht Gottes gebracht werden, und das ist eine der gesegneten Wirkungen des heiligen Wortes Gottes.
 
Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es dringt durch, bis es scheidet sowohl Seele als auch Geist, sowohl Mark als auch Bein, und es ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens. Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern alles ist enthüllt und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben“ (Hebr 4,12-13).
 
In diesem Sinn wird dieser Begriff „überführen“ (elencho) in verschiedenen Aussagen gebraucht:
 
Denn jeder, der Böses tut, haßt das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. (Joh 3,20)
 
Als sie aber das hörten, gingen sie - von ihrem Gewissen überführt - einer nach dem anderen hinaus … (Joh 8,9)
 
… und habt keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, deckt sie vielmehr auf; (Eph 5,11)
 
Die, welche sündigen, weise zurecht vor allen, damit sich auch die anderen fürchten. (1Tim 5,20; vgl. Mt 18,15)
 
Alle, die ich liebhabe, die überführe und züchtige ich. So sei nun eifrig und tue Buße! (Offb 3,19)
 
Wir sehen hier: unser Herr Jesus überführt alle, die wahrhaft Sein sind, weil Er sie liebt; und diejenigen, die Ihm als echte Kinder Gottes angehören und Ihn lieben, die lassen sich auch überführen und vom Wort Gottes zurechtweisen.
 
Die falschen Christen aber (und manche fleischliche Gotteskinder leider auch) ärgern sich über das Wort, wenn es sie überführen will, und weisen Gottes Wahrheit zurück, weil sie in ihren Sünden bleiben wollen. Das aber ist der Sumpfboden, auf dem die Verführung in der Christenheit wächst. Wer die Liebe zur Wahrheit ablehnt und sich nicht überführen lassen will, der wird von den endzeitlichen kräftigen Irrtümern erfaßt und muß die Konsequenzen tragen (vgl. 2Thess 2,9-12).
 
* Tadle: Dieses Wort zeigt an, daß ein Fehlverhalten von dem Wort Gottes nicht nur aufgedeckt werden soll, sondern daß auch eindringlich auf Korrektur desselben eingewirkt werden muß. Das verkündigte Wort leitet uns an, Buße zu tun, die Sünde wirklich aufzugeben und das vor Gott wohlgefällige Verhalten anzunehmen. Manchmal wird dieses Wort auch übersetzt mit „etwas befehlen, strenge Anweisung geben“. Das Wort Gottes fordert uns ernstlich und verbindlich auf, unser sündiges Verhalten zu lassen und den Willen Gottes zu tun. Auch dieses Wort finden wir an zahlreichen Stellen im NT:
 
Und er befahl ihnen, daß sie ihn nicht offenbar machen sollten (Mt 12,16)
 
Er aber wandte sich um und sah seine Jünger an und ermahnte den Petrus ernstlich und sprach: Weiche von mir, Satan! Denn du denkst nicht göttlich, sondern menschlich! (Mk 8,33)
 
Habt acht auf euch selbst! Wenn aber dein Bruder gegen dich sündigt, so weise ihn zurecht; und wenn es ihn reut, so vergib ihm. (Lk 17,3)
 
Der andere aber antwortete, tadelte ihn und sprach: Fürchtest auch du Gott nicht, da du doch in dem gleichen Gericht bist? (Lk 23,40)
 
Hat unsere Wortverkündigung auch dieses korrigierende, zurechtweisende Element? Viele moderne Christen wollen das nicht dulden, und der Verkündiger macht sich nicht populär, wenn er zurechtweist und Sünde auch tadelt und auf eine Korrektur des Verhaltens hinweist. Genau das erwartet aber unser Herr von uns, wenn wir Ihm dienen:
 
… einer, der sich an das zuverlässige Wort hält, wie es der Lehre entspricht, damit er imstande ist, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen. Denn es gibt viele widerspenstige und leere Schwätzer und Verführer, besonders die aus der Beschneidung. Denen muß man den Mund stopfen, denn sie bringen ganze Häuser durcheinander mit ihrem ungehörigen Lehren um schändlichen Gewinnes willen. Einer von ihnen, ihr eigener Prophet, hat gesagt: »Die Kreter sind von jeher Lügner, böse Tiere, faule Bäuche!« Dieses Zeugnis ist wahr; aus diesem Grund weise sie streng zurecht, damit sie gesund seien im Glauben … (Tit 1,9-13)
 
* Ermahne: Hier geht es um den Ansporn zum richtigen Handeln, um geistgewirkte Aufforderung und Zuspruch, doch dem Herrn nachzufolgen und zu dienen und Seinen Willen zu tun. Wenn wir von der Sünde überführt wurden und zurechtgewiesen wurden und unser Verhalten angefangen haben zu berichtigen, dann brauchen wir den Ansporn, weiter im Guten zu beharren und darin zuzunehmen. Das ist hier wohl mit „Ermahnen“ gemeint, und auch dafür haben wir das Vorbild des Apostels Paulus:
 
Darum wacht und denkt daran, daß ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht aufgehört habe, jeden einzelnen unter Tränen zu ermahnen. (Apg 20,31)
 
… ihr wißt ja, wie wir jeden einzelnen von euch ermahnt und ermutigt haben wie ein Vater seine Kinder … (1Thess 2,11)
 
Weiter nun, ihr Brüder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus, daß ihr in dem noch mehr zunehmt, was ihr von uns empfangen habt, nämlich wie ihr wandeln und Gott gefallen sollt. (1Thess 4,1)
 
Ermahnt einander vielmehr jeden Tag, solange es »Heute« heißt, damit nicht jemand unter euch verstockt wird durch den Betrug der Sünde! (Hebr 3,13)
 
Wie in der gerade betrachteten Stelle 2Tim 4,2 wird das „Ermahnen“ vielfach mit dem „Lehren“ verbunden (vgl. auch 1Tim 4,13; 6,2). Diese beiden Begriffe sind auch logisch miteinander verbunden, denn das biblische „Ermahnen“ bezieht sich nicht auf bloßen menschlich-moralischen Zuspruch, sondern hat immer die Lehre der Heiligen Schrift, die inspirierte Weisung Gottes, als Grundlage. „Ermahnen“ bedeutet im Grunde, darauf zu dringen, daß die Gläubigen die Lehre des Christus auch praktisch in ihrem Leben umsetzen. Ermahnung ist nicht möglich ohne die Lehre, und umgekehrt nützt die „reine Lehre“ nicht viel ohne die Ermahnung, das Empfangene auch umzusetzen und auszuleben.
 
Ihn verkündigen wir, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen lehren in aller Weisheit, um jeden Menschen vollkommen in Christus Jesus darzustellen. (Kol 1,28)
 
… einer, der sich an das zuverlässige Wort hält, wie es der Lehre entspricht, damit er imstande ist, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen. (Tit 1,9)
 
Dieses sollst du lehren und mit allem Nachdruck ermahnen und zurechtweisen. Niemand soll dich geringschätzen! (Tit 2,15)
 
Auf der anderen Seite ist es auch entscheidend wichtig, daß wir als Gläubige bereit sind, uns ermahnen zu lassen. In einer Zeit der Ichhaftigkeit und Gesetzlosigkeit ist Ermahnung nicht mehr gefragt. Man begnügt sich mit einem unverbindlichen Betrachten der Lehre und will nicht daran erinnert werden, daß es auch darauf ankommt, sie umzusetzen.
 
Wer heute noch nach dem Vorbild des Apostels Paulus ermahnt, setzt sich Kritik und Verfolgungen durch fleischliche Christen aus. Aber das Wort Gottes spricht uns hier deutlich an: „Ich ermahne euch aber, ihr Brüder, nehmt das Wort der Ermahnung an; denn ich habe euch mit wenigen Worten geschrieben“ (Hebr 13,22); „Im übrigen, ihr Brüder, freut euch, laßt euch zurechtbringen, laßt euch ermahnen, seid eines Sinnes, haltet Frieden; so wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein!“ (2Kor 13,11).
 
 
Die Verkündigung des Wortes Gottes soll also die Aspekte der Überführung, der Zurechtweisung und der Ermahnung zum Guten enthalten; nun kommt noch etwas Weiteres, Wichtiges dazu: sie soll „mit aller Langmut und Belehrung“ geschehen.
 
Gott erwartet, daß Seine Kinder Seinem Wort gehorchen und es in die Tat umsetzen. Dazu gehört aber nach dem Plan Gottes auch, daß sie es letztlich aus Einsicht tun, als solche, die den Willen ihres Vaters verstehen und sich dann freiwillig und bewußt entscheiden, diesen Willen auch gehorsam auszuleben. Die Lehre erklärt uns die Gedanken Gottes und sucht sie den Kindern Gottes verständlich zu machen. Die Lehre stellt Zusammenhänge her, zeigt die Linien der Gedanken Gottes und erweckt Einsicht und Verständnis des Willens und Ratschlusses Gottes. Deshalb soll alle Verkündigung Lehre enthalten und zur biblischen Belehrung hinführen. Lehre ist ganz wichtig für das geistliche Wachstum und die Festigung der Gläubigen.
 
Weil aber manche Gläubige träge zum Hören und Verstehen der Lehre sind, muß man bei diesem Dienst Langmut und Geduld üben. Manche Kinder Gottes verstehen die Gedanken Gottes sehr schnell; sie haben ein aufnahmebereites, gehorsames Herz und ein waches, geübtes geistliches Verständnis. Andere, insbesondere unreife und fleischliche Gläubige, sind für biblische Lehre wenig empfänglich; sie nehmen die Gedanken Gottes nicht richtig auf. So sagt es der Apostel Paulus von den Korinthern und auch von den Hebräern:
 
Und ich, meine Brüder, konnte nicht zu euch reden als zu geistlichen, sondern als zu fleischlichen [Menschen], als zu Unmündigen in Christus. Milch habe ich euch zu trinken gegeben und nicht feste Speise; denn ihr konntet sie nicht vertragen, ja ihr könnt sie auch jetzt noch nicht vertragen, denn ihr seid noch fleischlich. (1Kor 3,1-3)
 
Über ihn haben wir viel zu sagen, und zwar Dinge, die schwer zu erklären sind, weil ihr träge geworden seid im Hören. Denn obgleich ihr der Zeit nach Lehrer sein solltet, habt ihr es wieder nötig, daß man euch lehrt, was die Anfangsgründe der Aussprüche Gottes sind; und ihr seid solche geworden, die Milch nötig haben und nicht feste Speise. Wer nämlich noch Milch genießt, der ist unerfahren im Wort der Gerechtigkeit; denn er ist ein Unmündiger. Die feste Speise aber ist für die Gereiften, deren Sinne durch Übung geschult sind zur Unterscheidung des Guten und des Bösen. (Hebr 5,11-14)
 
In dem allgemein fleischlichen Zustand, den wir in der Endzeit auch unter wahren Gläubigen leider vorfinden, brauchen wir Geduld in unserer Belehrung; wir müssen die Wahrheiten aus Gottes Wort, besonders die unpopulären, die dem fleischlichen Gläubigen schwer eingehen, immer wieder verkündigen, begründen, vor die Herzen stellen mit dem Gebet, daß Gott die Herzen erweckt und entzündet, so daß die gesunde Lehre wirklich eindringen und ihr gutes Werk tun kann. Wir dürfen uns nicht an langsamen Fortschritten oder gar Rückschlägen stoßen und vorschnell mutlos werden.

Auszug aus dem Buch von Rudolf Ebertshäuser: Bewahre Das Wort! Eine Auslegung des 2. Timotheusbriefes. Edition Nehemia Steffisburg  2013, 196 S., Hardcover,  € 9,90


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